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Dorfarchiv
Wahlener setzen Ordensleuten ein Denkmal

Luzia Lehnen (Schwester M. Amabilis), geboren 1928 in Wahlen, mit Kindern von der Missionsstation in Tansania (früher Deutsch-Ostafrika).
Luzia Lehnen (Schwester M. Amabilis), geboren 1928 in Wahlen, mit Kindern von der Missionsstation in Tansania (früher Deutsch-Ostafrika). FOTO: Dorfarchiv
Wahlen. Rene Schommer, Gertrud Buchmann und Patrick Schommer von der Interessengemeinschaft haben es sich zur Aufgabe gemacht, Bilder, Berichte, Texte, Urkunden und die Geschichte von Wahlen zu erfassen.

„Wer weiß noch etwas über unsere Wahlener Ordensleute und Priester? Wer waren sie? Wo wirkten sie? Aus welchen Familien stammten sie? – diesen Fragen ist die Interessengemeinschaft Dorfarchiv Wahlen nachgegangen und hat es sich in vielen Stunden zur Aufgabe gemacht, mehr über die 32 Ordensfrauen, 19 Missionare, Priester und Ordensbrüder aus Wahlen herauszufinden und ihr Leben zu beschreiben.


Nach unzähligen Recherchen bei Verwandten, Nachfragen bei der älteren Bevölkerung, Stöbern in Kirchenregistern und Gemeindearchiven ist eine Broschüre entstanden, die den Titel „Gegen das Vergessen - Die Erinnerung bewahren - Die Wahlener Ordensleute“ trägt.

Rene Schommer, Gertrud Buchmann und Patrick Schommer von der Interessengemeinschaft hatten sich daran gemacht, Bilder, Berichte, Texte, Urkunden und die Geschichte von Wahlen zu erfassen und zu digitalisieren, um sie auf diese Weise für die Nachwelt zu erhalten.



Bei ihren Recherchen stießen sie auf die Ordensleute aus dem Hochwaldort Wahlen. Warum sollte man diese rührigen Menschen nicht wieder in Erinnerung rufen? Die Idee für die ausgiebige Recherche zu den Wahlener Ordensleuten war geboren. Was klein begann, nahm jedoch im Verlauf der Arbeit immer größere Dimensionen an. Ergänzend zum Leben der Ordensleute wollten die aktiven Archivare auch das familiäre Umfeld der Ordensleute dokumentieren.

Sie suchten nach Bildern, die diese in verschiedenen Lebensphasen, mit ihren Familien und Elternhäusern und in ihren späteren Tätigkeiten und Aufgaben als Ordensleute zeigten.

Außerdem wurde die Abstammung und Herkunft der einzelnen Familien dokumentiert. „Bei unseren Recherchen haben wir herausgefunden, dass beispielsweise die Nonnen aus tiefgläubigen Familien stammten und diese Familien zum Teil über Generationen Ordensleute hervorbrachten. Eltern und Verwandte waren in der Regel sehr stolz auf ihre ‚frommen’ Töchter und Söhne und unterstützten sie gerne in ihrer Entscheidung“, sagt Rene Schommer.

Oft waren die Ordensfrauen ausgebildete Lehrerinnen, Erzieherinnen und OP- oder Krankenschwestern und arbeiteten in diesem Beruf – für Gott, für ihren Glauben und den Dienst am Nächsten, obwohl sie ihren Berufen im zivilen Leben hochdotiert und mit geringerer Arbeitszeit hätten nachgehen können.

„Die landläufige Meinung, die Nonnen seien nur Betschwestern und daheim zu sonst nichts zu gebrauchen, konnten wir in unseren Recherchen in keinster Weise belegen. Im Gegenteil: gerade deshalb ist es uns so wichtig, ihr Wirken, ihre Verdienste und Leistungen zu bewahren“, sagt Rene Schommer.

So ist in der Broschüre beispielsweise Luzia Lehnen, Schwester M. Amabilis, geboren 1928, aufgeführt, die in Tansania auf einer Missionsstation gewirkt hat und im Internat und der Schule sowie bei der ambulanten medizinischen Betreuung der Bevölkerung der Umgebung wertvolle Arbeit geleistet hat. Sie kümmerte sich auch um Flüchtlinge, denn schon damals war die Gegend von Bürgerkriegen heimgesucht.

Schwester Amabilis starb 1998 in Tansania und ist auch dort bei „ihren geliebten Kindern“ begraben.

Die gleiche Lebens- und Glaubenseinstellung wie die der Nonnen kann man auch den Missionaren und Priestern bescheinigen. Als Beispiel ist Alois Staß, ein Argentinienmissionar, zu nennen. Er wurde 1911 als sechstes von acht Kindern geboren.

Der Vater starb mit 38 Jahren, als Alois ein Jahr alt war. Nach der Volksschule in Wahlen war er Schüler am Steyler Missionshaus in St. Wendel. 1938 wurde er mit zwei weiteren Wahlenern, Ernst Beckinger und Peter Mayers, zum Priester geweiht. Zunächst sollte er von seinem Missionshaus nach Neuguinea entsandt werden, doch die Wirren des Zweiten Weltkrieges, der begonnen hatte, ließen dies nicht zu.

So wurde er schließlich 1940 als Missionar nach Argentinien entsandt. 1965 kehrte er nach Deutschland zurück. Von 1967 bis zu seinem Tod 1987 war er Hausgeistlicher im St.Josef-Krankenhaus Losheim.

Einen weiteren interessanten Lebenslauf hat Reverend Johann Laux. Er wurde 1878 in Wahlen geboren. 1880 wanderte die Familie nach Amerika aus und fand in Arkansas eine neue Heimat.

Nach dem Studium und der Priesterweihe war Johann Laux Reverend in Covington, Kentucky. Er war sehr bekannt und engagiert in der Glaubenslehre und veröffentlichte einige Bücher zu sozialkritischen Themen.

Die Liste der Ordensleute ließe sich beliebig fortsetzen, sagen die Autoren. „Diese Neugier lässt einen einfach nicht mehr los, und man nimmt gerne die Stunden in Kauf, in denen man sich durch verschiedene Archive und Register wühlt oder bei den Bürgern hausieren geht, um Informationen zu erhalten und das fehlende Puzzleteil zu finden“, verrät Gertrud Buchmann Details über ihre Recherchearbeit.

Die Recherchen haben sich gelohnt, und die Interessengemeinschaft Dorfarchiv ist stolz, nach über drei Jahren Arbeit die Broschüre zu präsentieren. Viele Fotos zeigen neben den Ordensleuten schon fast vergessene Dorfaufnahmen und Häuser von Wahlen – auf insgesamt 128 Seiten.

Dreifache Primiz in Wahlen 1939 gefeiert: von links: Ernst Beckinger, Alois Staß, Peter Mayers. Vor dem Elternhaus setzte die Mutter ihrem Sohn den Primizkranz auf.
Dreifache Primiz in Wahlen 1939 gefeiert: von links: Ernst Beckinger, Alois Staß, Peter Mayers. Vor dem Elternhaus setzte die Mutter ihrem Sohn den Primizkranz auf. FOTO: Dorfarchiv
Der Grabstein von Johann Laux in Kentucky.
Der Grabstein von Johann Laux in Kentucky. FOTO: Dorfarchiv
Der Grabstein von Johann Laux in Kentucky. Foto: dorfarchiv
Der Grabstein von Johann Laux in Kentucky. Foto: dorfarchiv FOTO: Dorfarchiv
(RSO)