Bahn setzt Rückschnitt von Hecke in Straße Am Königsfeld in Besseringen aus

Kostenpflichtiger Inhalt: Natürlicher Sichtschutz : Besseringer sorgen sich um ihre Hecke

Als natürlicher Sichtschutz fungiert eine hohe Hecke in der Straße Am Königsfeld. Doch nun wäre sie fast verschwunden.

Helle Aufregung herrschte in den vergangenen Tagen unter den Anwohnern der Straße Am Königsfeld in Besseringen. Dafür sorgte eine Aussage, die ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn (DB) gegenüber einigen der Anwohner getroffen hatte. Es ging um eine Hecke, die vermeintlich entfernt werden sollte.

Dazu muss man wissen: Die Straße Am Königsfeld verläuft in unmittelbarer Nähe zur Bahnlinie Merzig-Trier, die in Besseringen quasi mitten durch den Ort verläuft. Seit Jahren schon wird in dem Ort kontrovers über den Plan der DB diskutiert, entlang der Bahnstrecke eine bis zu drei Meter hohe Lärmschutzwand zu errichten. In Besseringen gehen die Meinungen über dieses Vorhaben weit auseinander: Manche im Ort befürworten die Lärmschutzwand, andere lehnen sie (insbesondere aus ästhetischen Gründen) ab. Die Kontroverse ist mittlerweile sogar vorm Verwaltungsgericht des Saarlandes gelandet (siehe separater Text unten).

Für die Bewohner der Straße Am Königsfeld spielte dieser Streit eigentlich keine Rolle. Denn ihnen war im Zuge der schon seit rund sieben Jahren laufenden Debatte von einer Projektleiterin der Deutschen Bahn zugesagt worden, dass an ihrer Straße keine Lärmschutzwand geplant ist. Das bestätigt gegenüber der SZ sowohl die Deutsche Bahn selbst (Zitat eines Sprechers: „Eine Lärmschutzwand ist an dieser Stelle nicht geplant.“) als auch Axel Ripplinger, CDU-Ortsvorsteher des Stadtteils. Er wohnt selbst in der Straße Am Königsfeld und kann sich noch lebhaft an die Diskussionen in der Vergangenheit erinnern. Denn es gibt ja die Hecke, die auf dem etwa einen Meter über Straßenniveau verlaufenden Bahndamm wächst und einen natürlichen Sichtschutz der Wohnanwesen gegenüber der Bahnlinie darstellt. „Diese Hecke steht schon hier, seit ich denken kann, und ich bin jetzt Mitte 40“, sagt Ripplinger.

Die Hecke trennt die Anwohner der Straße Am Königsfeld von der Bahnlinie Merzig-Trier. Foto: Ruppenthal

Doch nun sollte die rund 200 Meter lange Hecke mit einem Mal komplett gerodet werden – so zumindest habe es vor einigen Tagen ein Bahnmitarbeiter gegenüber einigen Anwohner erklärt, wie diese gegenüber unserer Redaktion mitteilten. Und dies solle schon in nächster Zeit geschehen, habe es weiter geheißen. Auch an ihren Ortsvorsteher (und Nachbarn) haben sich die aufgebrachten Anwohner gewandt. Und Axel Ripplinger wurde aktiv: Er hat bei der DB nachgefragt, was da geschehen soll – ebenso wie die SZ auch.

Auf Anfrage unserer Redaktion teilte die Deutsche Bahn mit, dass die besagte Hecke eigentlich aus Sicherheitsgründen bis auf Bodenniveau heruntergeschnitten werden müsste. Dies sehe das sogenannte Vegetationsmanagement vor, das angesichts der klimatischen Veränderungen und der damit einhergehenden Zunahme von Extremwetterlagen und Stürmen zunehmend an Bedeutung gewinne. „Ziel ist es, die Schiene sturmsicherer zu machen – damit die Fahrgäste bei Wind und Wetter verlässlich unterwegs sind“, heißt es von einem Bahnsprecher. Im Rahmen gesetzlicher Vorgaben trage die Bahn dafür Sorge, dass Zugfahrten auf der Schiene verlässlich durchgeführt werden können. „Dafür gilt es, die Vegetation im direkten und weiteren Umfeld der Gleise im Blick zu behalten und bei Bedarf tätig zu werden.“ Das Konzept des Vegetationsrückschnitts folge „guter forstwirtschaftlicher Praxis“, Belange des Natur- und Umweltschutzes würden umfassend berücksichtigt.

Die Vorgaben des Vegetationsmanagements seien klar definiert, so der Bahnsprecher: „Neben dem Freihalten des Gleises selbst wird hierbei eine Rückschnittzone mindestens sechs Meter rechts und links der Gleise ganzjährig von Bewuchs freigehalten.“ Dieser bodennahe Rückschnitt erfolge „einmal im Jahr sowie bedarfsorientiert“. Aber im Falle von Besseringen mache die Bahn eine Ausnahme: „Die von Ihnen genannte Hecke soll nicht gerodet werden. Auch ein Rückschnitt findet zunächst nicht statt“, stellt der DB-Sprecher klar. Obwohl die Hecke sich innerhalb des genannten Sechs-Meter-Raums befinde, „wird derzeit individuell geprüft, in welchem Maße der Umfang der Hecke bestehen bleiben kann, ohne die Betriebssicherheit zu gefährden“. Die Bahn stehe hierzu im Austausch mit dem zuständigen Ortsvorsteher.

Der befürchtete Kahlschlag bleibt also wohl aus, das bestätigt auch Axel Ripplinger: „Zunächst war geplant gewesen, die Hecke bis auf einen Meter Höhe zu stutzen“, gibt er den Inhalt seiner Gespräche mit den Bahn-Verantwortlichen wieder. Dass ein Rückschnitt angeraten sei, sei nachvollziehbar. Immerhin habe das Strauchwerk mittlerweile die Höhe der Straßenleuchten in der angrenzenden Straße erreicht. Jetzt aber wolle die Bahn prüfen, ob die Hecke vielleicht etwas dezenter heruntergeschnitten werden und damit mit einer Höhe von zwei bis drei Metern bestehen bleiben könne.