Auf den Spuren der Nomaden

Preverenges. Allein von ihrem Wohnort lässt sich noch nicht auf ihr abenteuerliches Leben schließen. Sie stammt aus dem kleinen, beschaulichen Rappweiler im Hochwald und wohnt nun im kleinen, beschaulichen Preverenges in der französischen Schweiz. Aber sie ist oft unterwegs und erlebt Dinge, die andere nicht erleben - in der ganzen Welt

Preverenges. Allein von ihrem Wohnort lässt sich noch nicht auf ihr abenteuerliches Leben schließen. Sie stammt aus dem kleinen, beschaulichen Rappweiler im Hochwald und wohnt nun im kleinen, beschaulichen Preverenges in der französischen Schweiz. Aber sie ist oft unterwegs und erlebt Dinge, die andere nicht erleben - in der ganzen Welt. Dorothe Dörholt ist Filmemacherin und Psychotherapeutin, und schon lange weg von daheim."Ich bin gerne Ausländerin", sagt die 44-jährige Globetrotterin, die ihre Dreharbeiten zuletzt zu den Nomaden in den Iran geführt haben. Ein "Nomadenleben" führt auch die Hochwälderin, seit sie 1986 das Saarland verließ. "Nach dem Abi bin ich zum Studium nach Bonn gezogen. 1994 bin ich mit einem Stipendium nach Berkeley in Kalifornien gegangen, um dort meine Doktorarbeit in Psychologie zu schreiben." Auch die "Liebe meines Lebens" - ihr heutiger Mann Amin, der aus dem Iran stammt, trat eine Postdoktorandenstelle in Kalifornien an. "Eigentlich wollten wir nur ein Jahr bleiben", erinnert sich die Auswanderin, "sind dann aber neun Jahre kleben geblieben". Mit dem Filmemachen hatte sich Dorothe Dörholt teils schon in Bonn ihr Studium finanziert, ab 1996 berichtete sie dann aus den USA, als freie Korrespondentin für das deutsche Fernsehen, etwa für Spiegel TV. "Durch diesen Job habe ich Amerika wirklich in- und auswendig kennengelernt. Ich habe Beiträge gemacht von posttraumatischen Belastungsstörungen bei amerikanischen Soldaten bis zur Schönheitschirurgie in Hollywood". Bis der 11. September kam und die Reporterin veränderte. "Ich habe mir grundlegende Gedanken gemacht, wie und wo ich mein Leben weiterführen möchte." Nicht zwingend in den USA, lautete die Antwort und so zog sie mit ihrem Mann in die Schweiz. Im "Heidiland" sind beide seither glücklich.

Dorothe Dörholt arbeitet zwei Tage in der Woche als Psychotherapeutin in einem Gesundheitszentrum und Ausbildungsinstitut in Bern, den Rest der Woche als Fernsehjournalistin. Ihr Mann ist Informatik-Professor in Lausanne. "Mir gefällt vor allem die französische Schweiz" mit ihrem Savoir-vivre, sagt die Wahl-Schweizerin. Wenn sie nicht gerade in Bern oder in Preverenges am Ufer des Genfer Sees weilt, ist die Filmemacherin auf Reisen.

Ihr jüngster Film über die Bachtiarinomaden im Iran "war ein sehr wichtiges Projekt, weil ich zum ersten Mal im Land meines Mannes gedreht habe und die Dreharbeiten sehr gefährlich waren, vor allem wegen der Wanderroute". Die Arbeit habe sie bereichert, genau wie ihr gesamtes, abwechslungsreiches Leben im Ausland.

Das ändere nichts an ihren Wurzeln. Aber: "Die Heimat ist nicht mehr so, wie sie war, als ich weggegangen bin und ich selbst habe mich auch verändert. Eigentlich kann man insofern nie wieder nach Hause kommen." Unverändert eng sei jedoch ihr Verhältnis zu den Eltern im Hochwald oder zu den Geschwistern in Trier, St. Wendel und London. "Ich glaube, dass man seine Familie noch mehr zu schätzen weiß, wenn man weit weg lebt."

Auch zu ihrem früheren Lehrer Fredi Thiery vom HWG Wadern habe sie sporadisch Kontakt, erzählt sie. "Er hat mich geprägt, denn er gehörte zu den Menschen, die mir vermittelt haben, dass es ok ist, nach den Sternen zu greifen." Dorothe Dörholt hat erfolgreich danach gegriffen, und das "Thema Nomadenleben" ist für das (ehemalige) "Landei" aus Rappweiler nicht abgeschlossen. "Wer weiß, wo es uns noch hintreibt."

< Wird fortgesetzt

Der Film von Dorothe Dörholt "Kinder der Glücklichen - Nomaden im Iran" läuft am Montag, 23. April, 16.45 Uhr, auf Arte.

Auf einen Blick

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