| 20:16 Uhr

Streuobstwiesen
Auch die Prominenz greift zur Astschere

Die warme Jahreszeit lässt die Bäume wieder blühen, hier eine Streuobstwiese bei Tünsdorf.
Die warme Jahreszeit lässt die Bäume wieder blühen, hier eine Streuobstwiese bei Tünsdorf. FOTO: Felix Ackermann / SZ
Merzig-Wadern. Die Obst- und Gartenbauvereine im Kreis beginnen am Freitag mit dem Frühjahrsputz auf den Streuobstwiesen.

() „Eventschnitt“ haben die Obst- und Gartenbauer aus dem Grünen Kreis die Aktion genannt, mit der sie am Freitag, 13. April, auf Streuobstwiesen einen Frühjahrsputz starten. Los geht es auf je einer Wiese im Stadtgebiet von Merzig und Wadern. „Exemplarisch und beispielhaft wird mehrere Streuobstwiesen im Landkreis unter tatkräftiger Beteiligung von bekannten Persönlichkeiten, Funktionären des Verbandes und weiteren freiwilligen Helfern zu einem gesünderen, neue Leben verholfen“, verrät Alois Engeldinger, Vorsitzender des Kreisverbandes der Obst- und Gartenbauvereine Merzig-Wadern. „Ihre Beteiligung zugesagt haben bereits Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich und die Brotdorfer Landtagsabgeordnete Martina Holzner. Weitere Verantwortliche aus Politik und Wirtschaft sind ebenfalls eingeladen.“


Seit langem ist die Erhaltung der Streuobstwiesen laut Engeldinger eines der Hauptanliegen der Hobbygärtner. Mit dem Verband der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz möchte der Verband nach seinen Worten dazu beitragen, den Verfall dieses in vielerlei Hinsicht wichtigen Kulturgutes zu stoppen. „Dabei weiß man bei den Gartenbauern: Der gute Wille wird von vielen geteilt, das Portfolio an Aktivitäten und Veranstaltungen zu diesem Thema ist groß. Aber diesmal geht es ganz praktisch zu: Diesmal werden die Ärmel hochgekrempelt, diesmal zeigen auch Prominente Politik und Verbänden, wie wichtig ihnen das Thema ist“, sagt er.

„Unser Ziel ist es nicht nur, die Obstbäume zu schneiden, Misteln zu entfernen und eine Obstwiese wieder herzurichten, sondern auch auf das Problem vernachlässigter und schlecht gepflegter Streuobstwiesen, deren Rückgang und der damit einhergehenden Dezimierung von Tier- und Pflanzenarten, aufmerksam zu machen“, schreibt der Kreisvorsitzende der Obst- und Gartenbauvereine weiter. Darüber hinaus geht es ihm darum, kenntlich zu machen, dass die Pflege und auch das Wiederherrichten von Streuobstwiesen im Zeitalter moderner Geräte keine Mühen mehr kostet.

Er und der Kreisberater für Obstbau, Karl Heinz Schmitt, demonstrieren zu diesem Termin den Einsatz moderner Freischneider und der neuen Teleskopsägen. Mit einer Arbeitshöhe bis über sieben Meter erreicht man beinahe mühe- und gefahrlos Äste bis in die Wipfel hoher Apfelbäume. Sowohl ein Verjüngungsschnitt als auch das Entfernen von Misteln ist damit praktisch gefahrlos möglich. Der Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine hatte mit Unterstützung der Staatskanzlei und der Sparkasse Merzig-Wadern zehn solcher Teleskopsägen beschafft und einem Teil der Vereine zur Verfügung gestellt. Der Kreistag hatte seinerzeit die zugehörige Schutzausrüstung bezuschusst. Mit dem anstehenden „Eventschnitt“ werde die Wirksamkeit dieser Geräte demonstriert.

„Streuobstwiesen sind aus unserer Landschaft eigentlich nicht wegzudenken. Sie sind nicht nur schön anzusehen, sie sind auch wichtig für unsere Tier- und Pflanzenwelt. Und die gesunden und leckeren Früchte und Säfte oder Obstbrände und Marmeladen aus den unbehandelten Früchten möchte man auch nicht missen“ heißt es in der Einladung. Aber leider würden viele Streuobstwiesen, vererbt von Menschen, welche diese jahrzehntelang mit Herzblut angelegt und gepflegt haben, nicht mehr ordentlich bewirtschaftet, die Wiesen verbuschen und die Obstbäume sind von Misteln überwuchert und vergreisen. „Man hat es nicht mehr nötig, gefahrvoll auf Leitern zu stehen Das braucht man nicht mehr! Mit der heutigen Technik ist die Pflege leicht und gefahrlos. Genau dies soll demonstriert werden“, erläutert der Chef des Kreisverbandes.



Somit dient der „Eventschnitt“ nach seinen Worten zwei Zielen: Man will auf die Problematik der sich verändernden Landschaft hinweisen und einen demonstrativen Schritt in die richtige Richtung zeigen. „Nicht nur ein Foto machen bei der Neupflanzung von Obstbäumen, um die sich anschließend niemand mehr kümmert! Die Ärmel hochkrempeln, zusammen anpacken ist hier das Motto. Auch unsere Kinder und Enkel sollen noch Äpfel und Birnen an einem Baum pflücken können und diese nicht nur aus dem Supermarkt kennen“ beschreibt Engeldinger das Engagement  der Obst- und Gartenbauer.

Treffpunkt 1: Merzig: Dorfplatz in Bietzen (Menninger Str. 61), von dort aus fahren die Teilnehmer zum Schau- und Arbeitsplatz. Treffpunkt 2: Wadern: an der L 149, am Abzweig nach Oberlöstern (von der L 149 zwischen Wadern und Buweiler aus nicht zu übersehen).