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Aus „Fürsorge“ wurde „Kontrolle“

Aus „Fürsorge“ wurde „Kontrolle“

Kein Thema bewegt seit längerer Zeit die Gemüter im Land so sehr wie die durch die Flüchtlingskrise bedingte Masseneinwanderung nach Deutschland. In unserer Serie wird die Zuwanderung in die Merziger Region während der vergangenen 200 Jahre dargestellt. Diesmal geht es um die Besatzungszeit.

Angesichts dessen, was sie dort womöglich erwartete, waren sie sehr skeptisch. Viele der sowjetischen Zwangsarbeiter wurden nach der Rückkehr in ihre Heimat dort tatsächlich auch der Kollaboration mit dem Feind beschuldigt und zu Zwangsarbeit oder sogar zum Tode verurteilt und hingerichtet. Unter diesem Eindruck wurden diese so genannten "Displaced Persons" (DP) zunächst in Aufnahmelagern untergebracht. Ursprünglich waren die Unterkünfte für solche Personen als "Sammelstellen" gedacht. Doch wurden sie nun bewacht und mit Stacheldraht versehen. Die zuerst als "Fürsorge" konzipierte Betreuung wurde durch "Kontrolle" ersetzt. Diese Maßnahmen griffen rasch und senkten die Kriminalitätsrate der DP's, unter die der deutschen Bevölkerung ab.

In unserer Region befand sich ein solches Lager in Lebach. Hier waren ab April 1945 in der ehemaligen Kaserne zeitweise bis zu 10 000 ehemalige Fremdarbeiter auf engstem Raum untergebracht. Zahlreiche Menschen starben aufgrund der unmöglichen hygienischen Verhältnisse an Infektionskrankheiten. Diese Lager wurden von der UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration) betreut. Während von Übergriffen der "Fremdarbeiter" auf die deutsche Bevölkerung aus verschiedenen Dörfern und Städten des Saarlandes berichtet worden ist, ist aus den Dörfern des Haustadter Tales nichts dergleichen bekannt geworden. Unter der Bevölkerung hier in den Dörfern kursierten allerdings Gerüchte, dass Fremdarbeiter aus dem Lebacher Lager Überfälle und Raubzüge in Nachbardörfern verübt hätten. Aus diesem Grunde wurden in den ersten Wochen nach dem Ende der Kampfhandlungen aus Angst abends Türen und Fenster verriegelt und besonders verstärkt, um sich vor eventuellen Überfällen durch diesen Personenkreis zu schützen. Doch blieben die Dörfer des Haustadter Tales von Überfällen verschont.

Lediglich war Anfang April in Reimsbach ein Fahrrad von einem Russen gestohlen worden. Die Eigentümerin zeigte dies beim Bürgermeisteramt an. Sie gab weiter zu Protokoll, dass sie zufälligerweise durch einen anderen Russen, der bei ihr in der Nachbarschaft wohne, in Erfahrung gebracht habe, dass das Rad in Lebach im Lager sei. Der Russe aus ihrer Nachbarschaft habe das Rad nun an sich nehmen wollen, weil er gewusst habe, wem das Rad gehöre. Daraufhin sei er von dem anderen bedroht worden, er würde ihn totschlagen, wenn er das Rad nehmen würde. Die Eigentümerin bat dann um die Ausstellung eines Passierscheines, um sich nach Lebach zur Polizeiverwaltung begeben zu können und wieder in den Besitz des Fahrrades zu gelangen. < wird fortgesetzt.