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Wo Fremde und Einheimische sich umarmen

Wo Fremde und Einheimische sich umarmen

Endloser Papierkram, der unsichere Status: Viele Probleme plagen die Flüchtlinge und ihre Betreuer aus der Gemeinde Losheim. Doch bei dem Freundschaftstreffen waren die Sorgen für einige Stunden vergessen.

"Wir Syrer sagen Danke", stand auf einem Plakat im ehemaligen Gasthaus Lichtmess im Losheimer Ortsteil Britten . Nach und nach trafen die Gäste ein: syrische Flüchtlinge aus verschiedenen Orten des Landkreises, die meisten gemeinsam mit ihren deutschen Paten, aber auch etliche Britter Bürger, allen voran Ortsvorsteher Günter Ludwig. Auf einem langen Buffet stand eine große Auswahl an Kuchen, Keksen und syrischen Leckereien.

Viele der Ankommenden begrüßten sich wie alte Freunde. Vor allem Ulrike Bouillon und Sabine Orth wurden immer wieder in den Arm genommen. Im Hause von Arnold und Christel Max leben momentan 15 Flüchtlinge aus Syrien, zehn weitere werden erwartet, und vor drei Wochen kam sogar schon ein Baby auf die Welt. "Wir haben sehr gute Erfahrungen mit diesen Leuten gemacht", erzählte Christel Max. "Sie sind hilfsbereit, höflich und sauber."

Das Hauptproblem der Flüchtlinge ist ihr unsicherer Status. Viele haben in ihrer Heimat studiert oder einen Beruf ausgeübt, und alle würden gerne arbeiten. Ahmat Abdulrazak musste sein Jurastudium abbrechen, als ihn der Krieg aus seiner Heimat vertrieb. Suliman Kahled, der von Familie Heinen aus Niederlosheim betreut wird, hatte in Syrien eine Fachhochschule für Touristik besucht, aber diese Schule existiert nicht mehr. Da Suliman Palästinenser ist, hat er immer noch keine Aufenthaltsgenehmigung und kann hier deshalb weder jobben noch eine Ausbildung beginnen. "Wir haben jetzt ein Berufspraktikum beantragt", berichtete Gabi Heine, "aber es ist noch ungewiss, ob wir dafür grünes Licht bekommen."

Klaus Kerkrath, der mit seiner Familie ebenfalls in der Flüchtlingshilfe engagiert ist, beschwert sich über den immensen Papierkrieg. "Die Formulare und Anträge sind so kompliziert abgefasst, dass man als Deutscher schon Probleme hat, sie richtig zu verstehen", klagt er. "Wie soll dann jemand damit zurecht kommen, der unsere Sprache nur in geringem Umfang beherrscht?"

Auch Anna und Kathrin Bouillon betreuen gemeinsam einen Flüchtling. Für sie ist es wichtig, den Kontakt zur Bevölkerung und zu den Vereinen herzustellen. Die beiden jungen Frauen hatten zunächst den offenen Lerntreff besucht und dann bald eine Patenschaft übernommen.

Die Stimmung der Festgäste war trotz all der angesprochenen Probleme ausgelassen und fröhlich. Ein paar junge Männer begannen, eine Art Polonaise zu tanzen, und es wurde viel gelacht. Sabine Orth ist begeistert von der Gastfreundschaft der syrischen Familien. "Wenn man hier auftaucht, wird immer etwas Leckeres zu essen angeboten" schwärmte sie. Diese offene Herzlichkeit trage viel dazu bei, dass aus Fremden sehr schnell Freunde werden.