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Archäologische Funde auf Supermarkt-Baustelle

Ballern : In Ballern wird das Mittelalter neu entdeckt

Spuren mittelalterlichen Bebauung sind jetzt bei Bauarbeiten ans Licht gekommen. Archäologen untersuchen bei einer Notgrabung die „Grubenhütten“ auf der Baustelle des neuen Rewe-Marktes.

Die Experten nennen es „Notgrabung“, die archäologische Baubegleitung des Landesdenkmalamtes auf dem Gelände des zukünftigen Rewe-Einkaufsmarktes in Ballern. Erst sorgte eine Fliegerbombe auf der Baustelle und ihre Entschärfung für Furore und Aufsehen (die SZ berichtete), jetzt zum Abschluss der vierwöchigen Grabung der Fund von so genannten Grubenhütten aus dem Mittelalter oder besser, was davon noch übrig war. „Nichts Sensationelles, aber dennoch bemerkenswert“, wie Landesarchäologe  Wolfgang Adler aus Merzig jetzt zum Abschluss vor Ort erklärte, denn Funde aus dieser Zeit sind im Saarland ausgesprochen rar.

 Bei diesen Grubenhütten handelt es sich nach seinen Erklärungen um keine Häuser, sondern vielmehr um zeltartige Gebäude in Erdgruben, die als für die damalige Zeit typischen Nebengebäude eines Gehöftes in direkter Nähe dienten und als Keller oder Werkstätten genutzt wurden. Dazu fanden Dominik Wegner und Dagmar Wilhelm auch Keramik-Fragmente, die jedoch nicht einfach zeitlich eingestuft werden können. Sie könnten aber vielleicht aus der Gründungszeit von Ballern-Rech stammen.

Das müssen jedoch genaue Untersuchungen erst zeigen. Und das ist keineswegs einfach, denn es gibt nach den Worten von Wolfgang Adler wenig Anhaltspunkte für die Datierung. Er schätzt diese Funde auf die Zeit von1000 bis 1200, eventuell sogar etwas davor. Rech wurde gegen 920 erstmals erwähnt. Der heutige Stadtteil von Merzig ist letztendlich um 1995 aus den Orten Ripplingen, Rech und Ballern entstanden.

Von dem eigentlichen Haupthaus, wohl einem Gehöft, existiert jedoch nichts mehr. Erosion und Ackerbau haben in den vergangenen Jahrhunderten wohl alle Spuren verwischt.

Ganz systematisch wurde der komplette Baustellenbereich abgesucht, der Oberboden abgetragen, so genannte Sondierungsgräben gezogen. Erdverfärbungen und charakteristische Bodenformationen wiesen den Archäologen dann den Weg und zeigten ihnen auf, wo sie weiter graben mussten.

Und dann wurde man auch schnell fündig Sorgfältig wurden diese Stellen freigelegt, die Funde präpariert und dokumentiert. Zu erhalten sind die meisten dieser Fundstellen in der Regel nicht. Auch wenn diese Grubenhütten keine Sensationsfunde darstellen, ist der Landesarchäologe mit diesen Funden sehr glücklich, füllen sie doch eine Lücke.

Im Laufe eines Jahres kommen laut  Wolfgang Adler eine ganze Menge derartige Notgrabungen in den verschiedensten Baustellenbereichen quer durchs Saarland zusammen. Über zu wenig Arbeit brauchen sich die Archäologen des Landesdenkmalamtes also nicht zu beschweren, denn im Rahmen derartiger Baubetreuungs-Maßnahmen ist Eile geboten, sollen die Arbeiten doch nicht unnötig lange blockiert werden. In der Regel werden diese Maßnahmen auch von den Bauträgern organisiert und finanziert – im Rahmen des Zumutbaren, wie  Adler betont.