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Post aus Nebraska: Was die Amerikaner am liebsten feiern

Post aus Nebraska : Was die Amerikaner am liebsten feiern

Ein Jahr lang lebt die 16-jährige Zoe-Marie Fehr aus Losheim im Rahmen eines Austauschprogramms im US-Bundesstaat Nebraska. In der SZ berichtet sie von typisch amerikanischen Festen wie Halloween und Thanksgiving und ihrem aufregenden Geburtstag.

Seit meinem letzten Artikel ist natürlich sehr viel passiert. Durch viel Stress in der Schule und alles Drumherum dauert es manchmal ein bisschen, bis ich so einen großen Bericht fertig habe. Wie schon angekündigt, berichte ich in diesem Artikel von Homecoming, Halloween, Thanksgiving und Weihnachten in den Vereinigten Staaten.

Für die, die noch nie von Homecoming gehört haben, hier eine kleine Zusammenfassung: Homecoming ist eine nationale Tradition in den USA, bei der man sich an der jeweiligen Schule eine ganze Woche lang mit Themen und Spielen beschäftigt, die sich alle um das große Homecoming-Footballspiel drehen, das schließlich zum Abschluss der Woche an einem Freitagabend stattfindet. Nach dem Footballspiel gibt es dann normalerweise einen Schulball oder Ähnliches.

Unser Homecoming fing an mit der so genannten spirit week: Wir hatten jeden Tag verschiedene Themen, zu denen wir uns verkleidet haben. Darunter waren Senioren, Hawaii, Sportarten und viele andere. Freitag war wahrscheinlich der beste Tag, aber auch der stressigste. Traditionell geben die Footballspieler ihre Trikots an dem Tag an die Mädchen ab, also trug auch ich eins eines guten Freundes. Wir starteten den Freitag damit, dass die jeweiligen Klassen ihre Wagen für die Parade gestalteten. Diese fand dann danach statt, mit viel Musik und Tamtam. Zurück an der Schule angekommen, gingen wir alle in die Sporthalle und spielten dort einige Spiele, abschließend gab es die Krönung des Homecoming-Paares. Am Abend dieses Tages fand das Footballspiel statt. Nachdem wir uns fertig gemacht hatten, feierten wir einen eher kleinen, aber trotzdem schönen Schulball. An größeren Schulen gibt es sehr große Bälle mit tollen Kleidern. Aber da wir eine sehr kleine Schule sind, war unser Ball eher unspektakulär, aber trotzdem eine tolle Erfahrung.

Nach dieser sehr vollgepackten Woche legte sich der Stress vorübergehend. Der Schulalltag ging weiter, die Football- und Volleyball-Saison war immer noch am laufen. Ich lebte mich allmählich ein, und alles fing an, relativ normal zu werden.

Diese „Flitterphase“ ging jedoch allmählich vorbei, manche Tage waren auch mal langweilig. Dadurch, dass man jeden Tag den gleichen Stundenplan und -ablauf hat, hängt einem das an manchen Tagen auch so ein bisschen zum Hals heraus. Als sich meine Volleyballsaison zum Ende neigte, wurde es aber doch wieder spannender. Ich hatte mein letztes Volleyballturnier zusammen mit meinem Team an einem Samstag Ende Oktober. Ich war natürlich traurig, dass es nun vorbei war, aber hatte nicht wirklich Zeit, darüber nachzudenken, da ich mich direkt nach dieser Partie auf den Weg nach Lincoln für ein weiteres College-Footballspiel machte. Ich war unglaublich aufgeregt, da ich bei diesem Spiel nicht mit meiner Familie, aber mit 200 anderen Austauschschülern zusammen unser Team angefeuert habe.

Als ich ankam, traf ich auch einige gute Freunde wieder, die ich seit der gemeinsamen Zeit in New York nicht gesehen hatte. Wir verbrachten einen fantastischen Tag zusammen und durften sogar nach dem Spiel auf das Spielfeld des 90 000 Menschen fassenden Stadions. Obwohl unser Team verloren hatte, war der Tag mit einer der besten seit meiner Ankunft.

Da wir mitten in der Zeit vor Halloween steckten, gingen wir danach auf einen Bauernhof, der Geisterhäuser und andere Attraktionen besaß. Generell ist Halloween ein sehr großes Fest in den USA. Viele Leute dekorieren dann ihre Häuser und gehen an Halloween verkleidet durch die Straßen, um Süßigkeiten zu sammeln. Da wir an Halloween selber ein Footballspiel hatten, passte das bei mir leider nicht in die Planung.

Während des Monats Oktober, der hier gerne als Gruselsaison bezeichnet wird, erlebte ich zusammen mit meiner Familie und meinen Freunden trotzdem so einige Traditionen. Wir gingen zusammen auf Kürbisfelder und suchten Kürbisse aus, die wir danach zusammen geschnitzt haben, dekorierten das Haus und aßen viele Süßigkeiten.

Nach Halloween neigte sich aber auch leider die Football- und Volleyballsaison endgültig dem Ende zu. Unsere letzten Spiele waren sehr emotional. Unser Volleyballteam kämpfte sich in spannenden Partien durch die Kreismeisterschaften und erreichte schließlich die Spielrunde, die darüber entscheidet, ob man an den Staatsmeisterschaften teilnimmt. Dort jedoch verlor unsere Mannschaft knapp. Wir waren traurig wegen der Niederlage, aber stolz auf die Saison, und so hatten wir endlich zwei Wochen ohne Training, ehe die Basketballsaison anfing.

Der November war einer der schwersten Monate meines Aufenthaltes für mich. Es ist für viele Austauschschüler nicht einfach, auf Anhieb die richtigen Freunde zu finden, man hat anfangs eher Bekannte und pflegt keine richtig engen Freundschaften. Dadurch, dass es im November auf die Feiertage zugeht, kommt man oft erst nach Hause, wenn es dunkel ist. Da auch nicht jeden Tag etwas Spannendes passiert, fühlte ich mich in dieser Zeit oftmals gelangweilt oder auch einsam. Eine der besten Sachen, die man dagegen machen kann, ist mit Freunden, manchmal auch anderen Austauschschülern, darüber zu reden, Pläne zu machen und die kleinen Momente wertzuschätzen.

November ist in den USA die Zeit, um seine Dankbarkeit für seine Familie, Freunde und die kleinen Dinge zu zeigen. Der Feiertag Thanksgiving dreht sich eben nicht nur um den Truthahn, sondern hat auch eine tiefer gehende Bedeutung. Wir gingen um diese Zeit oft in die Kirche, und auch dort wurde viel darüber gepredigt, dankbar zu sein. Außerdem hatte ich definitiv etwas, worauf ich mich freuen konnte: mein Geburtstagsgeschenk, nämlich einen Trip nach Chicago. Wir flogen zusammen an einem Schultag dorthin und verbrachten ein paar tolle Tage, einschließlich meines Geburtstages und Thanksgiving, in der windigsten Stadt der USA.

Dort schauten wir uns viele Sehenswürdigkeiten wie etwa die große silberne Bohne mitten in der Stadt und den Willis Tower mit Glasboden im 103. Stockwerk an. Wir hatten sehr viel Spaß und noch mehr gutes Essen. Der 28. November, ein Donnerstag, war für mich dann einer der wohl stressigsten Tage jemals. An diesem Tag kamen nämlich Sightseeing in Chicago, mein Geburtstag, Thanksgiving und der Rückflug nach Hause zusammen. Es war tatsächlich so stressig, wie es klingt, aber ich hätte mir keinen besseren 16. Geburtstag wünschen können. Am nächsten Tag feierten wir dann zusammen mit der Familie Thanksgiving, mit Truthahn zum Essen, Football und Kürbiskuchen, eben typisch amerikanisch.

Nach Thanksgiving begann dann schon bald der Dezember und somit die Weihnachtszeit. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass wir viele weihnachtliche Dinge unternommen hätten. Aber durch den ganzen Stress in der Schule und mit Basketball kamen wir leider nicht wirklich dazu, machten aber trotzdem das Beste daraus. Am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien hatten wir ein Turnier unter den Klassenstufen mit vielen verschiedenen Spielen und einer großen Wichtelaktion innerhalb der ganzen Schule. Da es nicht unüblich ist, Weihnachten hier früher oder später als am 24. Dezember zu feiern, hatten wir viele große Familienfeiern, bei denen ich viele neue Leute kennenlernte.

An Heiligabend ging ich mit meiner Familie in die Kirche und danach zu unserer Oma. Am nächsten Morgen durften wir dann alle zusammen in Pyjamas unsere Geschenke auspacken, darunter waren auch Pakete aus Deutschland mit Spritzgebäck, Zimtwaffeln und vielem mehr. Die Weihnachtsferien waren vollgepackt mit täglichen Trips in andere umliegende Städte mit Freunden, es gab außerdem ganz viel Kaffee und viel zu viel Schnee. An einigen Tagen waren wir komplett eingeschneit und konnten nicht einmal das Haus verlassen. Während der Ferien hatten wir auch eine Pause vom Basketball, also mal kein Training für zwei Wochen. Obwohl ich es noch nie vorher gespielt habe, mag ich diesen Sport doch sehr und bin froh, Teil der Mannschaft zu sein.

Während der Woche sind unsere Tage auch nach der Weihnachtspause immer noch vollgepackt mit Spieltagen, langen Busfahrten, viel Training und leider manchmal auch vielen Hausaufgaben. Das heißt, ich lebe hier auch nicht in einer Filmwelt, sondern den Alltag eines normalen, amerikanischen Teenagers im Mittleren Westen.

In Nebraska liegt in den Wintermonaten eine ganze Menge Schnee. Foto: Zoe-Marie Fehr
Die Familie spielt in den USA eine große Rolle, das hat Zoe-Marie Fehr (li.) bei ihrem Aufenthalt schon erfahren. Foto: Zoe-Marie Fehr
Ein großes Erlebnis für Zoe-Marie Fehr (r.) war der Besuch eines Football-Spiels. Foto: Zoe-Marie Fehr
Zoe-Marie Fehr (re.) mit einer Mitschülerin auf dem Homecoming-Ball. Foto: Zoe-Marie Fehr

Klar vermisse ich manchmal Deutschland, meine Familie und Freunde und vor allem das heimische Essen. Aber ich bin jeden Tag froh, dass ich mich auf dieses Abenteuer eingelassen habe. Man lernt jeden Tag etwas Neues dazu und ich bin stolz darauf, wie weit ich gekommen bin und wie sehr ich mich entwickelt habe. Auch wenn nicht jeder Tag perfekt ist, lohnt sich jeder einzelne.