Merzig-Wadern:Zahl der Berufspendler im Landkreis auf 23000 gestiegen

Pendler im Kreis Merzig-Wadern : Wenn Lebenszeit jeden Tag im Stau flöten geht

Immer mehr Menschen aus dem Kreis Merzig-Wadern pendeln nach Angaben der IG BAU täglich zur Arbeit weite Strecken. Damit liegt der Kreis im Bundestrend.

Die Zahl der Berufspendler im Landkreis Merzig-Wadern hat einen neuen Höchststand erreicht. Das teilt die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mit. Demnach verließen im vergangenen Jahr rund 23 000 Menschen auf dem Weg zur Arbeit regelmäßig die Grenzen des Kreises – das sind 15 Prozent mehr als noch im Jahr 2000. Damals zählte der Kreis noch rund 20 000 sogenannte Auspendler. Die IG BAU beruft sich dabei auf eine aktuelle Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

Der Gewerkschafter Marc Steilen spricht mit Blick auf diese Zahlen von einem „alarmierenden Trend“. Eine Hauptursache für den Pendel-Boom sei nach seinen Worten der Mangel an bezahlbaren Wohnungen in den Groß- und Unistädten. „Eine wachsende Zahl von Menschen kann sich die hohen Mieten und Immobilienpreise in der Stadt nicht mehr leisten. Aber genau dort sind in den letzten Jahren besonders viele Jobs entstanden“, sagt der Bezirksvorsitzende der IG BAU Saar-Trier. Die Folgen hiervon seien immer längere Staus und überfüllte Züge.

Strecken von mehr als 50 Kilometer bis zum Arbeitsplatz seien für viele Pendler aus dem Kreis Merzig-Wadern mittlerweile Gang und Gäbe, sagt Steilen und betont: „Dabei geht nicht nur wertvolle Zeit für Familie, Freunde und Hobbys verloren. Auch die Umwelt leidet unter der Fahrerei.“ Wie die IG BAU weiter mitteilt, geht nach Angaben des Umweltbundesamtes knapp ein Fünftel aller CO2-Emmissionen in Deutschland auf das Konto des Verkehrs.

Die IG BAU warnt vor einer Zunahme der Pendlerzahlen, sollte sich das Wohnen noch weiter vom Arbeiten entfernen. Nötig sei eine „drastische Wende“ in der Wohnungsbaupolitik. „Die öffentliche Hand muss viel mehr als bisher investieren, um bezahlbaren Wohnraum in den Metropolen und Ballungsräumen zu schaffen. Es fehlen vor allem Wohnungen im sozialen und im bezahlbaren Segment“, betont Steilen.

Massive Investitionen seien aber auch im Bereich der Verkehrsinfrastruktur unverzichtbar, um die Pendler zu entlasten. „Vor allem beim Schienen-, Straßen- und Radwegenetz ist der Nachholbedarf groß“, macht Steilen deutlich. Einen entscheidenden Beitrag gegen den „Pendel-Frust“ könnten zudem die Firmen leisten – indem sie es ihren Beschäftigten leichter machen, in Gleitzeit oder im Home-Office zu arbeiten.

Die Pendler-Problematik im Landkreis Merzig-Wadern ist Teil eines bundesweiten Trends: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit pendelten im letzten Jahr insgesamt 39 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in eine andere Stadt oder einen anderen Kreis zur Arbeit.

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