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Neujahrsspringen
Auf dem Sprung in ein besonderes Jahr

Raphael Holzdeppe möchte in Merzig nach einem Jahr voller Tiefschläge wieder zu einem Höhenflug starten.
Raphael Holzdeppe möchte in Merzig nach einem Jahr voller Tiefschläge wieder zu einem Höhenflug starten. FOTO: rup
Merzig. Stabhochspringer Raphael Holzdeppe startet beim Neujahrsspringen in Merzig in die Saison. Höhepunkt ist die EM im Sommer in Berlin.

Raphael Holzdeppe fiebert dem neuen Sportjahr entgegen. Nachdem er eine Saison zum Vergessen hinter sich hat, will der Stabhochspringer des LAZ Zweibrücken 2018 wieder an alte Höchstleistungen anknüpfen. Im vergangenen Jahr gelang das dem Weltmeister von 2013 nicht. Bei der WM in London erlebte er im August vielmehr eine der bittersten Stunden seiner Karriere: Im Finale leistete er sich einen Salto nullo, scheiterte an seiner Anfangshöhe von 5,50 Metern. Dabei hatte sich der 28-Jährige viel vorgenommen, hatte im Vorfeld sogar von Gold gesprochen – trotz der bis dahin holprigen Saison, in der er zuerst mit Materialproblemen und Stabbrüchen zu kämpfen hatte, anschließend krank wurde und nur einmal die 5,80 Meter überflog. Das alles soll in der neuen Saison – mit den Europameisterschaften in Berlin vom 7. bis 12. August als Höhepunkt – ganz anders laufen.


Als Auftakt des neuen Wettkampfjahres hat der Zweibrücker einmal mehr das Neujahrsspringen an diesem Samstag im Merziger Zeltpalast gewählt. Bei der vierten Auflage der Veranstaltung wird es der zweimalige Sieger und Meeting-Rekordhalter (5,70 Meter) dieses Mal allerdings mit noch hochkarätigerer Konkurrenz als in den Vorjahren zu tun bekommen. Vor allem aus Polen. Behaupten muss sich Holzdeppe unter anderem gegen den Hallen-Europameister und Vize-Weltmeister Piotr Lisek sowie gegen den Dritten der Hallen-EM Pawel Wojciechowski.

Ein klangvoller Name ist auch der des Franzosen Lavillenie. Allerdings ist diesmal Valentin Lavillenie gemeldet, der Bruder des Weltrekordhalters und Olympiasiegers Renaud Lavillenie, der im vergangenen Jahr wegen einer Verletzung kurzfristig absagen musste. „Schade, dass Renaud nicht auch noch dabei ist“, sagt der neue Männer-Bundestrainer Andrei Tivontchik, der aber angesichts einer Hallenbestleistung von 5,80 Metern auch den jüngeren Bruder auf der Rechnung hat.

Auch der holländische Shootingstar Meno Vloon ist nach einer persönlichen Anfrage erstmals ins Starterfeld gerückt. „Das muss man sich mal vorstellen: Da steigert sich jemand im Sommer auf eine Weltklasseleistung von 5,85 Metern und fragt uns, ob er springen darf“, fehlen Werner Klein, der für die Athleten-Verpflichtung zuständig ist, fast ein wenig die Worte.

Doch die Veranstaltung hat sich in kürzester Zeit einen guten Namen gemacht. „Die Springer sind alle begeistert von der Atmosphäre und der Unterstützung der Zuschauer. Das Neujahrsspringen ist für viele ein fester Bestandteil im Wettkampfkalender geworden“, sagt Klein. Und Tivontchik, der bisher als Bundestrainer für die Stabhochspringerinnen zuständig war und seit Oktober die Männer betreut, gibt ihm Recht: „Das Springen in einem Zirkuszelt ist weltweit einzigartig. Diejenigen, die schon mal da waren, erzählen das natürlich den anderen Athleten und schwärmen von der tollen Stimmung.“ Bei den Zuschauern ist das ähnlich. Kein Wunder, dass die rund 1000 Tickets bereits seit mehreren Wochen restlos weg sind.



Der Blick von Tivontchik, der auch Heimtrainer von Raphael Holzdeppe in Zweibrücken ist, wird in Merzig trotz der internationalen Top-Athleten auf die deutschen Springer gehen. „Wir hatten vergangene Saison sehr viel Pech, einige Springer haben sich verletzt. Aber wir haben die Misere soweit überstanden. Ich denke, dass es bereits beim ersten Springen des neuen Jahres in Merzig ganz schön hoch gehen kann“, sagt er.

Dank tiefergelegtem Anlaufsteg hofft Tivontschik, dass in Merzig vielleicht sogar 16 statt der bisherigen 14 Anlaufschritte möglich sind – mit diesem Anlauf ist Holzdeppe 2012 in London 5,91 Meter gesprungen.

In diese Sphären will er auch in der neuen Saison wieder vorstoßen. Holzdeppe geht motiviert in das neue Jahr, „das ein besonderes werden wird, da wir die Europameisterschaften in Berlin haben.“