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Augenzeugen berichten in Merzig über Klimawandel

Zu Besuch in Merzig : Sie warnen vor drohender Zerstörung

Zwei Augenzeugen des Klimawandels in Südamerika waren zu Besuch in Merzig und haben dort über ihre Erfahrungen gesprochen.

Den Klimawandel bremsen und seine Auswirkungen abfedern – so lauten die Ziele des Pariser Klimavertrags, dem sich Ende 2015 fast 200 Staaten verschrieben. Mit dem Abkommen soll erreicht werden, dass die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit beschränkt wird, um die Folgen des Klimawandels, wie den steigenden Meeresspiegel und verheerende Klimakatastrophen, zu mildern.

Während wir hier nur über die möglichen Folgen spekulieren können, zeigen diese sich anderorts bereits. „In unserem Trinkwasser finden wir toxische Rückstände durch die Vermüllung und Überdüngung“, berichtet José Guevara aus El Salvador, ebenso leiden die Menschen dort nach seinen Worten unter den hohen Temperaturen. Die führten neben materiellen Schäden und Verlusten der Ernte auch zu Toten. „Durch die Dürre steigen die Insektenplagen, die Krankheiten übertragen, ebenso herrscht Wassermangel“, erzählt Guevara. Er ist einer der Augenzeugen des Klimawandels aus Zentralamerika und schildert zusammen mit Janett Castillo aus Nicaragua zirka 60 Schülern aus der Klassenstufe zehn der Jean-François-Boch-Schule (BBZ) in Merzig die sichtbaren Folgen des Klimawandels.

Für Guevara ist nicht der Klimawandel der Grund für die Veränderung der Erde, „er ist ein Effekt dieser Veränderung“. Das größte Problem ist aus seiner Sicht, „dass die Beziehung zwischen Mensch und Natur aus den Fugen geraten ist, weil wir mehr nehmen, als wir haben“. Mit diesen Worten erinnert er an den Erdüberlastungstag, der 2019 bereits auf den 29. Juli fiel. Ab diesem Tag verbrauchen wir in einem Jahr mehr natürliche Ressourcen, als nachwachsen können.

Durch Abholzung der Wälder und Verbrennung fossiler Brennstoffe gelangt Guevara zufolge mehr Kohlenstoff (CO2) in die Luft, Tiere verlieren ihren Lebensraum und die Ökosysteme, „von dem wir als Lebewesen abhängen, verschlechtern sich schneller als gedacht“, sagt Guevara, der klare Worte fand: „Zerstören wir die Natur, zerstören wir uns selbst.“ Er mahnte zu einem achtsamen Umgang mit den Ressourcen der Natur.

In El Salvador sei nicht der Mensch der Gegner, „sondern die Politik. Weil sich die Politiker stark nach den Interessen der Firmen richten“, sagte Guevara, der befürwortet, sich gemeinsam gegen dieses politische System und die Macht der Unternehmen zu stellen.

Gegen die stellt sich in El Salvador und in Nicaragua eine Bauernbewegung, die beispielsweise gegen die Privatisierung des Wassers kämpft und den Bauern hilft, ihr eigenes Saatgut anzubauen.

Wie sich die Menschen in Nicaragua auf die Folgen einstellen, erzählte Janett Castillo. „Wir betreiben Aufklärungsarbeit, um über die Effekte des Klimawandels zu reden, versuchen Lebensmittel zu sichern und helfen Bauern, sich mithilfe eines Klima-Monitorings auf Stürme oder Regen einzustellen“, erzählt sie. Ihr Appell: „Wir müssen uns zusammentun und Veränderungen bewirken. Jetzt!“ Ihnen sei es nach Castillos Worten wichtig, dass die Einwohner ihre Produktion in erster Linie darauf ausrichten, sich und ihre Familien sicher, gesund und nachhaltig versorgen zu können und nicht abhängig vom Weltmarkt zu sein.

Das Ökumenische Büro München organisierte eine Rundreise mit Janett Castillo aus Nicaragua und José Guevara aus El Salvador mit Halt in der Jean-François-Boch-Schule, um über Ursachen und Lösungsansätze für den Klimawandel zu sprechen. Beteiligt war auch das Netzwerk Entwicklungspolitik Saar. „Es geht darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass andere bereits darunter leiden“, sagte die Geschäftsführerin, Ulrike Dausend. Damit wolle man eine Änderung bewirken. „Jeder Schritt zum nachhaltigen Leben, egal wie klein er ist, ist gut“, sagte sie.