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120 Schüler des BBZ Merzig informierten sich über Sucht

Merzig : Schwanger und Alkohol geht gar nicht

Welche Auswirkungen Alkohol- und Tabakkonsum auf ungeborene Kinder haben, erfuhren 120 Schüler des BBZ in Merzig.

Zum Thema „Schwangerschaft ohne Alkohol und Tabak, das vor allem für junge Menschen wichtig ist, wurden an drei Terminen 120 Schüler des BBZ Merzig kürzlich im Mehrgenerationenhaus Merzig geschult. „Dabei kommt es uns Organisatoren darauf an, dass junge Frauen und Männer erfahren, welche Risiken Alkohol- und Tabakkonsum für das ungeborene Kind, aber auch in der Stillzeit darstellen“, erklären Gabriele Wahlen vom Gesundheitsamt des Landkreises und Bärbel Kramb vom Mehrgenerationenhaus Merzig.

„Wir freuen uns daher sehr, dass wir auch in diesem Jahr vom Landesinstitut für Präventives Handeln (LPH) unterstützt wurden und wir mit unseren Veranstaltungen Teil der landesweiten LPH Kampagne ,Kein Substanzkonsum in Schwangerschaft und Stillzeit’ sind. Uns ist wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass Schädigungen beim Kind durch Alkohol- und Tabakkonsum der Mutter während Schwangerschaft und Stillzeit verhindert werden können“, betonen Gabriele Wahlen und Bärbel Kramp.

Viele Frauen stellen sich demnach in der Schwangerschaft die Frage: „Kann ich Alkohol trinken, ohne die Gesundheit meines Kindes zu gefährden? Wie sieht es mit Alkoholkonsum nach der Schwangerschaft aus? Welche Auswirkungen hat Tabakkonsum während Schwangerschaft und Stillzeit?“

Auf diese Fragen hatten die beiden Referentinnen der Schulung, Jutta Klein und Corinna Oswald, bei den Veranstaltungen im Mehrgenerationenhaus eine klare Antwort. Nach den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen gibt es in Bezug auf Alkoholkonsum während der Schwangerschaft keinen klaren Grenzwert. Angesichts dieser Unsicherheit und unter Berücksichtigung des Risikos schwerwiegender Auswirkungen auf das Kind, muss schwangeren Frauen vom Alkoholkonsum auf jeden Fall abgeraten werden.

In Deutschland kommen jährlich etwa 10 000 Babys mit alkoholbedingten Schädigungen, den so genannten fetalen Alkoholspektrum-Störungen (FASD), auf die Welt. Davon leiden vermutlich mehr als 2000 Kinder am Vollbild des fetalen Alkoholsyndroms (FAS). „Die schwerwiegenden geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen des FAS zählen zu den bereits bei der Geburt vorliegenden Behinderungen in Deutschland und sind absolut vermeidbar“, gibt Jutta Klein zu bedenken. Besonders beeindruckt zeigten sich die Schüler von den vielfältigen Materialien, mit denen die Referentinnen die Auswirkungen von Alkohol- und Tabakkonsum in Schwangerschaft und Stillzeit deutlich machten.

So konnten die Jugendlichen anhand eines Babymodels „alkoholgeschädigt“ leicht die äußerlichen Merkmale einer Schädigung wie beispielsweise Minderwuchs, Untergesicht und Gesichtsanomalien erkennen. Viele Schädigungen wie Verhaltensstörungen, Fehlbildungen der Organe, geistige und motorische Entwicklungsverzögerungen sind allerdings nicht sichtbar und haben lebenslange und schwere Folgen für die Betroffenen.

Mit Hilfe einer so genannten Rauschbrille, die einen Promillewert von 1,3 simuliert, konnten die Jugendlichen erfahren, wie es sich anfühlt alkoholisiert ein „Baby“ zu wickeln. „Besonders beeindruckt hat mich, wie unsicher ich mit der Rauschbrille war und natürlich auch der Unterschied zwischen der normalen Babypuppe und der alkoholgeschädigten Puppe“, stellte eine Teilnehmerin erstaunt fest. Sie habe nicht gewusst, dass durch die FAS Kinder so stark geschädigt sein können. Und ein anderer Schüler fand, eigentlich müsste das Thema schon früher behandelt werden, also schon vor dem 16. Lebensjahr.

Mithilfe eines Tauchers wurde dabei zum Beispiel verdeutlicht, wie sich die Sauerstoffzufuhr für das Ungeborene verändert, wenn die Mutter raucht. Nikotin bewirkt, dass das Ungeborene schlechter mit Sauerstoff und den Nährstoffen versorgt wird, die es für eine gesunde Entwicklung bis zur Geburt benötigt. So erhöht das Rauchen der Mutter in der Schwangerschaft beispielsweise das Risiko für Fehl- und Frühgeburten und für angeborene Fehlbildungen. Dass das Ungeborene mit dem absoluten Rauchstopp Entzugserscheinungen bekommt, stimmt nicht, erklärte Corinna Oswald und räumte damit auch mit einem gängigen Vorurteil auf.

„Uns ist wichtig, dass Jugendliche und junge Erwachsene sich gut mit dem Thema auskennen. Selbst wenn bei ihnen eine Schwangerschaft noch kein Thema ist, können sie ihr Wissen an Freunde weitergeben“, so die Organisatorinnen der Veranstaltungen. „Deshalb wollen wir die Veranstaltungen zum Thema ,Schwanger ohne’ gerne in den nächsten Jahren fortführen“, sind sich alle Organisatoren und Referentinnen einig.