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Marc Schöntgen erinnert sich an den verstorbenen Großherzog Jean

Schengen : „Ein Regent, der Geschichte geschrieben hat“

Marc Schoentgen aus Schengen kam dem verstorbenen Luxemburger Großherzog Jean ganz nah – nicht nur, weil er dessen Domizil bewachte. Er erinnert sich an das frühere Staatsoberhaupt.

Der Moment, in dem die Fahnen auf Halbtmast gingen, wird Marc Schoentgen im Gedächtnis bleiben. „Es war ein sehr trauriger und emotionaler Augenblick, als ich auf diese Weise die Todesnachricht von Großherzog Jean von Luxemburg erfahren habe“, sagt der Mann aus Schengen, der sich durch seine Fotografien, Ausstellungen und Bücher im Grünen Kreis einen Namen gemacht hat. Hautnah hat er nach seinen Worten die Trauerbeflaggung miterlebt. „Ich hatte von Ostermontag auf Dienstag Nachtdienst“, berichtet der Polizist, der von der Polizeidienststelle zum Service Palais, der luxemburgischen Palastwache, gewechselt ist. „Mit großer Trauer teile ich Ihnen den Tod meines geliebten Vaters mit“, ließ Großherzog Henry erklären. Der 98-Jährige sei friedlich im Kreise seiner Familie gestorben. Am 13. April hatte der Hof mitgeteilt, dass das ehemalige Staatsoberhaupt wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt werde. Über das Osterwochenende hatte sich sein Zustand verschlechtert. „Er war ein bescheidener und sehr sympathischer Mann“, beschreibt ihn Schoentgen. Das goldene Buch, in dem der Großherzog seinen Namenszug hinterlassen hat, hütet er wie einen Schatz. „Vor gut zwei Jahren hatte ich eine Wanderausstellung anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Dynastie Luxemburg-Nassau organisiert. Sie ist in mehr als 20 Orten in Luxemburg gezeigt worden – unter anderem in Fischbach, dem Ort, in dem der Großherzog wohnte. Ich durfte ihn durch die Ausstellung führen“, berichtet der Schengener. „Es war ein unvergessliches Erlebnis“, schwärmt er von dem Besuch des Mannes, den die Luxemburger liebevoll Vater der Nation nennen.

Verstarb im Alter von 98 Jahren: Alt-Großherzog Jean.  Foto: dpa/Patrick Van Katwijk

Nicht nur als durch seine Hobbys ist der Luxemburger dem Regenten nahe gekommen – auch beruflich. „Ich bin Chef des Service Palais. Zu meinem Arbeitsbereich gehören die drei großherzoglichen Anwesen, der Palast in Luxemburg-Stadt, Schloss Berg und Schloss Fischbach, dem Wohnsitz des Großherzogs.“ Noch im Januar habe er ihn bei einem Gedenkgottesdienst gesehen, Ende März bei einer internationalen Konferenz, die Großherzogin Maria Teresa organisiert hatte. „Bei dem Symposium, dessen Ziel es war, sexueller Gewalt als Kriegswaffe ein Ende zu setzen, waren Friedensnobelpreisträger ebenso anwesend wie Opfer“, sagt Schoentgen. „Er war ein Regent, der Geschichte geschrieben hat“, würdigte er die Verdienste des Mannes, der am 5. Januar 1921 als Sohn von Großherzogin Charlotte von Luxemburg und Prinz Felix von Bourbon-Parma geboren wurde. „Er hat sich 1942 freiwillig zum Dienst in der britischen Armee gemeldet. Als Mitglied der Irish Guards, der Irischen Garde, hat er im Juni 1944 an der Landung der Alliierten in der Normandie teilgenommen“, berichtet Schoentgen über den Regenten, der 36 Jahre lang an der Spitze des kleinen Landes stand. Bei Befreiung der Stadt Luxemburg durch die Alliierten im September 1944 sei er von der Bevölkerung begeistert gefeiert worden. „Er war bis zuletzt Offizier. Beim Trooping the Colour, der Geburtstagspararde der Queen, ist er in Uniform hinter Königin Elisabeth geritten“, sagt Schoentgen.