Ein Tag am Stausee: Wenn die Sonne über dem Stausee brennt . . .

Ein Tag am Stausee : Wenn die Sonne über dem Stausee brennt . . .

. . . haben DLRG, Rostwurstverkäuferin, Ticketverkäufer, Kajak- und Tretbootverleiher jede Menge Arbeit.

Vor knapp drei Wochen hat der kalendarische Sommer begonnen und spätestens seit dem Beginn der Sommerferien hat auch die Sommersaison am Losheimer Stausee angefangen. Sobald die Temperaturen auf über 20 Grad wandern, sind täglich zahlreiche Menschen am Losheimer Stausee, um Sonne und Wasser zu genießen. Doch wer sind die Menschen hinter den Kulissen, die all das erst möglich machen, für Sicherheit und Wohlbefinden der Gäste sorgen?

Der Hauptmagnet des Stausees ist zweifelsfrei das Strandbad, das an heißen Tagen von fast tausend Leuten besucht wird, berichtet Kathrin Schillo, die an der Kasse des Bads arbeitet und vom großen Andrang erzählt. „In der Regel sind alle freundlich“, konstatiert die Ferienjobberin. Allerdings käme es insbesondere eine Stunde vor Kassenschluss vor, dass sich Besucher weigern, noch Eintritt bezahlen müssen. „Die sehen nicht ein, dass sie abends noch Geld bezahlen müssen.“ Viele würden pampig reagieren und entweder wieder gehen oder warten, bis sie nach 18 Uhr kostenlos ins Strandbad dürfen, fährt Schillo fort. Da Hunde und Grills sowohl auf der Liegewiese als auch im Strandbad verboten sind, komme es zudem durchaus  vor, dass Besucher versuchen, beides hineinzuschmuggeln, erklärt die Kassiererin, aber dafür habe man mitunter Detektive, die über die Grasfläche gehen und die Leute darauf aufmerksam machen.

Dennoch gebe es auch Leute, die aufgrund der Gebühr für Plätze und auf den Liegewiesen unverschämt und aggressiv werden, erzählt man uns. Da die Liegewiese am See sehr offen gestaltet ist, ist hier das Unverständnis für Eintrittskosten höher als beim Strandbad.

Der Kartenverkauf variiert dabei stark, denn er ist in erster Linie wetterabhängig. Am Samstag war trotz heißer Temperaturen und angenehmem Wind ausgesprochen wenig los. Eine Erklärung hierfür könnte die Ferienzeit sein, in der sich viele potenzielle Seebesucher andernorts in Urlaub befinden. Dennoch läuft die Saison sehr gut, wie Kathrin Schillo vom Strandbad und Matteo Brandt vom Tretbootverleih bestätigen.

„Allerdings ist für die Ferienzeit heute wenig los“, hält Brandt fest. Der gebürtige Losheimer zeigt sich vor allem erfreut über das neue Gebäude des Tretbootverleihs, da sich in dem alten Gebäude die Hitze über den Tag hin gestaut hatte. Durch den Neubau, von dem man einen ausgezeichneten Blick auf den See hat, ist es nun wesentlich angenehmer dort zu arbeiten. Partys werden auf den Tretbooten nicht gefeiert, und nur selten rutscht einer auf den Booten aus, erklärt Brandt. Ihm gefällt insbesondere die Atmosphäre am See, auch die Verpflegung und die Leute „passen“ seinen Worten nach. Lediglich die leerstehenden Hütten am See könnten seiner Meinung nach verbessert werden, da diese doch sehr heruntergekommen seien. Brandt zufolge sind die Tretboote an heißen Tagen die beliebteste Freizeitbeschäftigung am See, die von Menschen aus vielen Nationen zum Sonnen und Entspannen genutzt werden. „An heißen Tagen kommt es schon mal vor, dass die Boote weg sind und die Leute auf eins warten müssen“, berichtet er.

Was auch schon mal passiert:  dass Besucher bei ihm am Steg einsteigen, aber auf der anderen Seeseite aussteigen und ihr Boot zurücklassen. Dies müsste dann von den Verleihern oder von den Freiwlligen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) wieder eingeholt werden.

Bereits fünf Tretboote sind laut  Axel Haßdenteufel vom DLRG in diesem Jahr gesunken, weil diese mittlerweile zum Teil alt seien. Die DLRG-Mitarbeiter halten täglich Wache am See und inspizieren die Wasseroberfläche, sollte es dort zu einem Notfall kommen. Bis zu 15 Einsätze am Tag haben die Rettungshelfer, die für die Sicherheit der Badegäste sorgen. Dazu gehört auch die Erste-Hilfe-Behandlung bei Kreislaufproblemen oder von Schnittwunden. „Seit März haben wir 80 Zentimeter weniger Wasser“, sagt der Wachleiter der Station, Raimund Mai, und weist auf die Stauwand, an der deutlich sichtbar ist, wie viel Wasser dem See fehlt. Dessen Zustand ist derzeit fast schon kritisch, da es dauerhaft heiß bleibt. Durch die große Fläche verdunste viel Wasser und durch den Zulauf kommt weniger dazu, erklärt Haßdenteufel, der die Situation kritisch verfolgt. Ihm zufolge brauche der See mindestens eine Woche Dauerregen, um sich selbst wieder zu regenerieren, denn der Baggersee vertrage nur eine bestimmte Anzahl an Organismen, ehe das Wasser kippe. Sollte dies passieren, müsste der See wahrscheinlich für mehrere Wochen gesperrt werden.

Das ist nach Haßendenteufels Worten zwar seit zehn Jahren nicht mehr passiert. Aber bei der letzten Sperrung seien Helfer mit Motorbooten über den See gefahren, um durch die Schiffsschraube Sauerstoff ins Wasser zu bringen.

Zwei Menschen mussten die DLRG-Helfer in diesem Jahr schon vor dem Ertrinken retten, erzählt Haßdenteufel mit Blick auf den Sprungturm, der über 100 Meter vom Ufer entfernt im Wasser hervorragt. Viele unterschätzen nach seinen Worten die Distanzen bis zum sicheren Untergrund, denn anders als im Schwimmbad kann man sich beim Baden im See nirgends festhalten und kurz ausruhen. Bei niedrigem Wasserstand ist der Sprungturm zudem gesperrt.

Eine neue Attraktion gibt es seit April am See. Florian Götzinger und Silke Lukas von Kajak4All bieten den Badegästen neuerdings eine Kajak-Vermietung an, die bisher „gut von den Gästen angenommen wird“, sagt Götzinger, „weil es mal was Neues ist“. Vorkenntnisse sind für Einsteiger nicht notwendig, dafür gibt es eigens größere Boote, die mehr Halt geben und in denen man nicht so leicht umkippt. Sollte das doch mal passieren, besteht allerdings kein Grund zur Sorge, beschwichtigt Silke Lukas: „Sobald man umkippt, rutscht man aus dem Boot raus.“ Die Steuerung des Kajaks ist sehr simpel. Nur wer nicht nass werden möchte, sollte sich eine Decke über die Beine legen, wie es Kajakfahrer auf längeren Touren auch tun. Der Sport beansprucht Arme und Schultern, was man, sagt Lukas, auch schon nach einer Stunde spürt.

Um sich von den sportlichen Aktivitäten zu stärken, stehen am Losheimer Stausee Imbissbuden, deren Geschäft schon vor der Mittagszeit mit dem Verkauf von Kaffee beginnt. Margret Roos betreibt seit dieser Saison zum ersten Mal den Imbissstand an der Liegewiese. Die Unternehmerin zeigt sich zufrieden mit dem bisherigen Betrieb, allerdings fällt ihr auch auf, dass trotz Temperaturen von 31 Grad wenig los ist. „Sonst ist die ganze Liegewiese voll“, sagt sie, aber sie beschwert sich auch nicht. An ihrem Imbissstand geht der Klassiker Pommes am allerbesten, auch Eis und gekühlte Getränke sind stets gefragt.

Für die kühlen Getränke hat sich Roos zudem noch etwas Besonderes einfallen gelassen: Sie legt die Biergläser ebenfalls ins Eisfach, das gibt noch mal zusätzliche Erfrischung, worauf die Gäste sehr positiv reagieren. Sie respektiert es, dass diese aber auch ihr eigenes Essen und Trinken mit an den See bringen, denn „man kann es ja keinem verbieten.“ Unfreundlichkeit versucht sie zu unterbinden. „Wenn es richtig lange warm ist, werden die Leute bekloppt und aggressiv“, erzählt sie. Da fällt schon mal so ein Satz wie: „Warum dauert das so lange?“ Für sie liegt dieser Mangel an Konzilianz allerdings in der Gesellschaft begründet. Begriffe wie „Danke“ und „Bitte“ sind für sie nach wie vor sehr wichtig.

Der Seegarten mit dem Wasserspielplatz und der Minigolfanlage ist an diesem Tag ebenfalls gut besucht. Durch die heißen Tage habe man nur manchmal Probleme, genug Wasser für den Spielplatz zu haben. „Dann müssen die Techniker zaubern“, sagt Sibylla Butler. Seit 2009 wurde peu à peu am Garten gearbeitet, bis er so aussah wie heute. Letztes Jahr kam der Wasserspielplatz dazu, der für Kinder geeignet ist und der viel von jungen Familien besucht wird. An der Minigolfanlage seien öfter größere Gruppen, da komme es auch schon mal vor, dass Schläger verbogen zurückkommen, obwohl diese durchaus stabil sind, verrät die Losheimerin. Wie stabil, musste an einem Kindergeburtstag ein junger Teilnehmer schmerzhaft erfahren, als das Kind versehentlich von einem Schläger an der Augenbraue getroffen wurde. Das Kind wurde umgehend behandelt. „Die Bälle landen oft im Garten, die von unseren Gärtnern aufgesammelt werden“, berichtet Butler und erzählt eine kuriose Begebenheit: Ein älteres Ehepaar saß unlängst im Bistro, auf einmal sei die Frau aufgestanden und ohne ihren Mann zum Parkplatz gegangen. Erst als sie dort angekommen war, sei ihr aufgefallen, dass sie ihren Ehemann vergessen hatte. Reumütig sei die Frau wieder zurückgekehrt, um den Gatten abzuholen.

Und wie empfinden die Gäste des Stausees das Ambiente? Eine Besucherin aus Zerf erzählt, dass sie den See liebt und bereits seit 30 Jahren regelmäßig zum Schwimmen kommt. Nur das defekte Schloss in der Damendusche könnte nach fast zehn Jahren endlich mal ausgewechselt werden, meint sie. Isabelle Kerber aus Niederlosheim betont, dass das Strandbad ideal für Familien geeignet sei, da man dort nicht nur gut liegen, sondern auch die Kinder am Wasserspielplatz in Strandnähe im Auge behalten kann.

Das bestätigt auch Thomas Diwo aus Merzig-Wellingen, der sich mit seiner Frau und zwei Kindern am zweiten Wasserspielplatz im Seegarten aufhält. Seine Kinder sind verrückt nach Wasser, daher sei der Wasserspielplatz bestens geeignet für sie. Er wünscht sich lediglich mehr Schatten und Bänke entlang des Wasserlaufs.

Benjamin Spang aus Friedrichstal ist erst zum zweiten Mal am Stausee und feiert dort mit mehreren Freunden den Geburtstag einer Freundin. Er stimmt mit seiner Gastgeberin  darin überein, dass das Strandbad schön offen ist und dank des Gefälles der umliegenden Wiesen ein wunderbarer Blick auf den See gewährleistet ist.

Florian Götzinger (rechts) vom Kajak-Verleih zeigt SZ-Mitarbeiterin Tina Leistenschneider, wie ein Paddel richtig zu halten ist. Foto: SZ/Tina Leistenschneider
Kathrin Schillo arbeitet als Kassiererin am Strandbad. Foto: SZ/Tina Leistenschneider
Margret Roos betreibt den Imbissstand. Foto: SZ/Tina Leistenschneider
Für viele Badegäste ist der Losheimer Stausee mit seinem Park der Vierjahreszeiten und dem Wasserspielplatz ideal. Foto: Ruppenthal

Allerdings mussten die Gäste an diesem Samstag spätestens um 16.30 Uhr das Strandbad verlassen, da am Abend noch das Klassik-Open-Air-Konzert stattfand. Aber im verbleibenden Sommer finden sich gewiss noch genug Tage, um dem Losheimer Stausee einen Besuch abzustatten.

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