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"Auch die so genannte Hochkultur kocht nur mit Wasser"

"Auch die so genannte Hochkultur kocht nur mit Wasser"

Herr Arnold, für einen Kulturtreibenden muss das gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten ja schon Jubelstimmung auslösen: Der Kooperationsvertrag mit der Stadt Merzig steht, und die Karten für die neue Sommeropernproduktion werden sehr gut verkauft. Joachim Arnold: Jubeln wäre übertrieben, aber wir sind natürlich sehr zufrieden und freuen uns über das Publikumsinteresse

Herr Arnold, für einen Kulturtreibenden muss das gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten ja schon Jubelstimmung auslösen: Der Kooperationsvertrag mit der Stadt Merzig steht, und die Karten für die neue Sommeropernproduktion werden sehr gut verkauft. Joachim Arnold: Jubeln wäre übertrieben, aber wir sind natürlich sehr zufrieden und freuen uns über das Publikumsinteresse. "Madama Butterfly" trifft anscheinend genau den Geschmack, so dass wir um einen Zusatztermin nicht herumkamen. Und selbstverständlich danken wir der Stadt Merzig, die uns mit der Verlängerung mehr als Standortsicherheit gibt.Apropos Vertrauen in Kulturtreibende: Man hat so gar nichts von Ihnen im "Fall Malburg" gehört... Arnold: Warum auch? Dazu wollte ich mich nicht äußern. Ich sehe mich auch nicht in der Position dazu.Aber auch Sie hatten mit finanziellen Verlusten zu kämpfen. Mit dem Saarbrücker E-Werk erlitt M&T Saar Schiffbruch... Arnold: Ja, aber hier trugen wir als Gesellschaft voll die finanziellen Verluste und mussten ohne große Unterstützung der Stadt auskommen. Und trotz der Einbußen hat M&T Saar heute gegenüber Dritten wie zum Beispiel gegenüber den Banken und Kreditgebern fast keine Außenstände mehr.Das klingt ja fast nach Firmenpolitik aus dem Lehrbuch. Sind das die Auswirkungen aus ihrem Zusatzstudium an der Uni Zürich und der Tätigkeit als Marketingleiter am dortigen weltberühmten Opernhaus? Arnold: Nein, so ein etabliertes Opernhaus funktioniert nach ganz anderen Gesetzmäßigkeiten. Aber es stimmt schon, dass man sehr viele Erfahrungen sammelt, die man dann natürlich in die eigenen Projekte einbringt.Und man lernt, alles etwas gelassener zu nehmen. Auch die so genannte Hochkultur kocht nur mit Wasser.Schon in den Proben war zu hören, was für eine herausragende Darstellerin Sie für Madama Butterfly haben ergattern können... Arnold: Persönlich freut mich das auch sehr. Hye-Sung Na kam ganz überraschend zu uns und hat direkt überzeugt. Sie bringt alles mit, was man stimmlich für die Rolle braucht, und hat ein hohes schauspielerisches Talent. Und Hauptdarsteller Tim Richards in der Tenorpartie war ja schon im letzten Jahr bei uns zu Gast. Dazu haben wir eine tolle Mannschaft im Hintergrund. Markus Maas sorgt wieder für tolle Kostüme und ein herrliches Bühnenbild. Vor allem aber Andreas Gergen wird sicher in der Regie mit seiner "Butterfly" interessante Akzente setzen.War es nicht ein Wagnis, einen Regisseur an Bord zu holen, den man im Saarland eher als Nachfolger von Gregor Weber als "Stefan"-Darsteller aus der "Familie Heinz Becker" kennt? Arnold: Nein, sicher nicht. Wenn man Andreas Gergen bei seiner Arbeit beobachtet, ist das alles sehr professionell und fundiert.Sie selbst gelten als ehrgeizig und harter Arbeiter. Oper Zürich, Musikalische Leitung in Heidenheim, Oper im Zelt, Kammermusiktage, Klassik am See im Saarland - haben Sie da noch Zeit für ihre Familie? Arnold: Natürlich muss man sein Familienleben ganz anders organisieren. Aber das ist normal für eine Künstlerfamilie. Meine Frau und ich trennen kaum zwischen Privatem und Beruf. Kulturarbeit ist für uns beide weit mehr als ein Beruf. "Es stimmt schon, dass man sehr viele Erfahrungen sammelt, die man dann natürlich in die eigenen Projekte einbringt."Joachim Arnold

Auf einen blick "Madama Butterfly" feiert am Freitag, 28. August Premiere. Weitere Vorstellungstermine sind der 29. und 30. August sowie der 2., 4. und 5. September jeweils um 20 Uhr. Karten für diesjährige "Oper im Zelt" sind unter www.musik-theater.de oder Tel. (06861) 991 00 erhältlich. red