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Auch die Lehrer konnten oft nicht richtig lesen

Auch die Lehrer konnten oft nicht richtig lesen

Nachdem die Bezirksregierung in Trier am 7. Mai 1818 eine allgemeine Instruktion für den Wegebau erlassen hatte, zeigte Landrat Werner nämlich daraufhin an, dass er nach diesen Grundsätzen bereits in den Jahren 1816 und 1817 verfahren hätte. In dieser Instruktion war eine Einteilung der Wege in Feld-, Orts-, Gemeinde- und Kreiswege vorgenommen worden. Gleichzeitig hatte sie festgelegt, dass sich die Gemeinden am Straßenbau durch Naturalleistungen und Geldbeiträge zu beteiligen hätten.

Nach diesen Vorgaben wurde zwischen 1816 und 1832 die durch das Kreisgebiet verlaufende Staatsstraße von Trier über Zerf-Weiskirchen-Lebach nach Saarbrücken gebaut. 1817 begann der Bau der Bezirksstraße, die von Trier über Saarburg-Mettlach-Merzig nach Saarlouis führte. 1841 war diese fertiggestellt. Zwischen 1841 und 1857 folgte dann der Bau der Bezirksstraße von Merzig über Losheim-Weiskirchen-Wadern nach Birkenfeld.

1839 wurde zur Finanzierung des Unterhalts der Bezirksstraßen die Erhebung von Chausseegeld eingeführt. Es wurden daraufhin 1839 in Merzig und Beckingen Barrieren auf der Trier-Saarlouiser Straße errichtet. 1840 geschah dies auch auf der Staatsstraße Trier-Saarbrücken in Weiskirchen und Nunkirchen, 1852 auf der Merzig-Birkenfelder Bezirksstraße in Bachem sowie 1857 in Mitlosheim, Wadern und Krettnich.

Die Arbeiten an der Straße von Beckingen nach Nunkirchen, die das Saartal mit dem Hochwald verband, sollen nach Kell in den Jahren 1852 bis 1858 erfolgt sein. In einer Statistik Briesens dagegen, wird die Straße Beckingen-Nunkirchen bereits 1849 als vollständig ausgebaut aufgeführt. Für die Angabe Briesens spricht, dass schon in der Amtszeit des Haustadter Bürgermeisters Dilschneider der Straßenbau in der Bürgermeisterei Haustadt forciert wurde. Landrat von Briesen würdigte nämlich insbesondere die Leistung Dilschneiders im Gemeindewegebau.

Auch spricht für die frühere Fertigstellung dieser Straße ein Hinweis des Haustadter Pfarrers Clotten. Aus diesem geht hervor, dass die Bewohner der Bürgermeisterei Haustadt bis zum Jahr 1845 noch recht abgeschieden von den wirtschaftlichen Zentren der näheren Umgebung Saarlouis und Merzig gelebt haben mussten. Durch den Ort Haustadt selbst habe keine einzige befahrbare Straße geführt. Als einziger Kommunikationsweg habe bis 1845 das Bett des von Erlen umwachsenen Mühlenbaches gedient. Der Weg in die nahen Städte Merzig und Saarlouis führte über die Höhen rechts und links des Tales. Den Saarlouiser Markt hätten die Haustadter nur auf Pferden, denen Quersäcke mit Getreide und Kartoffeln aufgeladen wurden, besucht.

Die Finanzierung der Straße Beckingen-Nunkirchen kann als Beispiel dafür gelten, wie an sich wenig vermögende Gemeinden unter Ausnutzung staatlicher Anreize ein solches Projekt verwirklichen konnten. Die Straße war nämlich als sogenannte "Prämienstraße" gebaut worden. Der Staat hatte die Kategorie der Prämienstraßen eingerichtet, um die Initiative von Privatpersonen oder Gemeinden anzuregen. Der Anreiz für solche Bauten war die Möglichkeit, auf den Prämienstraßen Wegegelder erheben zu dürfen, wie dies auf den Staats- beziehungsweise Bezirksstraßen der Fall war. So sollten wenigstens teilweise die entstandenen Kosten durch die Chausseegelder vergütet werden. Darüber hinaus erteilte die Regierung beim Bau von Prämienstraßen pro Meile (7,532 Kilometer) 3000 Taler Prämie.

Die Bürger wurden zusätzlich zu Geld- und Naturalleistungen herangezogen. Sie lieferten Sand und Kies und leisteten Hand- und Spanndienste. Da das Chausseegeld für die Unterhaltung der Straße bei weitem nicht ausreichte, waren die Gemeinden und Bürgermeistereien bemüht, nach der Fertigstellung der Straße eine Übernahme in die Kategorie der Bezirksstraße zu erreichen, um sich der Unterhaltungskosten zu entledigen.

Im Falle der Beckingen-Nunkirchener Prämienstraße geschah das 1865. Kell berichtet, dass auch auf dieser Straße von 1854 bis 1875 an zwei Barrieren in Haustadt und Oppen Chausseegeld erhoben wurde. Ab dem 1. Januar 1876 wurde schließlich die Regelung, Chausseegeld zu erheben, generell abgeschafft. Dies hatte zur Folge, dass die Zahlstellen ab diesem Zeitpunkt wegfielen.

Auf der Prämienstraße Beckingen-Nunkirchen wurden anfangs noch Erze aus dem Hochwald zur Dillinger Hütte transportiert. Auch diente sie dem Verkehr zwischen dem Münchweiler Eisenwerk und der Dillinger Hütte . Als etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts mehr und mehr die lothringische Minette verhüttet wurde, verloren sowohl die Hochwalderze als auch diese Prämienstraße ihre Bedeutung.

Der zeitliche Schwerpunkt des Straßenbaus lag, wie man aus den vorstehenden Ausführungen ersehen kann, vor 1849. Die Kreisstraßen waren zu diesem Zeitpunkt bereits vollendet, während der Wegebau innerhalb der Dörfer erst teilweise in Angriff genommen worden war. Der Ausbau letzterer schritt, im Vergleich zu den großen Straßen, jedoch langsamer voran.

Während vor 1816 keine chausseemäßig ausgebauten Straßen im Kreis vorhanden waren, betrug ihre Länge im Jahr 1865, wie Kell schreibt, schon 84 Kilometer Staats- beziehungsweise Bezirksstraßen und 202 Kilometer Gemeindestraßen ohne die ausgebauten Feldwege und Nebenstraßen innerhalb der Ortschaften. Mit dem Bau dieser Straßen und Wege gelang es, noch vor Beginn des Eisenbahnbaues die Grundlage für einen verbesserten Warenaustausch in der frühindustriellen Epoche zu schaffen.

In diesem Zusammenhang muss noch Erwähnung finden, dass bis zum Bau der Eisenbahnen lediglich Postkutschen zwischen verschiedenen Städten verkehrten. Vor Inbetriebnahme der durchgehenden Eisenbahnstrecke Saarbrücken-Trier (1860) verkehrten zweimal täglich neunsitzige Personenpostwagen zwischen Saarbrücken und Trier über Merzig. Die Merziger Post hatte die Pferde für je eine Fahrt nach Saarburg und Saarbrücken zu stellen. Auch zwischen Merzig und Wadern gab es von 1820 bis 1903, als die Kleinbahn Merzig-Büschfeld ihren Dienst aufnahm, eine Personenpostverbindung nach Wadern.

Das Schulwesen erfährt durch die preußischen Behörden Verbesserungen und Impulse

Das Schulwesen befand sich gerade hier in der ländlichen Merziger Region am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch in einem eher desolaten Zustand. Eine vordringliche Aufgabe nach dem Herrschaftsübergang an Preußen sahen die Behörden deshalb darin, das Niveau des Schul- und Unterrichtswesens deutlich zu verbessern.

Die Schulen waren seit alters her sogenannte Pfarrschulen. Dies hatte dazu geführt, dass vielfach das Küsteramt und das Schulamt miteinander verbunden waren. Man muss von der Annahme ausgehen, dass zu Beginn der preußischen Herrschaft zwar 80 Prozent der Bevölkerung ihren Namen schreiben konnte, aber nur vielleicht jeder Fünfte das Lesen und Schreiben tatsächlich auch beherrschte. Meistens besuchten die Kinder nur von St. Martin bis Ostern, das heißt, während der Wintermonate, die Schule, denn auf dem Land mussten die Kinder traditionell bei den Feldarbeiten und insbesondere bei der Ernte mithelfen.

Die Pfarrschule bildete quasi die Keimzelle der Volksschule. Die ursprünglichen Lehrgegenstände, Religion und Kirchengesang, waren erst im 17. Jahrhundert um Lesen und Schreiben erweitert worden. Ende des 18. Jahrhunderts war das Rechnen hinzugekommen. Die Mädchen blieben zunächst vom Schreibunterricht ausgeschlossen, da man glaubte, die Schreibkunst verführe zu "Tändeleien und Liebschaften". In den unter kirchlicher Obhut stehenden Schulen sollte den Kindern von eher schlecht ausgebildeten Lehrern, die zudem von den Eltern zu bezahlen waren, vor allem Unterricht in den sogenannten Kulturtechniken Lesen , Schreiben und Rechnen erteilt werden. Da es sich bei den Lehrern, wie gesagt, meist um die Küster der Pfarrkirche handelte, die unter kirchlicher Aufsicht standen, vermittelten diese den Kindern jedoch in erster Linie oft nur religiöse Inhalte und Grundkenntnisse. Der Lehrer hatte, abgesehen von der Entlohnung für den Küsterdienst, kein festes Einkommen. Er zog von den Eltern ein jährliches Schulgeld ein, das bei wirtschaftlich schlecht gestellten Eltern von der Pfarrei übernommen wurde. Diese Regelung sollte ebenso wie die Verbindung des Küsteramtes mit der Schulstelle zunächst auch noch unter preußischer Verwaltung beibehalten werden.

Nach dem Übergang an Preußen begann man im Frühjahr 1817, das Schulwesen neu zu organisieren und übernahm die bisher von den Pfarreien eingerichteten Schulen in die Obhut des Staates. Die Pfarrschulen wurden staatliche Einrichtungen. Ungeachtet dessen wurde die nach Konfessionen getrennte geistliche Schulaufsicht beibehalten. Die Pfarrer übten daher als Lokalschulinspektoren die Aufsicht im Auftrag des Staates aus. Mehrere Pfarreien bildeten einen sogenannten Bering, der von einem Kantonspfarrer als königlichem Kreisschulinspektor verwaltet wurde.

Eine Verfügung der Trierer Regierung vom 19. November 1816 beschrieb inhaltliche Einzelheiten, die den Geistlichen bei ihren Visitationen oblagen. Regelmäßig war die Eignung der Räume, die Qualität der Lehrer und die Fortschritte der Kinder zu überprüfen. Insbesondere sollte der Schulbesuch genauestens überwacht werden. Durch Ministerialverfügung vom 17. August 1816 war dem bischöflichen Generalvikariat in Trier, die Anstellung und Prüfung der katholischen Pfarrschullehrer, jedoch unter landesherrlicher Oberaufsicht, übertragen worden.

Das Generalvikariat gründete daraufhin eine interkonfessionelle Lehrerbildungsanstalt und betraute den Pfarrer der Pfarrei St. Matthias in Trier, Josef Dewora, mit der Leitung dieser Anstalt. Pfarrer Dewora hatte bereits 1810 ohne Auftrag und ohne fremde Hilfe Schüler um sich gesammelt und mit diesen in den Räumen seines Pfarrhauses mit der Lehrerausbildung begonnen. Dewora hatte damals die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung erkannt, weil er festgestellt hatte, dass während der "französischen Zeit ungefähr 17 Jahre lang keine öffentliche Unterrichts- und Erziehungsanstalt für die zweckmäßige Bildung der Stadt- und Landschullehrer bestanden hatte". Daher sei es nicht zu vermeiden gewesen, dass "sehr viele junge Männer, ohne alle Kenntnis im Schulfache, die öffentlichen Lehrstellen erhielten, so dass ich nach und nach deren mehr als vierzig kennenlernte, welche nicht einmal im Stande waren, ordentlich deutsch zu lesen. Andere, die gar nicht rechnen konnten, waren über 100, und die Zahl derer, die nicht fähig waren, einen schriftlichen Aufsatz, z.B. einen Brief oder eine Quittung zu verfertigen, mag sich wohl bis an 300 belaufen haben". < Wird fortgesetzt.