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Merzig-Wadern
Der Landkreis setzt auf „Schule ohne Drogen“

In der Diskussionsrunde beantworteten die Experten (von links) Helmut Kuntz, Joachim Bechtold, Dr. Daniel Böhm, Gerd Bermann und Carina Schweitzer die Fragen von Roman Bonnaire (3.v.r.).
In der Diskussionsrunde beantworteten die Experten (von links) Helmut Kuntz, Joachim Bechtold, Dr. Daniel Böhm, Gerd Bermann und Carina Schweitzer die Fragen von Roman Bonnaire (3.v.r.). FOTO: Landkreis Merzig-Wadern / LandkreisMerzig-Wadern
Merzig-Wadern. Was können Eltern und Pädagogen tun, wenn Schüler abhängig werden? Auftakt einer präventiven Veranstaltungsreihe in Merzig.

Für Kinder und Jugendliche hält die Welt zahlreiche und vielfältige Chancen und Risiken bereit. Insbesondere in der Phase der Adoleszenz müssen sie wichtige Entwicklungsaufgaben bewältigen. Eine davon ist die Auseinandersetzung mit den Themen Genuss, Konsum und Abhängigkeit von Alkohol, Tabak, illegalen Drogen, digitalen Welten und vielem mehr. Hinzu kommt, dass Alkohol, Nikotin und Tabak, Arzneimittel, aber auch illegale Substanzen zunehmend als „normale Lebens-Mittel“ wahrgenommen werden. Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche nehmen sie als selbstverständlich wahr und gehen oft bedenkenlos mit ihnen um.


Im Landkreis Merzig-Wadern gibt es neben den Schulen zahlreiche Institutionen, die im Bereich Suchtprävention für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gute Arbeit leisten. „Trotz all dieser Bemühungen und Erfolge lässt sich leider nicht verhindern, dass es auch in Schulen zu schwierigen Situationen im Zusammenhang mit Substanzmittelkonsum kommt“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Landratsamt.

Es stellen sich deswegen vielfältige Fragen: Welche Handlungsmöglichkeiten haben Eltern, wenn ihr Kind konsumiert? Was können Erwachsene tun, damit Kinder und Jugendliche erreichbar bleiben und wie kann es gelingen, dass sich Kinder und Jugendliche zu selbstbewussten und eigenverantwortlichen Erwachsenen entwickeln? Welche Aufgaben haben Eltern, erwachsene Bezugspersonen und pädagogische Fachkräfte in diesem wichtigen Prozess?



Mit der Veranstaltungsreihe „Schule ohne Drogen“ will sich der Landkreis auf Initiative von Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich diesen Fragen stellen und mit zahlreichen Veranstaltungen, die in den einzelnen Sozialräumen des Kreises (also den unterschiedlichen Regionen und Kommunen) stattfinden, präventiv auf dieses gesellschaftliche Problem aufmerksam machen und sowohl Eltern, Pädagogen als auch Kindern und Jugendlichen Handlungsalternativen anbieten.

Zur Auftaktveranstaltung der Veranstaltungsreihe „Schule ohne Drogen“ begrüßte die Landrätin dieser Tage über 100 Teilnehmer im Landratsamt in Merzig. „Da auch an den Schulen des Landkreises zunehmend Drogen konsumiert werden, möchte der Landkreis als Träger der Schulen, der Jugendhilfe und des Gesundheitsamtes bei mehreren Veranstaltungen alle beteiligten Personen für dieses wichtige Thema sensibilisieren und unterstützen“, erklärte die Landrätin. Eltern, Pädagogen sowie die Kinder und Jugendliche selbst wüssten oft zu wenig über die Gesundheitsgefährdung durch Suchtmittel aller Art. So würden Drogen in unserer Leistungsgesellschaft von Schülern auch zunehmend als Dopingmittel und Beruhigungsmittel konsumiert, um auf der einen Seite die schulischen Leistungen zu steigern und andererseits danach wieder zu entspannen. „Ein Teufelskreis, der oft zum Zusammenbruch des ganzen Systems führt“, mahnte Schlegel-Friedrich.

Dass vor der konkreten Hilfe der Aufbau einer Vertrauensbasis steht, erklärte der Familientherapeut und langjährige Mitarbeiter der Drogenberatungsstelle Saarbrücken Helmut Kuntz. Schwerpunkt seines Vortrages mit dem Titel „Ermunterung zum Leben – Alternativen zu Drogen und Sucht“ war die Suche des Menschen nach einem glückenden Leben, denn wer glücklich und zufrieden ist, der braucht keine Drogen. Zeit, Liebe, Träume und die Macht der Gedanken seien in dem Zusammenhang sehr wichtig, aber leider Faktoren, die in der heutigen Leistungsgesellschaft nicht im Fokus stünden.

Viele Themen und Fragen wurden in der anschließenden Podiumsdiskussion besprochen, die Roman Bonnaire vom Saarländischen Rundfunk moderierte. In dieser Expertenrunde sprachen Helmut Kuntz, Joachim Bechtold und Dr. med. Daniel Böhm, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Neurologie, beide vom SHG Klinikum Merzig, Gerd Bermann, Schulleiter der Peter-Dewes-Gemeinschaftsschule Losheim, und Carina Schweitzer von der Suchtberatungs- und Suchtpräventionsstelle im Haus der AWO Merzig.

Gelegenheit zum Austausch bot hernach der „Markt der Möglichkeiten“ mit verschiedenen Informationstischen von Mitgliedern des Forums für Suchtfragen, an der Cocktail-Bar von dem Verband der Jugednzentren „Juz United“ wurden alkoholfreie Cocktails gereicht.

Dieser Abend war der Auftakt einer ganzen Reihe von Veranstaltungen und Aktionen, zum Beispiel die Aktion „7 aus 14“, Aktionen der Forumsmitglieder wie Präventionsworkshops an Schulen und die Informationsveranstaltung „Schwanger ohne“ sowie die Aktionswoche „Alkohol“.

Infos zur Veranstaltungsreihe gibt es im Internet auf www.merzig-wadern.de/Soziales-Gesundheit/Sucht-und-Prävention.