| 20:26 Uhr

Warnstreik in Merzig
Beschäftigte der Stadt fordern mehr Lohn

Mit großen Bannern haben die Tarifbeschäftigten ihren Forderungen beim Warnstreik Nachdruck verliehen.
Mit großen Bannern haben die Tarifbeschäftigten ihren Forderungen beim Warnstreik Nachdruck verliehen. FOTO: Tina Leistenschneider
Merzig. Rund 70 Menschen haben sich beim Warnstreik in Merzig beteiligt. Zu diesem hatte die Gewerkschaft Verdi aufgerufen. Von Tina Leistenschneider

Wer am Freitag sein Kind in der Kindertagesstätte (Kita) in Merchingen abgeben wollte, stand vor verschlossenen Türen. Grund dafür war ein Warnstreik, zu dem die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag in Merzig aufgerufen hat. Um sich für ihre Forderungen einzusetzen, legten rund 70 Beschäftigte der Kreisstadt Merzig ihre Arbeit nieder. Betroffen waren neben der Kita in Merchingen der Merziger Baubetriebshof mit 23 streikenden Beschäftigten, die Merziger Stadtwerke, das Bürgerbüro der Kreisstadt sowie die Krippe in Besseringen. „Wir sind die Guten“ und „Wir sind es wert“ stand auf den weißen Banderolen, mit denen die Arbeiter und Angestellten im öffentlichen Dienst bei einer Kundgebung vor dem Baubetriebshof für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen demonstrierten. Nachdem die zweite Verhandlungsrunde vor einer Woche erfolglos und ohne Angebot der Arbeitgeber vertagt wurde, sind die Tarifverhandlungen zurzeit festgefahren. Da die Arbeitgeber bislang nicht bereit waren, die Forderungen anzunehmen, streiken die Beschäftigten in Bund und Kommunen weiter. Nach Warnstreiks in Saarbrücken, Homburg, Neunkirchen, Saarlouis und Völklingen in den Tagen davor wurde nun nach langer Zeit wieder in Merzig gestreikt. Sechs Prozent mehr Lohn oder mindestens 200 Euro sowie eine Übernahmeregelung für Auszubildende nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung fordern die Tarifbeschäftigen der Verdi. Auszubildende sollen zudem einen weiteren Urlaubstag erhalten und statt 29 über 30 Tage Urlaub verfügen. Darüber hinaus fordert die Gewerkschaft eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung und der Praktikantenentgelte um 100 Euro sowie eine Anhebung des Nachtarbeitszuschlags in Krankenhäusern um 20 Prozent.  Durch Erfüllung dieser Forderungen sollen die unteren und mittleren Einkommen deutlich angehoben werden.


„Mit diesem letzten Warnstreik vor Ostern wollen wir ein Signal an die Arbeitgeber senden“, sagte Stefan Schorr, Gewerkschaftssekretär und Landestarifkoordinator der Verdi. „Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes haben auch ein Recht, an wirtschaftlichem Wachstum und an steigender Produktivität teilzuhaben“, teilte die Gewerkschaft mit. Das Merziger Bürgeramt hatte bis 10 Uhr mit einer Notbesetzung geöffnet. Neben dem Praktikanten Sven Fontaine und Nicole Reichart vom Hauptamt kümmerte sich auch Bürgermeister Marcus Hoffeld um die Anliegen der Bürger. Bei den Stadtwerken legten die Mitarbeiter der Technik ihre Arbeit nieder und beim Baubetriebshof streikten insgesamt 23 Mitarbeiter, während 18 im Dienst waren. Eltern, die ihre Kinder in die Krippe in Besseringen bringen wollten, konnten diese im Kindergarten abgeben. Die Kita in Merchingen hatte vor Ort Lösungen gefunden, um eine Betreuung der Kindergartenkinder sicherzustellen.

Sollten die aktuellen Warnstreiks nun keinen Erfolg bringen, kündigte Schorr bereits an, erneut „kräftig nachzulegen“ und zu flächendeckenden Warnstreiks im Saarland aufzurufen. Diese würden noch vor der dritten Verhandlungsrunde stattfinden, die am Sonntag, 15. April, in Potsdam beginnt. Erstmals führt dabei der neue Bundesinnenminister, Horst Seehofer (CSU), die Verhandlungen.

Bürgermeister Marcus Hoffeld half im Merziger Bürgerbüro mit aus.
Bürgermeister Marcus Hoffeld half im Merziger Bürgerbüro mit aus. FOTO: Tina Leistenschneider