Wildtiergerechte Bewirtschaftung möglich

Wildtiergerechte Bewirtschaftung möglich

Rolf Kautz, Kreisjagdmeister im Kreis Trier-Saarburg, zeigte in einem reich bebilderten Vortrag, wie er sein Forstgut im Raum Trier wildtiergerecht bewirtschaftet. Große Wiesen werden laut Kautz mit reichhaltigen Kräutern eingesät und gepflegt. Mehrere hundert Obstbäume bilden nach seinem Bekunden ökologisch wertvolle Streuobstwiesen. "Die Waldsäume - ökologisch sehr wichtige und meist viel zu wenig berücksichtigte Elemente - werden mäandrierend im Übergangsbereich vom Offenland in den Wald angelegt und erhalten." Unzählige Schmetterlinge, Käfer und Vogelarten profitierten von diesen Maßnahmen. Seltene Pflanzen wachsen laut Kreisjägermeister in den kühlen Bachtälern. Die habe er von der Fichte weitgehend freigestellt, so dass sich eine naturähnlichen Flora und Fauna entwickelt habe. Viele Studenten der Universität Trier haben nach seinem Bekunden dort bereits Naturschutzpraktika absolvierten und bestätigen die ökologische Werthaltigkeit des Wirtschaftens in diesem Gebiet. "Große Wildtiere wie Hirsche, Rehe, Muffel und Wildschweine können auch tagsüber beobachtet werden, da die Störungen der Flächen durch Menschen möglichst gering gehalten werden." Viele Zuhörer bestaunten die Erfolge in diesem Revier und konnten für ihre eigenen Reviere Ideen und Maßnahmenvorschläge mit nach Hause nehmen.

Dr. Daniel Hoffmann, wissenschaftlicher Berater der AG Schwarzwild, gab einen Überblick über die jüngsten Entwicklungen der Afrikanischen Schweinepest im Osten der EU. "In den baltischen Staaten und im Osten Polens geht die Virusseuche, die bei Infektion nach aktueller Kenntnis zu 10 Prozent Todesfällen führt, langsam aber stetig voran." Der Osten Deutschlands könnte nach seinen Worten 2019 erreicht sein. "Sollte das Virus den Weg bis ins Saarland schaffen, wären Wildschäden durch Schwarzwild vermutlich kein Problem mehr." Hoffmann befürchtet für die Landwirtschaft nachhaltige Schäden. Einen Blick warf Hoffmann auf die Situation des Feldhasen im Saarland sowie im gesamten Bundesgebiet. Nach dem Wegfall der Flächenstilllegungen nach 2007 sind laut des Biogeografen viele Bracheflächen verschwunden. "Der Anbau nachwachsender Rohstoffe mit höchster Intensität hat zu beutenden Lebensraumverlusten für Wildtiere in der Feldflur - von den Insekten, über die Vögel, bis zum Hasen - geführt." Diese Habitatverschlechterung und die Einführung der Schonzeit für Füchse im Saarland haben nach seinen Worten zu weiteren Einbrüchen der Populationen des Hasen geführt. "Er stirbt noch nicht aus, aber ohne vernünftige Agrar- und Jagdpolitik wird es immer schwieriger für die Arten unserer Felder und Wiesen." An mehreren Beispielen stellte er dar, dass nur derjenige vernünftig über Artenschutz und Populationsbiologie diskutieren sollte, der das "Bermudaviereck" aus Klima, Flächennutzung, Beutemachen und Krankheiten wenigstens ansatzweise verstehe. Hoffmann wies darauf hin, dass im Saarland derzeit insgesamt 69 Windparks, davon 20 über Wald, genehmigt seien. "Wenn alle errichtet sind, wird das Saarland deutlich mehr als 6000 Hektar Wald so umgestaltet haben, dass dort absehbar weder Rotmilan, Schwarzstorch oder andere seltene Greife und Eulen sich ansiedeln können." Laut Hoffmann ist es nur der klassische Vogelschlag an den Rotorblättern, der viele Vögel an einer Besiedlung in der Nähe von Windkraftanlagen hindert. "Vögel kommunizieren bekanntermaßen durch Rufe und Gesänge." Wegen des Lärms der Anlagen können nach seinen Worten manche Arten in der Nähe nicht mehr brüten, da sie nicht mehr kommunizieren können. Dies sei wissenschaftlich nachgewiesen.