Angelika Hießerich-Peter (FDP) beim SZ-Dämmerschoppen in Merzig

SZ-Dämmerschoppen in Merzig : Vom Hotel an die Spitze der Stadt?

Bürgermeisterkandidatin Angelika Hießerich-Peter (FDP) spricht beim SZ-Dämmerschoppen über ihre Ideen für die Kreisstadt Merzig.

Am 26. Mai will sie als erste Frau Bürgermeisterin in Merzig werden. Doch wer ist Angelika Hießerich-Peter überhaupt, und was hat sie mit der Kreisstadt vor? Das wollte SZ-Lokalredakteur Christian Beckinger von ihr genauer wissen und lud sie am Dienstagsabend zum ersten SZ-Dämmerschoppen in die Villa Fuchs ein. „Ich bin 55 Jahre alt, ein lebenslustiger und engagierter Mensch und weiß: Als Frau kann man auch in der Politik viel bewirken“, stellte sich die Bürgermeisterkandidatin der FDP vor und schilderte knapp ihre Biografie: Schon als Kind half sie im Hotel ihrer Eltern aus und lernte früh, ihren Beitrag im Familienbetrieb zu leisten. Als das Hotel in den 80er Jahren zum Verkauf stand, konnte sie sich nicht vorstellen, den Betrieb zu übernehmen. Ihr Traum: „Ich wollte Stewardess werden, war dafür aber zu klein“, sagt sie, den Wortlaut der Lufthansa-Absage kann sie heute noch auswendig aufsagen. Sie machte stattdessen eine Ausbildung beim Steuerberater und kümmerte sich ums Personalwesen.

Die Liebe brachte sie zurück in die Gastronomie, dabei absolvierte sie auch ihre Ausbildung zur staatlichen Gastronomin. Wie sie dabei in den Grünen Kreis kam? „Über den Tourismus“, sagt Hießerich-Peter, nach ihrer Trennung arbeitete sie in der Mettlacher Tourist-Info. In der Zeit machte man ihr auch das Angebot, ein Hotel in Mettlach zu übernehmen, dessen Direktorin sie seit 2001 ist. Wie sie auf die Idee kam, der FDP beizutreten? „In meinem Herzen war ich immer liberal, der entscheidende Entschluss fiel aber erst mit Erstarken der AfD vor fünf Jahren“, erzählt Hießerich-Peter. Spätestens als in Mettlach ein Mitglied der NPD Bürgermeister werden wollte, war ihr klar: „Jetzt musst du was tun“, sagt sie. Als Liberale war es ihr immer wichtig, „Herr über mein eigenes Leben zu sein. Jeder weiß für sich am besten, was gut für ihn ist“. Als Bürgermeisterin will sie als Teamspielerin nach Lösungen suchen: „Es ist wichtig, die Leute mitzunehmen und gemeinsam Entscheidungen zu treffen.“ Dass das nicht immer geht, weiß sie aus ihrem Berufsalltag.

Wo für sie die Stärken der Stadt Merzig liegen? „Merzig liegt zentral und ist gut an die Verkehrsnetze Richtung Saarbrücken, Frankreich oder Luxemburg angeschlossen“, findet sie, auch die Kernstadt profitiere von einem starken Einzelhandel, nur große Betriebe fehlen. Handlungsbedarf sieht sie im Tourismus: „Merzig ist die Stadt am Fluss schlechthin, das muss stärker beworben werden“, meint Hießerich-Peter, damit locke man mehr Touristen an. Kritisch sieht sie zudem die andere Saarseite rund um den Merziger Zeltpalast. Der Bereich habe „Industriecharakter“ und keine Vernetzung untereinander. Wege seien nicht begrünt oder beleuchtet. „Es ist kein angenehmer Weg vom Zeltpalast zum gastronomischen Angebot“, sagt die Hotelfachfrau, all das ist jedoch mit der Idee des Saarparks vorgesehen. „Warum ist dann noch nichts geschehen, wenn das Potenzial erkannt wurde?“ Schneller handeln ist ihre Devise, lange warten will sie nicht. Auch einen Stadtstrand mit Wassersport kann sie sich dort vorstellen und statt einer Brücke schlägt sie eine solarbetriebene Fähre vor. „Die ist nicht billig, aber billiger als eine neue Brücke.“

Ein Hauptproblem Merzigs ist für die FDP-Bürgermeisterkandidatin der Verkehr. In den Stoßzeiten stehe man im Stau, die Nadelöhre seien zu. „Wir haben hier viel Verkehr, der Merzig gar nicht als Ziel hat“, kritisiert sie. Darum befürwortet sie die Nordumfahrung, um den Verkehr um Merzig herum zu leiten. Weitere Staus und Behinderungen befürchtet sie, wenn der Kreisel bei der Stadthalle wegfällt, ab 2020 wird auch die Hilbringer Brücke zur Baustelle. Ihr ist wichtig: „Wie gehen wir in der Bauphase damit um und wie steht es um die Geschäftsleute?“ Da gebe es bislang kein Konzept, moniert Hießerich-Peter.

Das Gefühl der Unsicherheit in der Stadt teilt die Bürgermeisterkandidatin, nach ihrer Auffassung spiele die Stadt dieses Problem derzeit herunter. „Wir müssen das ernst nehmen“, sagte sie. Jugendliche seien ihr zufolge dabei die Hauptverursacher. Um dem entgegenzuwirken, müssen diese einen Ort haben, wo sie hingehören. „Wir brauchen eine solide Jugendarbeit in Merzig“, fordert sie. Außerdem fehle es an heller Beleuchtung in der Innenstadt und ausreichend Frauenparkplätzen. „Die verhindern keine Verbrechen, aber vermitteln Sicherheit.“ Des Weiteren vertritt sie die Meinung, dass Merzig ein Leerstandskataster braucht, das auch den Sanierungsstand festhält. Mit Blick auf das Haus Zimmer sprach sich Hießerich-Peter dafür aus, dass der Bauplan vorsieht, sich architektonisch an die Umgebung anzupassen. „Das sieht er vor. Ein vierstöckiges Haus kommt neben ein vierstöckiges Haus“, entgegnete Christian Beckinger. Hier sieht die FDP-Frau den Rat in der Pflicht: „Der entscheidet: Wo will die Stadt hin?“ Entweder man sorge dafür, dass die Gebäude der Innenstadt sich an den historischen Bauten orientieren, oder man lässt extravagante Gebäude zu, die ein neues Stadtbild ergeben, wie Hießerich-Peter erläuterte. Dazu müsse der Bebauungsplan regelmäßig aktualisiert werden.

Was ihr in ihrem Wahlkampf auffiel? „Die Leute sagten mir, dass man mit ihnen nicht redet und ihre Wünsche nicht ernst genommen werden“, erzählt sie, man müsse regelmäßig im Gespräch bleiben. So vermeidet man auch verhärtete Fronten zwischen großen und kleinen Parteien, findet sie. Ob Frauen in der Politik Dinge anders angehen? „Frauen sind klarer strukturiert und suchen den Konsens, eine gemeinsame Lösung. Ich sehe Politik als Dienstleister für alle Bürger an.“ Sie wünscht sich mehr Liberale in der Mitte der Gesellschaft. Darüber hinaus sprach sie sich für mehr Digitalisierung und Breitbandausbau aus, auch Telemedizin nannte sie als zukunftsfähiges Konzept.

Zwei Themen fehlen aber in ihrem Wahlkampf: Umweltschutz und Kultur. Warum? „Ich will mich auf meine Themen fokussieren und damit identifiziert werden. Nur weil ich es nicht anspreche, heißt es nicht, dass es uns nicht interessiert“, stellte sie klar. Für die Feuerwehr wünscht sie sich eine stärkere Wertschätzung ihrer Arbeit und eine rechtliche Absicherung.

Mehr von Saarbrücker Zeitung