„Wechselbad der Gefühle“ Trockenheit und heftige Regenfälle stellen Landwirte im Kreis Merzig-Wadern vor Probleme

Merzig-Wadern · Die Landwirte im Grünen Kreis schauen auf eine wechselhafte Zeit zurück. Bei einigen Pflanzen ist der Ertrag aufgrund der Witterung deutlich schlechter als erwartet, sagt Kreisbauernpräsident Josef Fontaine.

Die Weizenernte, hier ein Bild aus Baden-Würtemberg, war in diesem Jahr durchwachsen. Während die Wintergerste gute Erträge brachte, sind die Sommersorten durch die Trockenheit eher schlecht gewachsen.

Die Weizenernte, hier ein Bild aus Baden-Würtemberg, war in diesem Jahr durchwachsen. Während die Wintergerste gute Erträge brachte, sind die Sommersorten durch die Trockenheit eher schlecht gewachsen.

Foto: dpa/Thomas Warnack

Die bisherige Ernte-Saison in Landkreis Merzig-Wadern war eher geprägt von wechselhaften Wetterbedingungen. Das machte den Landwirten im Grünen Kreis in der ersten Jahreshälfte zu schaffen, wie Kreisbauernpräsident Josef Fontaine im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung berichtet: „Nach einem Wechselbad der Gefühle wird der Mais qualitativ noch ganz gut werden“, erzählt der mit seiner Familie den Kastanienhof im Waderner Ortsteil Münchweiler bewirtschaftet. Im Gesamtertrag werde der Mais aber wohl zurückbleiben.

„Die Trockenheit von Anfang Mai bis Juli, hat enorme Auswirkungen auf Kulturen, die erst im Frühjahr ausgesät wurden“, erläutert Fontaine und nennt als Beispiel etwa die Kartoffel. „Wer dort nicht künstlich bewässern konnte, der hat jetzt nur kleine Kartoffeln und oftmals auch nur einen geringen Ertrag.“ Durch den fehlenden Regen stimme für viele der Landwirte hier das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag einfach nicht. Die Ernte von Futtermais, Gras und damit verbunden auch die Heuernte sei zufriedenstellend gewesen, resümiert Landwirt Fontaine.

Trockenheit lässt Getreide im Landkreis Merzig-Wadern nur schlecht wachsen

Ein ähnliches Bild wie bei den Kartoffeln zeige sich bei der Ernte des Sommergetreides. Probleme habe es gegeben etwa beim Hafer oder der Braugerste – beides klassische Sommergetreide, wie Fontaine erklärt. „Der Hafer war schwierig, weil den Pflanzen in der entscheidenden Phase das Wasser gefehlt hat.“ Weizen sei in seinem Betrieb der „Reinfall“ des Sommers gewesen: „In der Phase, in der die Pflanze die Körner dick macht, hat das Wasser gefehlt“, mit dem Ergebnis, dass sich nur kleine schrumpelige Körner gebildet hätten. Für Mühlen sei dieser Ertrag nicht attraktiv, der Mehlkörper in diesen fehlt.

Einen Lichtblick gab es aber auch im Betrieb des Münchweiler Landwirts. Eine Wintergerste habe guten Ertrag gebracht. „Die wird meist schon Ende September ausgesät und kann dann über den ganzen Winter Wasser aufnehmen.“ Als dann im Mai die Trockenheit einsetzte, sei hier der Ertrag „vorsichtig ausgedrückt, bereits gesichert gewesen.“ Diese Gerste ist häufig das erste Getreide, das der Landwirt vom Feld holt.

Merzig: Regen und Trockenheit bereiten Landwirten Probleme
Foto: a-n

Weizenernte beginnt laut Fontaine immer früher im Jahr – zwei mögliche Gründe

Eine Beobachtung, die Fontaine gemacht in den vergangenen Jahren zehn bis 15 Jahren gemacht hat: Die Weizenernte beginnt immer früher. „Einerseits durch Sortenzüchtung, aber wohl auch durch die heißeren Temperaturen. Wenn es wärmer ist, dann reift das Getreide wohl auch etwas schneller ab.“ In seiner Kindheit sei die Getreideernte häufig erst im August gestartet, heute sei die Ernte dann meist schon abgeschlossen.

„Dieses Jahr war es auch wichtig, dann schon fertig zu sein“, sagt von Fontaine mit Blick auf die Ende Juli einsetzende Wetterperiode mit teils starken Regenfällen über mehre Tage und Wochen. „Wer da noch nicht fertig, dem hat es so dauerhaft ins Getreide geregnet, dass die Qualität enorm drunter gelitten hat – bis zum Totalausfall.“

Zeitpunkt und Menge bei Regenfällen entscheidend – sonst droht das Getreide unbrauchbar zu werden

Zu viel Regen und das zur falschen Zeit, das könne fatale Folgen für das Getreide haben. „Bei uns war kein Starkregen im eigentlichen Sinne dabei“, sagt Fontaine rückblickend auf die Phase von Ende Juli bis Mitte August. Doch die anhaltende Feuchtigkeit könne massive Folgen für das Getreide haben: „Wenn das Getreidekorn immer wieder feucht gehalten wird und ist schon reif in der Ähre, dann fängt das an zu keimen.“ Im Ergebnis sei das Getreide dann nur noch für die Biogasanlage zu gebrauchten.

Die relativ trockene Phase der letzten Wochen hat der junge Landwirt dafür genutzt, die von ihm bewirtschafteten Wiesenflächen abzumähen. „Ich hoffe darauf, dass wir in den kommenden Wochen noch mal einen Schnitt hinbekommen“, sagt Fontaine. Für die nächsten Woche wünscht sich der Landwirt daher relativ trockenes Wetter, „damit wir noch einiges an Arbeit erledigt bekommen.“

Landwirte hoffen auf gutes Wetter – abgeerntete Flächen müssen vorbereitet werden

Einige seiner Kollegen seien gerade noch damit beschäftigt, sogenannte Zwischenfrüchte zu sähen. Als Zwischenfrüchten werden in der Landwirtschaft solche Pflanzen bezeichnet, die vor oder nach der eigentlichen Hauptpflanzen auf einem Feld ausgesät werden. Diese können sowohl als Gründünger oder als Futterpflanzen genutzt werden.

„Zwischen der Ernte und der neuen Aussaat können schon mal bis zu acht Monate auf einem Feld vergehen“, erläutert Fontaine: „Damit sich dort keine ungewünschten Pflanzen breitmachen – etwa Disteln oder Heckengräser – werden die Flächen aktiv begrünt.“ Damit könne man dem Boden und den Bodenlebewesen etwas Gutes tun.