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Altbäume im Jungenwald tragen bei zum Klimaschutz

Leitfaden des Umweltministeriums : Altbäume im Jungenwald tragen bei zum Klimaschutz

Das saarländische Umweltministerium will Waldbesitzern mit einem Leitfaden den Spagat zwischen Profit-Streben und Naturschutz erleichtern.

Über ein Drittel des Saarlandes ist mit Wald bedeckt. Früher als reiner Wirtschaftsfaktor angesehen, gewinnt er jetzt immer mehr an Bedeutung für die Ziele des Klimaschutzes und der Artenvielfalt. Wie Waldbesitzer zumindest einen Kompromiss schließen können zwischen Bewirtschaftung und Naturschutz, zeigt das Saar-Umweltministerium mit seinem Handlungsleitfaden „Biodiversität im Wirtschaftswald“.

Grundannahme ist dabei, dass die konventionelle Forstwirtschaft im Widerspruch zur Artenvielfalt steht. Insbesondere fehlen nämlich alte Bäume und Totholz. Beides dient als Lebensraum für viele Tierarten, aber auch für Pilze oder seltene Moose und Flechten. Der Handlungsleitfaden ist die Grundlage des Förderprogramms „Öko-Wald“, das gestern im Waldgut Jungenwald bei Merzig-Brotdorf vorgestellt wurde. Dort zeigte der Treuhänder des Waldstücks, Ex-Umweltstaatssekretär Klaus Borger (Grüne), wie nachhaltiges Wirtschaften im Sinne der Biodiversität funktionieren kann.

Für ihn zählt vor allem der ökologische Ertrag. Nicht, dass im Jungenwald gar kein Holz mehr geschlagen würde: „Ich hole hier sehr viel Holz heraus, jedes Jahr ungefähr 1000 Festmeter Holz bei 140 Hektar Fläche. Das sieht man in der Regel dem Wald aber nicht an.“ Außerdem beschränkten sich die Eingriffe auf die Zeit von Oktober bis Februar. „Im überwiegenden Teil des Jahres ist hier komplette Ruhe“, so Borger. Deshalb findet man dort Bestände der Wildkatze, des Schwarzspechts und der Hohltaube. Der Besitzer des Jungenwalds sei sehr naturverbunden, deswegen seien viele alte Bäume nicht gefällt worden. Am Ende ihres jahrhundertelangen Lebens würden sie als Totholz neuen Lebensraum, etwa für diverse Käferarten, bieten. Auch werde beim Zersetzen das Klimagas CO2 im Boden gespeichert, so Borger. Ohnehin seien alte Wälder günstiger für die CO2-Bilanz. Ebenfalls bei dem Termin anwesend war Thomas Steinmetz, Referatsleiter im Umweltministerium. In Zusammenarbeit mit Vertretern von Naturschutzverbänden wie Nabu, BUND sowie Waldbesitzern hat er den Handlungsleitfaden erarbeitet – das sei einmalig in Deutschland, hieß es. Mit Hilfe von Landes- und EU-Mitteln werden Waldbesitzer für den ökonomischen Verlust beim nachhaltigen Wirtschaften teilweise entschädigt. Für jeden Baum ab 40 Zentimeter Stammdurchmesser gibt es 174 Euro. Das entspreche bei Weitem nicht dem Holzwert und sei höchstens „eine kleine Motivationsförderung“, so Borger. Steinmetz hofft trotzdem, dass das Beispiel des Jungenwalds Schule macht und mehr Waldbesitzer teilnehmen.