Merzig-Wadern: Stets auf Achse, um Afrika zu helfen

Merzig-Wadern : Stets auf Achse, um Afrika zu helfen

Seit zwölf Jahren unterstützt das Musikprojekt „Ein Licht für Afrika“ Hilfsprojekte auf dem Schwarzen Kontinent. Ins Leben gerufen wurde die Initiative 2007 an der Christian-Kretzschmar-Gemeinschaftsschule in Merzig.

Das südostafrikanische Land Mosambik hatte sich gerade vom Bürgerkrieg erholt, als es von einer schweren Flutkatastrophe heimgesucht wurde. Tausende von Menschen verloren ihr Leben, andere hatten Glück, verloren nur ihre Behausung und konnten aus den überschwemmten Gebieten fliehen. Das war im Jahr 2000. Sieben Jahre  gab es an der Christian-Kretzschmar-Schule Merzig ein Schulprojekt zum Thema „Afrika“, um genau diesen Menschen zu helfen. Mit den Einnahmen eines Benefizkonzertes, von einem großen Projektchor gestaltet, sollte ein mosambikanisches Flüchtlingsdorf beim Wiederaufbau finanziell unterstützt werden, so die anfängliche Idee des Musiklehrers Christoph Goergen und der mosambikanischen Künstlerin Joaquina Siquice. Und die Vision wurde Wirklichkeit.

Diese Initiative war zunächst als einmalige Aktion geplant. Noch im selben Jahr gründete sich jedoch der Verein „Ein Licht für Afrika“, kurz ELfA, der vor zwei Jahren sein zehnjähriges Bestehen feierte. Tausende von Menschen haben bislang den stimmgewaltigen Projektchor „Ein Licht für Afrika“ gehört, Tausende von Euro wurden bereits eingesungen und in der Entwicklungshilfe eingesetzt.

Neben der erwähnten Direkthilfe für das Flüchtlingsdorf Picoco erfolgten auch weitere Hilfsmaßnahmen. In dem mosambikanischen Buschdorf Guigobane beispielsweise hat ELfA bislang zwei Schulgebäude (2010 und 2015) und einen Brunnen (2013) gebaut.

Im vergangenen Jahr musste der Verein jedoch einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen: Plötzlich und völlig unerwartet verstarb die Mitbegründerin und Gallionsfigur des Projektes, Joaquina Siquice. Konzerttermine wurden abgesagt, geplante Bauprojekte drohten zu platzen und Kontakte zu Mosambik abzureißen. Nach der anfänglichen Schockstarre waren die Mitglieder allerdings entschlossener denn je, die ehrenamtliche Arbeit fortzusetzen – nicht zuletzt, um Siquice ein Denkmal zu setzen. Der Terminkalender des Chores füllte sich rasch wieder. Ohne Siquices Vermittlung wurde allerdings die Zusammenarbeit mit den mosambikanischen Partnern und Behörden schwierig und träge, was unter anderem den Sprachbarrieren geschuldet ist. „Aber noch dieses Jahr wird eine fünfköpfige Delegation nach Mosambik reisen, um die Beziehungen in persönlichen Gesprächen zu beleben und gemeinsam an Plänen zu arbeiten“, kündigt der erste Vorsitzende von ELfA, Christoph Goergen, an.

Die Initiatoren von „Ein Licht für Afrika“: Christoph Goergen (links) und die im vergangenen Jahr überraschend verstorbene Joaquina Siquice. Foto: Norbert Wagner

Indes fand ELfA neue Betätigungsfelder in Afrika, die dringend der Unterstützung bedürfen. „Als im Frühjahr dieses Jahres erneut tropische Wirbelstürme über Mosambik fegten und eine Spur der Verwüstung hinterließen, fühlte wir uns selbstverständlich auf den Plan gerufen, obgleich unsere Projektdörfer nicht unmittelbar betroffen waren“, erzählt Goergen. Persönliche Kontakte garantierten hier eine schnelle, zuverlässige und unbürokratische Hilfe. Das Ärzte-Ehepaar Brigitte und Michael Ney aus Rehlingen-Siersburg lebte und arbeitete fünf Jahre lang in der vom Zyklon Idai am stärksten betroffenen Region. Die beiden Chormitglieder des ELfA-Projektchores pflegen noch immer Kontakte zu ihren ehemaligen Kollegen im Zentralkrankenhaus der mosambikanischen Hafenstadt Beira und erfuhren so aus erster Hand über das Ausmaß der Zerstörung der Infrastruktur und dem Leid der Menschen. Die Mitglieder von ELfA beschlossen, keine Zeit zu verlieren und umgehend eine Spende von 10 000 Euro anzuweisen – für afrikanische Verhältnisse ein Vermögen.

Die Rückmeldung der überwältigten Belegschaft des Krankenhauses ließ nicht lange auf sich warten. Man berichtete, dass man das Geld zum einen für Medikamente, Nahrungsmittel und zusätzliche Pflegekräfte für die Kinderklinik einsetze, aber auch für einige vom Zentralkrankhaus betreute Krankenstationen am Rande der Stadt. „Das dazugehörige Waisenheim bekam ebenfalls dringende Unterstützung bei der medizinischen Versorgung der vielen neuen Kinder“, berichtet Brigitte Ney, ebenfalls im Vorstand von ELfA.

„Auch wenn das Thema Flutkatastrophe 2019 in den Medien momentan keine Rolle mehr spielt, sind die Zustände dort noch immer als katastrophal zu bezeichnen“, betont Goergen. Behausungen und Teile der Ernte seien vernichtet. Problematisch seien auch die lange stehenden und verschmutzten Gewässer im Überschwemmungsgebiet, wahre Brutparadiese für die Malaria übertragenden Fliegen und günstige Voraussetzungen für den Ausbruch von Seuchen wie die Cholera.

Rund zwei Millionen Menschen sind weiter auf humanitäre Hilfe angewiesen. „In und um Beira findet man überwiegend nur Hütten oder das, was von ihnen übrig geblieben ist, aber leider keine Notre Dame“, bemerkt der erste Vorsitzende zynisch, „und deshalb bitten wir weiter um Spenden“:

Mit ihren Konzertshows, wie hier im Orscholzer Cloef-Atrium, sammeln die mitwirkenden Musiker bei „Ein Licht für Afrika“ seit Jahren fleißig Spenden für Hilfsprojekte auf dem Schwarzen Kontinent. Foto: Doris Gerz

Außerdem gelang es der zweiten Vorsitzenden von ELfA, Ulrike Hehl aus Altforweiler, Kontakt zu dem Verein „Pro Uganda“ zu knüpfen. Dieser Verein baut Prothesen für amputierte Menschen. Aufgrund von Krankheiten, Kriegsverletzungen und Unfällen sind zahlreiche Menschen in Uganda von Amputationen betroffen, denn eine Amputation ist häufig die billigere Lösung. Eine aufwendige Operation kann sich der normale Bürger nicht leisten. Außerdem bildet dieser Verein einheimische Fachkräfte für Orthopädietechnik aus, bietet Hilfe zur Selbsthilfe. ELfA unterstützte diese Arbeit mit einer Spende von 7 500 Euro.

Am letzten Probentag vor der Sommerpause ließ es sich eine Vertreterin des Vereins nicht nehmen, die Reise von Aschau am Chiemsee nach Merzig auf sich zu nehmen, um dem Chor persönlich danken zu können. Bei der Gelegenheit gab Birgit Lemnitzer in Wort und Bild einen eindrucksvollen Einblick in die vielfältige Arbeit von „Pro Uganda“. Lemnitzer selbst bringt sich beispielsweise als Physiotherapeutin ein. „Wir sind alle tief bewegt und werden ‚Pro Uganda’ in Zukunft sicherlich wieder mit einer Spende bedenken“, verabschiedete Hehl den Gast. Aber jetzt geht es zunächst nach Mosambik, um dort nach dem Rechten zu sehen.

Weitere Informationen zum Verein „Pro Uganda“ gibt es im Internet:

www.prouganda.de