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Als die Musik noch handgemacht war

Als die Musik noch handgemacht war

Schmelz. Ein wenig wie ein Straßenlokal war es im Zelt am Schmelzer Brauhaus, auch wenn draußen erst mal kräftig der Regen plätscherte. Drinnen standen Instrumente auf der Bühne, an langen Bänken saßen Menschen, die sich zum Teil jahrelang nicht mehr gesehen hatten

Schmelz. Ein wenig wie ein Straßenlokal war es im Zelt am Schmelzer Brauhaus, auch wenn draußen erst mal kräftig der Regen plätscherte. Drinnen standen Instrumente auf der Bühne, an langen Bänken saßen Menschen, die sich zum Teil jahrelang nicht mehr gesehen hatten. An die 40 musikalische Wegbegleiter hatte Edi Rohlinger, der rund um seine Geburtsstadt Merzig als Musiker bekannt war wie der sprichwörtliche bunte Hund, zu seinem 60. Geburtstag zusammentrommeln können. Mit Dieter Thomas Heck war Rohlinger in den 70ern unterwegs, brachte die Hitparade live unters Volk. In Tanzlokalen spielte der Merziger Musiker mit dem Karl-Heinz-Kessler-Sextett, mit den Saggi Dixi, Cool Cats, Country Connection und vielen anderen die Hits, die im Radio rauf und runter liefen. "Da wurde die Musik noch von Hand gemacht", sagt Rohlinger. Die Hitparade wurde auf Band aufgenommen, die Stücke eingeübt, um sie schon am Wochenende drauf vor Publikum zu spielen. "Die ersten Verstärker haben wir uns selbst gebaut, die hatten gerade mal 20 Watt." Das war Mitte der 60er Jahre mit Musik der Beatles und der Rolling Stones. "Ich habe immer Schlagzeug gespielt, in fünf Bands", sagt Rohlinger. Das war bei Auftritten im Café Berlin in Dillingen, in Merziger Lokalen und bei den Amerikanern in Ramstein und Idar-Oberstein. "Bei denen gab es 400 Mark pro Auftritt", erinnert er sich. "Das war damals richtig viel Geld, und das mit 16 Jahren." Dauergast war Rohlinger mit Musikerkollegen auch im Luxemburger Hof in Bous. "Da haben wir mit Cindy und Bert gespielt. Cindy hieß damals Jutta, und Bert spielte Bass.""Edi ist uns irgendwie abhanden gekommen, als die Mauer fiel", sagt Rudolf Meyer, Musiker der Teddys im Diefflen der 60er Jahre. Beruflich wechselte Edi Rohlinger, der eigentlich Hans Jürgen heißt, nach dem Mauerfall nach Ostdeutschland, heute lebt er in Weimar. Aber beim großen Wiedersehen stimmten die Töne auch ohne Proben, und die alte Spiellaune ließ alte Zeiten auferstehen.