Bei Merzig entsteht ein Windpark - mit senkrechten Modulen

Wellingen : Landwirte nutzen den Solarpark weiter mit

Eine Photovoltaik-Anlage der besonderen Art soll bei Wellingen entstehen. Denn zwischen den Modulreihen bleibt Platz für Wiesen und Felder.

Ein schweres Zahlenschloss sichert das Tor in einem mehr als mannshohen Metallzaun. Die obere Kante des Zauns ist zusätzlich mit Stacheldraht gesäumt. Dass das Gelände in Dirmingen derart gesichert sei, sei eine Auflage der Versicherung, erläutert Projektentwickler Markus Probst – und das hat seinen Grund: Hinter dem Zaun fließt jede Menge Strom. Denn auf der rund zehn Hektar großen Fläche befindet sich eine Photovoltaik-Anlage, die die Firma Next2Sun, eine Tochter der Ökostrom Saar GmbH, aus Merzig gebaut hat. Und bald soll in der Nähe von Wellingen (siehe Grafik) ebenfalls eine Anlage dieser Art entstehen.

Bei dieser Solaranlage handelt es sich aber nicht um eine gewöhnliche Solaranlage. Den großen Unterschied zu den Installationen, die auf Feldern oder auch auf Dächern angebracht werden, sieht selbst der Laie auf den ersten Blick: Denn anstatt waagerecht oder schräg sind die einzelnen Module senkrecht angeordnet. In langen Reihen stehen sie auf dem Wiesengrundstück in Dirmingen, immer zwei Module sind übereinander auf einem Gestell angebracht. Knapp drei Meter sind die Solarmodule hoch, zu ihren Füßen grünen und blühen Gräser und Blumen. Und dazwischen liegen vereinzelt frisch gerollte Strohballen.

Eine Besonderheit der Anlage ist nicht nur die senkrechte Anordnung der Module, sondern auch, dass zwischen den einzelnen Reihen rund zehn Meter Platz sind. Dieser Platz kann weiter landwirtschaftlich genutzt werden. „Bei den anzubauenden Kulturen muss man darauf achten, dass die Pflanzen nicht zu hochwachsend sind“, erläutert Probst. Maximal 80 Zentimeter seien möglich, denn in dieser Höhe beginnen die Module. Auch Tiere können gehalten werden, nur müssen dann die Kabel entsprechend gesichert werden, ergänzt er.

Direkt neben der A 8 soll der Solarpark entstehen. Foto: SZ/Steffen, Michael

Die Anlage ist die zweite ihrer Art – zuvor wurde ein deutlich kleinerer Prototyp in Losheim errichtet. Der Solarpark in Dirmingen umfasst insgesamt 5700 bifaciale Module – die nächste Besonderheit der Anlage. Bifacial bedeutet, dass die Module von beiden Seiten her die Sonne einfangen – in Dirmingen zeigt eine Seite nach Osten, die andere nach Westen. Der Energieertrag auf der Rückseite sei dabei etwas geringer als auf der Vorderseite, sagt Probst und betont: „Wir sehen damit eine Möglichkeit, die Energiewende voranzutreiben.“ In den Morgen- und Abendstunden produziere die Anlage mehr Energie als eine konventionelle Solaranlage, während in den Mittagsstunden die Leistung runtergehe. Insofern speisen die senkrechten Anlagen genau dann Energie ins Netz ein, wenn es die konventionellen nicht tun – und umgekehrt.

In Dirmingen werde nach Worten von Probst auf rund zehn Hektar Fläche eine Leistung von zwei Megawatt erzeugt. In Wellingen sollen bis zu vier Megawatt auf einer Fläche von 18 Hektar möglich sein.

Eine Besonderheit in Wellingen sei, dass dort bisher vorwiegend Ackerland gewesen sei, sagt Probst. Insofern erfahre die Fläche eine „ökologische Aufwertung“. Beabsichtigt sei eine Dauergrünlandfläche mit Energiepflanzen. Etwa ein Prozent der Fläche werde durch den Bau der eigentlichen Anlage versiegelt, rund 90 Prozent blieben weiterhin landwirtschaftlich nutzbar.

Markus Probst. Foto: Barbara Scherer

Während der Strom der Dirminger Anlage in ein Gewerbegebiet geleitet wird, ist die Nutzung bei Wellingen noch nicht definitiv geklärt. Eine Möglichkeit ist es nach Worten von Probst, die Energie ins Ortsnetz von Wellingen einzuspeisen. Ebenfalls noch nicht abgeschlossen ist der Bebauungsplan – Probst rechnet damit, dass der Bau der Anlage 2020 starten kann. Bei der Nutzung seien unter anderem der Naturschutz und das Landschaftsbild zu beachten. Dies werde im Bauleitplanverfahren abgearbeitet. Dass der Stadtrat Merzig im Frühjahr den Aufstellungsbeschluss gefasst habe, sei „ein wichtiger Schritt“.

Ein Vorteil der senkrechten Module sieht Probst in der höheren Akzeptanz: „Die Widerstände der Landwirte steigen bei konventionellen Photovoltaikanlagen und Windenergie.“ Dies sei bei der senkrechten Bauweise, die weiterhin eine Bewirtschaftung des Großteils der Fläche ermöglicht, nicht der Fall. Weitere Vorteile sieht er in der Netzstabilität und in der Wirtschaftlichkeit der Anlagen.

Der Solarpark in Wellingen soll nach Worten von Probst nicht der letzte seiner Art bleiben. „Wir sind offen für neue Vorhaben“, betont er. Und eine Photovoltaik-Anlage, die von der Energieleistung her in etwa der im Grünen Kreis geplanten entspreche, befindet sich derzeit in Baden-Württemberg im Entstehen.

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