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Sauna
Ärger um kürzere Zeiten für Damensauna

Auch in der Panorama-Sauna wollen Frauen dienstags weiterhin unter ihresgleichen bleiben.
Auch in der Panorama-Sauna wollen Frauen dienstags weiterhin unter ihresgleichen bleiben. FOTO: rup / Rolf Ruppenthal
Merzig. Der Dienstag ist ein besonderer Tag im Saunabereich des Bad in Merzig. Denn da haben dort ausschließlich die Frauen das Sagen. Von mst

( Ein Gang in die Blockhaussauna mit 70 Grad im Saunagarten, in das Dampfbad mit Sternenhimmel mit 45 Grad oder in  die typisch finnischen Saunen, wahlweise mit 80 oder 100 Grad, und, und, und: Über Jahre war der Dienstag fester Treffpunkt für Frauen im Merziger Bad – von 10 bis 22 Uhr. Schwitzen, Aufgüsse genießen, entspannen, ein bisschen schwätzen, Freundschaften schließen: „Es hat sich über die Jahre eine harmonische Frauengemeinschaft gebildet; Frauen verschiedener Altersgruppen  und Kulturen fühlen sich wohl und angenommen“, beschreibt Christel Kerber das gute Einvernehmen unter den Dienstags-Saunaschwestern.


Zum Gelingen des Wellnesstages trage auch das Personal des Bades bei. Es ist nach ihren Worten stets freundlich und hilfsbereit. Doch dieses Idyll sieht sie jetzt in Gefahr. „Plötzlich seit Weihnachten werden ohne Ankündigung die Saunazeiten scheibchenweise beschnitten“, klagt sie und macht sich zur Sprecherin der Dienstags-Gruppe. Zuerst hat die Regelung nach ihren Worten nur an Feiertagen gegolten, wenn diese auf einen Dienstag fallen. Danach sei sie auf die Weihnachtsferien ausgeweitet worden, danach auf alle Ferientage. „Was folgt als nächstes? Die Schließung der Damensauna?“, fragt sie bange.

„Dies empfinde nicht nur ich als frauenfeindlich und diskriminierend“, schimpft sie. Zudem trete die Geschäftsführung die Kundentreue mit Füßen. Nach Worten der Geschäftsführung erfülle man  Kundenwünsche. „Wessen Kundenwünsche?“, fragt sie. Und weiter: „Wie wurden diese ermittelt? Hat man die Wünsche der Frauensauna bewusst nicht erfasst?“ Ausgerechnet dienstags wollten alle Männer und Paare in die Sauna, zitiert sie Aussagen der Geschäftsführung. Anrufe, Appelle, Unterschriftensammlung seien erfolglos abgeprallt. Wenn die Geschäftsführung nach dem Besucherrekord im vergangenen Jahr die Kapazität ausbauen will, muss sie die Kundenzufriedenheit aller Besucher berücksichtigen. „Sie wäre gut beraten die Umfrage des SR 2017 über das Ermitteln der Bäderzufriedenheit abzufragen. Hier schnitt das Bad nicht wegen der Damensauna nicht gut ab“, sagt Kerber und warnt: „Mit dem Rausekeln der Frauen wird das Bad nicht nur die Frauen, sondern auch deren Partner, Kinder, Enkel und Freunde verlieren.“

Von Rausekeln der Frauen kann nach Worten von den Geschäftsführern Thomas Klein und Daniel Barth keine Rede sein. „An 40 Dienstagen im Jahr bleibt es bei der Damensauna von 10 bis 22 Uhr“, sagt er – „ein Angebot, das auch in Zukunft bestehen bleibt“, wie er betont. „Seit diesem Jahr wird dienstags allerdings anstelle der Damensauna eine gemischte Sauna angeboten, wenn ein Dienstag auf einen Feiertag fällt oder in den Schulferien liegt“, sagt Klein. Als Grund für die Umstellung nennen er und Barth die Besucherzahlen.

Die der Damensauna dienstags sind laut Klein deutlicher geringer im Vergleich zur gemischten Sauna an allen Wochentagen. „So haben im Kalenderjahr 2017 über 20 Prozent weniger Gäste die Damensauna besucht als an allen Montagen, an denen eine gemischte Sauna stattfand. Gegenüber mittwochs verzeichnete die Merziger Bäder GmbH sogar knapp 30 Prozent weniger Besucher.“



Als Beispiel führt Klein Dienstag, 7. November, an. An diesem Tag habe man 128 Besucherinnen gezählt. „An einem Mittwoch im Oktober haben wir in der gemischten Sauna 178 Gäste gezählt, also 50 mehr. Am Dienstag, 31. Oktober, einem Feiertag, wurden gar 230 Gäste gezählt“, verrät er – ein Plus von 102. „Im vergangenen Jahr haben wir von der Merziger Bäder GmbH die Umstellung von Damensauna zur gemischten Sauna an drei Dienstagsfeiertagen erprobt. An den drei Feiertagen 15. August, 3. Oktober und 31. Oktober hatten durchschnittlich 100 Gäste mehr den Saunabereich besucht als im Durchschnitt 2017 bei der Damensauna“, rechnet er weiter vor. Zudem gehörten Feiertage und die Ferien bekanntermaßen zu den besucherstärksten Zeiten im Bad.

Vor diesem Hintergrund mache es mit Blick auf freie Kapazitäten im Saunabereich und eine entsprechende Nachfrage von Gästen nach Ansicht der Geschäftsführer und der Betriebsleitung Sinn, die Damensauna künftig an Feiertagen und in den Ferien nicht mehr durchzuführen.

So sei es bereits häufig an Dienstagen, die auf einen Feiertag fielen oder in den Ferien lagen, zu Beschwerden und Irritationen bei männlichen Saunagästen oder bei Paaren, die die gemischte Sauna besuchen wollten, gekommen. „Die Frau hätte die Sauna besuchen können, dem Mann wurde der Zugang in die Damensauna verwehrt. Da wurde auch sehr oft die Frage nach der Gleichberechtigung der Männer gestellt.“

„Natürlich haben wir Verständnis dafür, dass einzelne Saunabesucherinnen das Angebot gerne auch in Zukunft wie bisher uneingeschränkt an jedem Dienstag nutzen möchten. Unsere Aufgabe ist es jedoch, die Interessen aller Nutzergruppen und insbesondere die Wünsche der Mehrzahl unserer Gäste zu berücksichtigen“, räumen Daniel Barth und Thomas Klein ein.

„Da die Damensauna bei vielen Stammkundinnen beliebt ist, soll sie an den Dienstagen außerhalb der Ferien und an Nichtfeiertagen weiterhin bleiben“, ergänzt Betriebsleiter Martin Siemon und begegnet damit dem Eindruck, dass Kundentreue bei der neuen Regelung nicht berücksichtigt werde. „Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Badeeinrichtungen hält das Bad damit nach wie vor ein attraktives Angebot nur für Damen im Saunabereich vor“, sagt Siemon und widerspricht dem Vorwurf, die Änderung im Bereich der Damensauna sei frauenfeindlich und diskriminierend.

Abgesehen von einer kleinen Gruppe von Beschwerdeführerinnen sei diese Änderung an den zwei bisherigen Dienstagen in diesem Jahr, an denen die neue Regelung zur Anwendung kam, akzeptiert worden, heißt es von Seiten der Bäderleitung. „Die meisten Gäste hatten Verständnis für die Änderung, nachdem wir ihnen die Gründe dargelegt hatten.“

Das Schild sagt aus, was auch in Zukunft so bleiben soll.  Herren haben  dienstag keinen Zutritt.
Das Schild sagt aus, was auch in Zukunft so bleiben soll. Herren haben dienstag keinen Zutritt. FOTO: rup