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Lyambiko & Band – Love Letters

Saarburg : Vom Pop über Folk und Soul zum Jazz

Die erfolgreichste deutsche Jazz-Sängerin Lyambiko tritt am Mittwoch, 16. Januar, in der Schreinerei Inform in Saarburg auf. Mit der Saarbrücker Zeitung sprach sie über ihre Liebe zum Jazz, über alte Liebesbriefe und natürlich auch über ihr neues Album.

Jazz, Jazz und noch mal Jazz – deine Welt. Wann hast du angefangen, Jazz-Music zu machen?

LYAMBIKO So richtig gepackt hat mich der Jazz, als ich Ende der 90er Jahre nach Berlin zog und die dortige Musikszene erkundete. Da begann ich überhaupt erst, meine Stimme als mein Instrument zu verstehen. Meine erste Begegnung mit dem Jazz fand jedoch schon viel früher statt: In meiner Kindheit lernte ich Saxophon spielen und schloss mich einer Bigband an. Damals hörte ich voller Begeisterung „Ella und Louis“, diese Musik hat mich sofort ergriffen.

War es von Anfang an Jazz?

LYAMBIKO Aufgewachsen bin ich mit allem, was man so in den 80ern und 90ern gehört hat, jedoch bemerkte ich recht schnell, dass meine musikalischen Vorlieben nicht mit denen meiner Schulkameraden und Freunde übereinstimmten. Denn abgesehen von Michael Jackson und Prince hörte ich doch lieber Tracy Chapman, Janis Joplin, Eric Clapton und dank meiner Mutter Al Green, Marvin Gaye und Solomon Burke. Also kam ich von Pop über Folk und Soul zum Jazz.

Deine Familie war auch musikalisch. Wer hat was gemacht, und inwiefern hat es dich inspiriert?

LYAMBIKO Mein Opa hatte in jungen Jahren eine Swing-Combo, sie hat in den 30er Jahren zum Tanz aufgespielt. Wenn ich ihn als kleines Mädchen besuchte, staunte ich immer über all die Instrumente, die er noch hatte. Wahrscheinlich verdanke ich es seinem Einfluss, dass ich Klarinette und Saxophon spielen lernen durfte. Zum Unterricht ging ich dann zu einem ehemaligen Mitmusiker aus seiner Band. Auch meine Geschwister lernten alle ein Instrument spielen. Es war für uns damals etwas ganz Selbstverständliches. Auch mein Vater war musikalisch aktiv. Er kam in den 70er Jahren als Student in die ehemalige DDR. Bei sich zu Hause in Tansania hat er immer im Chor gesungen, und er suchte auch hier recht bald Anschluss. Den fand er bei einer Jazzband in meiner Heimatstadt. Gemeinsam haben sie wundervolle Interpretationen traditioneller ostafrikanischer Lieder mit Jazzstücken verwoben.

Wer gehört sonst noch zu deinen Vorbildern – neben George Gersh-
win, nach dem du ja ein ganzes
Album benannt hast?

LYAMBIKO Die Musik von Nina Simone hat mich am stärksten geprägt, darum widmete ich ihr auch das Album „Saffronia“ von 2008. Als ich eine CD von ihr hörte, war das für mich ein absolutes Schlüsselerlebnis. Danach wollte ich mehr und mehr hören und auch mal selbst ein paar Stücke ausprobieren.

2011 hast du den Echo Jazz in der Kategorie „Sängerin des Jahres national“ verliehen bekommen. Eine wahrlich grandiose Auszeichnung. Wie hat sich das angefühlt, und welchen Einfluss hatte es auf deine Karriere?

LYAMBIKO Weißt du, erst da wurde mir klar, wie viele Menschen ich in der Vergangenheit schon mit meiner Leidenschaft zur Musik erreichen konnte. Das war ein schöner Moment aber nicht nur für mich, sondern auch für meine Mitmusiker Marque Lowenthal, Robin Draganic und Heinrich Köbberling. Ohne sie wäre das alles in der Form nicht möglich gewesen. Darum betrachte ich den Echo als eine Auszeichnung für uns als Band.

Auf deinen Alben, die immer ein in sich stimmiges Gesamtwerk darstellen, schaffst du immer eine gesunde Mischung eigener und gecoverter Songs. Wonach suchst du aus? Schreibst du die Songs und suchst passende Klassiker dazu aus?

LYAMBIKO Auf den ersten Alben habe ich fast ausschließlich Jazzstandards gesungen. Der Wunsch nach neuen respektive Eigenkompositionen kam erst mit der Zeit mehr und mehr auf. Ich selbst verstehe mich nicht so sehr als Songwriterin, aber ich arbeite mit Musikern zusammen, die begnadet gut Stücke schreiben können. Für mich erzählt jedes meiner Alben eine Geschichte, die ihren inhaltlich roten Faden bekommt durch die Auswahl der Stücke. Es sei denn, es handelt sich um ein thematisch bezogenes Programm wie ein „Tribute to Nina Simone“ oder ein Gershwin-Programm. Oftmals verspüre ich dann während der Recherche und Vorbereitung der Stücke das Bedürfnis, eine möglicherweise nur für mich wahrnehmbare Lücke im Spannungsbogen zu schließen, indem ich ein Stück selber schreibe.

Dein aktuelles Album „Love Letters“ wurde von alten Liebesbriefen deiner Familie beziehungsweise der deines Mannes inspiriert. Wie kann man sich das vorstellen?

LYAMBIKO Als die Großmutter meines Mannes verstarb, fand man in ihrem Nachlass alte Liebesbriefe vom Großvater an sie. Die Schwägerin meines Mannes ordnete die Briefe und Postkarten chronologisch, tippte alle Briefe ab und gab jedem Familienmitglied eine gebundene Kopie. Als ich die Briefe las, war ich sofort völlig gebannt von der Geschichte der beiden Großeltern. Hier erfuhr ich, wie es den beiden damals erging, auf welchem Wege sie sich gefunden haben und was sie alles durchmachen mussten, bis sie endlich wirklich zueinander fanden. Die Geschichte hat mich so bewegt, dass ich dachte, man müsse sie unbedingt musikalisch aufgreifen und verarbeiten. Zunächst überlegte ich mir, wie das Ganze anzupacken war. Ich wollte Musik aus der damaligen Zeit kombinieren mit Musik aus dem Hier und Jetzt – neue Kompositionen, die ein wenig nach „vintage“ klingen, verbinden mit Jazzstandards, die dagegen den aktuellen Zeitgeist atmen.

Übernimmst du darin auch ganze Textpassagen aus den Briefen?

LYAMBIKO Ich würde sagen, ich habe hier mehr mit Bildern gearbeitet als mit konkreten Textpassagen. Vieles ist Auslegungssache. So erging es mir auch bei der Lektüre der Briefe, denn ich habe nur seine Briefe gelesen und nicht ihre Antworten. Die musste ich mir anhand seiner Texte zusammenreimen.

Wann wurden die Briefe geschrieben und in welchem Zusammenhang?

LYAMBIKO Die Briefe stammen aus den 30er und 40er Jahren von Heinrich und Marta, den Großeltern. Marta, sie war Halbwaise und ihren jüngeren Geschwistern eher Ersatzmutter als Schwester, wurde in jungen Jahren Mutter eines unehelichen Kindes. Aufgrund unterschiedlicher religiöser Zugehörigkeiten war ihr und dem Vater des Kindes eine Eheschließung versagt. Dann lernte sie Heinrich kennen. Sie lebte in Aarau, arbeitete dort als Krankenschwester in einem Kinderspital. Heinrich lebte 60 Kilometer entfernt, ließ sich in einer Käserei ausbilden. Sie konnten sich nur alle zwei Wochen über ein kurzes Wochenende sehen. Also lief lange Zeit alles über Liebesbriefe, welche teilweise mehrmals am Tage hin und her geschickt wurden. Beide waren arm, arbeiteten hart und waren nicht gerade Herr über ihr eigenes Leben. So kam es, dass sie ihren Wunsch, zu heiraten erst nach zwei gescheiterten Anläufen realisieren konnten. In all der Zeit umwarb er sie heiß und innig in seinen Briefen. Nun dauerte es natürlich nicht ganze zehn Jahre, bis sie zueinander fanden. Einige der Korrespondenzen stammen aus der Zeit nach der Eheschließung, als er sie hochschwanger mit einem eigenen Käsereibetrieb allein lassen musste, da er als Reservist zum Kriegsdienst einberufen wurde. Es mussten Grenzen gesichert werden und alles für den Ernstfall bereit sein. Somit lesen sich die Briefe wie ein Roman, eine Familiensaga. Ich habe die Briefe jeweils am Abend vor dem Zubettgehen gelesen und bin wirklich, obwohl der Ausgang der Geschichte für mich ja kein Geheimnis war, mit Fragen wie „Werden sich die Beiden denn nun finden? Wird sie seine Liebesschwüre erhören? Und wird sie ihm seinen ‘kleinen Fehltritt’ verzeihen können?“ eingeschlafen.

Du bist Sängerin. Stehst du auf der Bühne in Saarburg mit einer Band, einem Orchester oder aber vielleicht doch alleine?

LYAMBIKO Die meisten Konzerte spiele ich mit meiner Band in der normalen Besetzung: mit Marque Lowenthal am Piano, Robin Draganic am Bass und Tilman Person am Schlagzeug – so auch das Konzert in Saarburg. Aber auch andere Besetzungen sind möglich, im Dezember war ich zum Beispiel mit einem Pianisten, einem Gitarristen und einem Kontrabassisten mit einem Weihnachtsprogramm unterwegs. Auch mit Bigbands stand ich in der Vergangenheit schon auf der Bühne, zum Beispiel für ein Nat-King-Cole-Programm mit Karl Frierson und der Big-Band der Deutschen Oper Berlin oder mit dem Swiss Jazz Orchestra . Auch mit Kinderchören habe ich schon gastieren dürfen, so mit dem Kinderchor des Leipziger Gewandhauses.

Spielst du auch Instrumente, generell und in letzter Zeit für deine Auftritte?

LYAMBIKO Als Kind lernte ich Klarinette und Saxophon spielen, habe aber nach fünf, sechs Jahren ganz zum Gesang gewechselt. Vor längerer Zeit habe ich wieder begonnen, Saxophon zu spielen, aber wie das so ist, wenn man einmal aufgehört hat, ist ein Neuanfang schwierig…

„Love Letters“ erschien 2017. Arbeitest du schon an neuen Stücken, oder bist du noch ganz und gar im Bann der Liebesbriefe beziehungsweise daran, sie in die Welt zu tragen?

LYAMBIKO Nach den „Love Letters“ arbeitete ich an einem Weihnachtsprogramm und habe das Album „My Favourite Christmas Songs“ aufgenommen. Im Moment bereite ich ebenfalls ein neues Programm vor, 2019 möchte ich ein neues Album aufnehmen. Es verspricht, sehr spannend zu werden

Karten (Preis: 24,61 Euro, inklusive aller Gebühren) gibt es bei allen Ticket-Regional-Vorverkaufsstellen (www.ticket-regional.de) und unter www.station-k.de.