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Arm- und Beinamputierte treffen sich regelmäßig in Merzig

Selbsthilfegruppe trifft sich in Merzig : Wo Amputierte sich austauschen können

In Merzig treffen sich regelmäßig Menschen, denen ein Körperteil amputiert wurde, zum Gespräch. Neue Mitglieder sind willkommen.

Das ist schon eine verschworene Truppe, die sich im Merziger Brauhaus einmal im Monat trifft. Bei einem dieser Treffen war kürzlich auch die SZ dabei. Eins stellte sich dabei ganz schnell heraus: Ihre Lebensfreude haben sich trotz ihrer schweren Schicksalsschläge die Mitglieder der Selbsthilfegruppe für Menschen mit Arm- oder Beinamputation im Landkreis Merzig-Wadern (ampuSHG-LK MZG) nicht nehmen lassen. Mit ihrer ebenso burschikosen wie herzensguten Art hält Ilona-Maria Kerber als Vorsitzende die Geschicke der Landesarbeitsgemeinschaft dieser Selbsthilfegruppen im Saarland fest im Griff.

„Platz da am Tisch – da müssen noch vier Rollstuhlfahrer ran“, und die Mitglieder hören darauf, was ihre Vorsitzende ihnen da unmissverständlich vorgibt. Im nächsten Augenblick prostet sie den Neuankömmlingen zu, die praktisch aus dem ganzen Saarland angereist sind. Die Gruppe Merzig-Wadern wurde 2011 mit damals 21 Mitgliedern gegründet. „Heute sind’s leider nur noch drei Aktive“, und Kerber fügt gleich hinzu, „neue Mitglieder sind uns jederzeit herzlich willkommen.“ Anmeldungen können im Internet auf der Seite www.bewegen-­statt-behindern.saarland erfolgen.

Woher aber stammen dann die knapp 20 Männer und Frauen, die diesmal der Einladung nach Merzig gefolgt sind? Die Vorsitzende sagt: „Die meisten von ihnen kommen von unseren Gruppen Saarbrücken und Saarlouis, wobei insbesondere die Freunde aus Saarlouis so gerne ins Merziger Brauhaus kommen, weil sie in ihrer Heimatstadt trotz langer Suche noch kein geeignetes und vor allem barrierefreies Restaurant gefunden haben. Schon deshalb hoffen wir alle, trotz der strengen Corona-Bedingungen, im kommenden Jahr hier unser zehnjähriges Bestehen feiern zu können.“

Unter der Pandemie und den daraus resultierenden Hygieneregeln haben – so Kerber – auch die Arm- und Beinamputierten sehr zu leiden. „Wir mussten in diesem Jahr deshalb schon manche Veranstaltung absagen.“ Dabei versuche die Selbsthilfegruppe bei ihren Aktivitäten stets die Freundschaften zu pflegen, ohne dabei auf wichtige Informationen zu verzichten. Besonders gefragt seien aktuell spezielle Tabletkurse, mit denen die Mitglieder für die aktuell überall laufende Digitalisierung unseres Alltags fit gemacht werden sollen. Die Vorsitzende: „Aber auch unsere Fortbildungen für Fragestellungen ,wie fahre ich nach einer Beinamputation Auto‘ oder ,wie komme ich an einen Behindertenausweis‘ sind ebenso wichtig wie gefragt.“

Die seit 25 Jahren oberschenkel-amputierte Dagmar Kappel machte die SZ auf eine Erfahrung bei einem Berlin-Ausflug im vergangenen Jahr aufmerksam. „Bei dieser Gelegenheit stellten wir bei unserer Ankunft fest, dass es im gebuchten Hotel nur drei Zimmer für Rollstuhlfahrer gab. Da hätten Sie mal unsere Vorsitzenden erleben müssen! Ilona-Marie Kerber klemmte sich sofort ans Telefon – und wenig später standen uns in einem anderen Hotel die benötigten 15 passenden Zimmer zur Verfügung.“ Die Rollstuhlfahrerin fügte noch hinzu, dass sie erst anderthalb Jahre dabei sei, aber diese Mitgliedschaft sei das Beste, was ihr überhaupt passieren konnte.

Ihren feinen Sinn für Humor demonstrierte Kerber dann noch mit einem Fingerzeig auf ihre Beinprothese: „Mir fehlt hier etwas, aber hier oben nicht!“ Klar dass ihr Zeigefinger dabei auf den Kopf wies. Und Dagmar Kappel pflichtete ihr prompt bei: „Eine Prothese verbietet uns doch nicht den Humor!“ Niemand, der diese verschworene Truppe bei ihren ausgelassenen Plaudereien beobachten konnte, hätte diesem Zitat widersprochen. Im Schnitt sind die Mitglieder übrigens zwischen 40 und 85 Jahre alt. Und wie gesagt: Neue Mitglieder sind bei dieser „ampuSHG-LK MZG“ jederzeit herzlich willkommen.

www.bewegen-statt-behindern.saarland