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Neujahrsempfang
Weichen in Handel und Handwerk neu stellen

Ein Prost auf Losheim  beim Neujahrsempfang (von links): Dr. Hanno Dornseifer, Wolfgang Schmitt (VLU), Bürgermeister Lothar Christ, Altbürgermeister Raimund Jakobs, Josef Theil (TWL), Professor Dr. Jörg Loth und Norbert Heinz (VLU).
Ein Prost auf Losheim  beim Neujahrsempfang (von links): Dr. Hanno Dornseifer, Wolfgang Schmitt (VLU), Bürgermeister Lothar Christ, Altbürgermeister Raimund Jakobs, Josef Theil (TWL), Professor Dr. Jörg Loth und Norbert Heinz (VLU). FOTO: Werner Krewer
Losheim. Professor Jörg Loth, Vorstand der IKK Südwest, lobte die positive Entwicklung von Losheim und gab Tipps, wie Fachkräfte zu halten sind.

Zum traditionellen Neujahrsempfang des Vereins der Losheimer Unternehmen (VLU) begrüßte Norbert Heinz im Saalbau zahlreiche Mitglieder, Vertreter des Wirtschaftsforums und Repräsentanten des öffentlichen Lebens. Um den Anforderungen an Handel, Handwerk und Dienstleistungen in einer Zeit, in der der Strukturwandel in all diese Bereiche hineingreift, noch angemessen gerecht werden zu können, müssen die Weichen immer wieder neu gestellt werden.


Gegenwärtig verläuft die wirtschaftliche Entwicklung in der Gemeinde Losheim immer noch positiv. Wie Bürgermeister Lothar Christ nicht ohne Stolz berichtete, ist Losheim eine von drei saarländischen Kommunen, die für die Deckung ihrer laufenden Ausgaben nicht auf Kassenkredite zurückgreifen müssen. Diese umsichtige Finanzpolitik werde jedoch leider nicht honoriert, monierte Christ. Im Gegenteil: Gemeinden, die sparsam wirtschaften, bekämen mehr Kosten auf die Schultern gelegt und fielen aus vielen Förderprogrammen heraus. Eine Strafe für Verwaltungen, die sorgfältig planen und gewissenhaft ihre Hausaufgaben erledigen?

Professor Dr. Jörg Loth, Vorstand der IKK Südwest und „bekennender Losheimer“, lobte die positive Entwicklung der Gemeinde. Dennoch könne sich auch Losheim dem demographischen Wandel nicht entziehen und müsse dessen Auswirkungen auf die Infrastruktur entgegenwirken. Viele Betriebe klagen bereits heute über einen eklatanten Mangel an Fachkräften.

„Um gut ausgebildete Fachleute zu bekommen und auch längerfristig zu binden, müssen die Geschäftsinhaber sich etwas einfallen lassen“, erklärte Loth. Junge Leute, die in den 80er Jahren oder später auf die Welt gekommen sind, begnügen sich nicht mehr mit einem guten Gehalt und ansprechenden Büroräumen. Sie wollen eine selbstbestimmte Entfaltung, Freude am Beruf und einen Arbeitgeber, der an ihrer Gesundheit interessiert ist. Und in absehbarer Zeit können sie sich aussuchen, wo sie all das am besten bekommen.

Loths Rezept: Präventionsangebote, ein aktives Kümmern um die Gesundheit der Mitarbeiter und eine Ausstattung, der man ansieht, dass der Chef in diesem Betrieb persönlich für seine Leute einsteht. Vorausschau sei wichtig, führte Loth weiter aus. Wo stünde die Gemeinde Losheim heute, wenn nicht in den 70er Jahren unter der Regie von Altbürgermeister Raimund Jakobs der Stausee angelegt worden wäre? Auch heute müssen Weichen gestellt werden, „damit wir auf diesem neuen ‚Fachkräftegewinnungsmarkt’ bestehen können“.



Der IHK-Präsident des Saarlandes, Dr. Hanno Dornseifer, schilderte die Lage der ländlichen Kommunen in Zusammenhang mit der europäischen und der weltweiten Entwicklung von Handel und Wirtschaft. Das Saarland habe schon viele Herausforderungen gemeistert, und das oft unter äußerst schwierigen Bedingungen. „Wir haben den Ausstieg aus dem Bergbau geschafft“, erklärte Dornseifer, der saarländischen Wirtschaft gehe es gut, aber dies sei in hohem Maße einem wieder erstarkten Europa und einer florierenden Weltwirtschaft zu danken.

Auch er vertrat die Meinung, dass sich der Mangel an Fachkräften zunehmend bemerkbar machen werde, und er empfahl, mehr Frauen einzustellen, attraktivere Angebote für Frauen zu schaffen, Ältere, die länger arbeiten wollen, auch weiter zu beschäftigen, die Zahl der Ausbildungsabbrecher zu verringern und Migranten in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Der Kernpunkt der Bemühungen liege jedoch angesichts zahlreicher weltweiter Unberechenbarkeiten in einem starken Europa, das es zu erhalten und zu fördern gelte.

VLU-Sprecher Wolfgang Schmitt dankte den Referenten für ihre Ausführungen, allen Firmen und Personen, die zum Gelingen des Neujahrsempfangs beigetragen hatten, und natürlich auch den „hauseigenen“ Musikern, der „Sir Henry’s Jazz Band“, die den etwas trockenen wissenschaftlichen Fakten den nötigen Schwung verliehen.