„Alltagswissen als eigenes Fach nicht erforderlich“

Merzig-Wadern · Schüler sollen sich in einem neuen Fach mit Handyverträgen, gesunder Ernährung und handwerklicher Arbeit auseinandersetzen. Dafür wirbt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Im Stundenplan – zwischen Deutsch, Mathematik und Französisch – soll „Alltagswissen“ auf die Herausforderungen des Lebens vorbereiten. Was halten die Schulen im Landkreis Merzig-Wadern von Wankas Vorstoß? Die SZ hat sich bei ihnen umgehört. Einige der Schulen beziehen Stellung zu dem Vorschlag.

 Die Bundesbildungsministerin wirbt für das Fach „Alltagswissen“. Es soll auch über gesunde Ernährung aufklären. Foto: Honk

Die Bundesbildungsministerin wirbt für das Fach „Alltagswissen“. Es soll auch über gesunde Ernährung aufklären. Foto: Honk

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Günter Peifer, Schulleiter der Eichenlaubschule Weiskirchen, hält ein eigenständiges Fach "Alltagswissen" nicht für erforderlich. Er begründet dies mit der Gemeinschaftsschulverordung. In Paragraph zwei über das pädagogische Konzept steht: "Die Förderung praktischer Fähigkeiten, die frühe und entwicklungsgerechte Verbindung mit der Arbeitswelt und der Übergang von der Schule in den Beruf finden besondere Berücksichtigung." Fächerverbindendes und praxisorientiertes Lernen mit möglichst vielen Bezügen zur Lebenswelt der Schüler gehört laut Pfeifer zu den Grundzügen der Gemeinschaftsschule.

Alltagswissen kann und wird in schulischen Fächen immer wieder thematisiert, sagt auch Hans Pattar, Schulleiter der Merziger Christian-Kretzschmar-Schule. Ein eigenständiges Fach sei nicht notwendig. Seine Begründung: Man könne die Schulzeit nicht beliebig vermehren. Um Puffer für neue Fächer zu schaffen, müsse man bei anderen Übungszeit kürzen, die schon jetzt in vielen Fächern fehle. Zudem müsse die familiäre Erziehung den Grundstein für Alltagswissen legen. "Über Handyverträge müssen die Eltern mit ihren Kindern kommunizieren", sagt Patta. "Schule kann nur Hilfestellungen geben und in Fächern wie Sozialkunde/Ethik/Religion und Deutsch über Gefahren wie Suchtpotenzial und Überschuldung reden."

Der gleichen Argumentation folgt Albert Ehl, Schulleiter am Merziger Gymnasium am Stefansberg. "Als Vater spreche ich mit meinen Kindern doch ganz konkret über Fragen der Ernährung, arbeite handwerklich mit ihnen oder diskutiere Vor- und Nachteile von verschiedenen Handyverträgen", sagt Ehl. Solche Themen müssten in erster Linie nicht in der Schule, sondern im Elternhaus behandelt werden. Dennoch behandle die Schule sie bereit teils im Fachunterricht und bei Projekten. Als organisatorischen Grund gegen das Fach "Alltagswissen" nennt Ehl ebenfalls, dass man entweder zusätzliche Unterrichtszeit schaffen oder Stunden von anderen Fächern abziehen müsse.

Andreas Nikolaus Heinrich, Schulleiter des BBZ Merzig, bestätigt die Ansicht seiner Kollegen. "Die beruflichen Schulen des Saarlandes berücksichtigen von jeher in ihren Lehrplänen und didaktischen Konzepten einen deutlichen Lebens- und Arbeitsweltbezug." Das Fach "Alltagswissen" könne daher nur bedingt zu einem besseren Ausbildungsstand der Absolventen beitragen.

Gabriele Hewer, Schulleiterin des Merziger Peter-Wust-Gymnasiums, zeigt sich derweil diplomatisch. Es sei ein berechtigtes Anliegen, Schülern lebenspraktische Lerninhalte zu vermitteln, wie dies bereits in der Schule geschehe. "Ob eine Vertiefung und Ausweitung eher in den einzelnen Fachbereichen stärker verankert werden sollte oder ob dafür ein neues Fach eingeführt werden sollte, muss geprüft werden, auch vor dem Hintergrund, welche Stundenanteile und Lerninhalte bereits etablierter Fächer dann wegfallen sollen", sagt Hewer.

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