Tempo 20 im Bereich der Schule

Nachdem seine Tochter bei einem Verkehrsunfall in der Diedenhofenstraße schwer verletzt worden war, hat sich Alexander Hoen für eine verkehrsberuhigte Zone eingesetzt. Aus der Forderung wurde eine Tempo-20-Zone.

Familie Hoen mit der verunglückten Emelie. Foto: A. Hoen. Foto: A. Hoen

Alexander Hoen ist ein stolzer Papa. "Ganz große Fortschritte” mache seine Tochter, erzählt er, "sie hat so einen starken Charakter”. Die vierjährige Emelie wurde Anfang August von einem Auto angefahren und dabei schwer am Kopf verletzt. Zwei Wochen lang bangten die Hoens um das Leben des Mädchens. Jetzt, rund zwei Monate nach dem Unfall, kann sie wieder alle Gliedmaßen bewegen, sie erkennt ihre Umgebung, die Menschen um sie herum, zeigt Gefühle, lacht. Emelie muss um jeden kleinen Schritt vorwärts kämpfen, und ihr Vater, selbst Rettungssanitäter, muss machtlos zusehen, kann nicht groß helfen außer mit Liebe und Zuneigung.

Was er aber tun kann: sich dafür einsetzen, dass sich so ein Unfall möglichst nicht mehr wiederholt. Zugetragen hatte er sich direkt vor seiner Haustür, in der Diedenhofenstraße, vor den Augen der Mutter der Kleinen und der neun Jahre alten Schwester. Alexander Hoen war im Haus und schlief, wurde von den Schreien auf der Straße geweckt. Er reanimierte schließlich sein eigenes Kind, eine Krankenschwester, die zufällig vorbeikam, half ihm. Auch ein Rettungswagen war gerade ganz in der Nähe, die Rettungskette funktionierte reibungslos. "Da waren wirklich ganz viele Schutzengel im Einsatz”, sagt Hoen.

Auf der Diedenhofenstraße sind täglich hunderte Kinder unterwegs, eine Schule ist gleich um die Ecke, trotzdem würden sich die wenigsten Autofahrer an die Tempo-30-Begrenzung halten, so Hoen. Kurz nach dem Unfall hat er sich an den Computer gesetzt, er musste irgendetwas tun. Hoen verfasste einen Aufruf, mit dem Ziel, aus der Tempo-30-Zone in der Diedenhofenstraße eine verkehrsberuhigte Zone zu machen (die Saarbrücker Zeitung berichtete). Die Resonanz war groß, der Aufruf erfuhr viel Unterstützung. Auch die Politik schaltete sich ein, der Ortsvorsteher von Losheim, Stefan Palm, und Bürgermeister Lothar Christ kamen zu einer Ortsbegehung.

Die Konsequenzen sind in der Diedenhofenstraße bereits zu begutachten: Im Bereich der Schule, von der Einmündung von der Weiskirchener Straße bis zum Haus Nummer 17, gilt jetzt Tempo 20, zudem wird mit Markierungen auf der Straße auf das Tempolimit und auf die vielen Kinder hingewiesen. Mit elektronischen Geschwindigkeitsanzeigen werden Autofahrer auf ihr Tempo aufmerksam gemacht. Zu einer verkehrsberuhigten Zone wird es jedoch wohl nicht kommen. Dazu müssten Bordstein und Straße auf einer Höhe sein, erklärt Ortsvorsteher Stefan Palm. Und das zu ermöglichen, würde einen großen baulichen Aufwand bedeuten.

Diskutiert wird noch über Bodenschwellen. Demnächst wird auf einer Zusammenkunft mit den Nachbarn darüber gesprochen. "Viele Anwohner befürchten Lärmbelästigungen bei Bodenschwellen”, sagt Ortsvorsteher Palm, deshalb sei der Punkt strittig. Mobile Blumenkübel für die Straße seien aber noch eine Möglichkeit, das Tempo der Autofahrer zu begrenzen. Auch verstärkte Geschwindigkeitskontrollen im Bereich von Schulen bringt er ins Spiel. Zudem nimmt Palm noch weitere Straßen in Losheim unter die Lupe, auch in der Weiskirchener Straße seien etwa ähnliche Markierungen auf der Fahrbahn sinnvoll. Er gesteht ein, dass die Verwaltung sich in der Hinsicht das eine oder andere Versäumnis vorwerfen lassen müsse.

Alexander Hoens Initiative hat also durchaus Wirkung gezeigt. "Man muss nur mal den Mut haben, den Mund aufzumachen, damit sich etwas ändert”, sagt er. Seiner kleinen Tochter helfe das zwar nun nicht mehr. Aber vielleicht einem anderen Kind.