Alphabetisierungskurs endet nach zwei Jahren

Alphabetisierungskurs endet nach zwei Jahren

Erfolgreiche Erwachsenenbildung in der Laurentiushöhe, einer Wohn-, Förder- und Pflegeeinrichtung für psychisch und geistig behinderte Erwachsene.

Die Stift-Mäppchen liegen aufgeschlagen auf den Tischen; die Gesichter aller Anwesenden schauen gebannt auf einen vor ihnen liegenden Zettel.... Und auf Zuruf fängt Annette an zu lesen "Ja, das Schreiben war nicht einfach, auch das Lesen sogar sehr.... Unsre Schulzeit, die war spannend, da war immer was los...."

Annette ist Teilnehmerin im so genannten Alphabetisierungskurs der Laurentiushöhe. Der fand jetzt zum vorerst letzten Mal statt. Daher sind alle vier Anwesenden ganz traurig. Allerdings ist jetzt zunächst einmal das Lernziel erreicht, was im März vor zwei Jahren gesetzt wurde, als der Kurs für die Bewohner der Laurentiushöhe startete. Einmal pro Woche fand sich jeden Montag eine Lehrkraft der Christlichen Erwachsenenbildung Merzig ein, um anfangs sogar in zwei Kursen bis zu sieben Interessierten in Wort und Schrift auf die Sprünge zu helfen. Die Kurse wurden finanziert vom Förderverein der Laurentiushöhe und umfassten vornehmlich Lese- und Schreibübungen - anfangs in Schreibschrift und später auch mit Druckbuchstaben.

Durch den Wegzug von Bewohnern wurden die Kurse im Laufe der Zeit zusammengelegt und Marion Montnacher, die bis zum Schluss den noch verbliebenen Kurs leitete, konnte mit Hilfe moderner pädagogischer Lehrmethoden ganz viel Talent aus den Teilnehmern "herauskitzeln". Dabei bediente sie sich oft spielerischer Elemente wie dem Nachmalen von Texten mit Buntstiften, sog. Nachspür-Übungen, Lückentexten mit entsprechender Bebilderung (als Arbeitshilfe) sowie Magnet-Buchstaben, die es galt zu Wörtern zu formen.

Und so fasst Annette am Ende der Stunde - und damit am Ende des Kurses - noch einmal aus dem von Frau Montnacher ausgeteilten Lese-Text zusammen "Alle lernten Schreiben und auch Lesen hier...und nun müssen wir aufhören... Dank für all die schönen Stunden und die Menge an Geduld....".

Ein herzliches Dankeschön gilt jedenfalls dem Förderverein, der diesen wichtigen Kurs ermöglicht hat. Vielleicht gibt es ja bei Bedarf demnächst nochmals eine Fortsetzung - hoffentlich ebenfalls wieder mit tatkräftiger Unterstützung durch den Förderverein - in der es dann wieder heißen wird (wie im Vorlese-Text): "Ja, wir konnten vieles lernen, alle Übungen waren toll, da kriegen wir Schüler nie die Nase voll..."

Zum Thema:

Die Laurentiushöhe in Schwemlingen Die Einrichtung ist eine Wohn-, Förder- und Pflegeeinrichtung für psychisch und geistig behinderte Erwachsene. Die Gesamteinrichtung verfügt über 430 stationäre Plätze, aufgeteilt in verschiedene Wohnbereiche und dezentrale Einrichtungen. Normalisierung, Inklusion und Individualität sowie Personenzentrierung sind die Prinzipien, an denen sich die "Laurentiushöhe" und ihre Mitarbeiter schon seit Jahren orientieren. Seit 2011 befindet sich die Laurentiushöhe in einem umfangreichen Prozess der Modernisierung. Für den Bereich der Sozialpsychiatrie umfasst dies die Entwicklung von kleinteiligen, dezentral organisierten Wohn- und Arbeitsformen mit inklusivem Charakter.