Teilnehmer diskutieren in Losheim über Fluglärm

Podiumsdiskussion : Den militärischen Fluglärm gerechter verteilen

Anwohner, Soldaten und Politiker trafen sich in Losheim zu einer Podiumsdiskussion. Diskutiert wurde die zunehmende Belastung durch militärischen Fluglärm in der Region. Dabei kochten auch schon mal Emotionen hoch.

Nachdem bei der Podiumsdiskussion in der Eisenbahnhalle zum Fluglärm über Losheim die „Anwälte“ der beiden Parteien ihre Argumente pro und kontra eingebracht hatten, erweiterte Moderator Christian Beckinger die Teilnehmerrunde um vier Vertreter der Politik. Markus Tressel (Grüne) erinnerte gleich als Bundestagsabgeordneter daran, dass der Landtag des Saarlandes weniger Chancen habe, für eine gerechtere Verteilung der Fluglärmbelastung zu sorgen. „Richtig“, räumte Oberst Markus Krammel ein, „die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee, die für den Ernstfall gewappnet sein muss.“ Auch die US-Airforce spiele als Nato-Partner eine wichtige Rolle, das sei politisch so gewollt. „Wir versuchen alles, um eine möglichst gerechte Verteilung der Lasten zu gewährleisten.“

„Wir wollen hier als Bürgerinitiative nicht über die Notwendigkeit der NATO diskutieren“, antwortete Holger Marzen, „aber wenn die Amis schon mal hier sind, darf das nicht heißen, dass ihre Jetpiloten nur über unseren Köpfen üben, weil das für sie bequemer ist.“ Auf seine Frage an Bürgermeister Christ, ob sich wegen der Lärmbelastung schon Bürger aus Losheim verabschiedet haben, blieb dieser die Antwort nicht schuldig. „Die Menschen in unserer Region beklagen sich vielfach über eine aus dem Fluglärm resultierende Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität.“ Die Belastung stelle im Übrigen einen gewichtigen infrastrukturellen Nachteil insgesamt für Losheim dar.

Auf heftigen Widerspruch aus den Zuhörerreihen stieß Stefan Thielen (CDU) mit seinem Hinweis darauf, dass er vielfach von Fluglärmgegnern statt mit sachlichen Argumenten mit unflätigen Beschimpfungen angegangen worden sei. „Ist doch klar, dass ich ebenfalls für eine gerechtere Lastenverteilung bin – aber auch in dieser wichtigen Diskussion macht der Ton die Musik.“ Markus Tressel (Grüne) plädierte gleichfalls für eine sachliche Diskussion. Sein Vorschlag: „In dieser Frage müssen sich mal die Ministerpräsidenten von Saarland und Rheinland-Pfalz auf den Weg nach Berlin machen, um dort mit den zuständigen Stellen zu verhandeln.“ Markus Jung (SPD) zeigte sich davon überzeugt, „dass unser Außenminister Maas an diesem Thema dran ist.“

BI-Sprecher Marzen konkretisierte seine Forderungen noch einmal: „Wir haben doch grundsätzlich nichts gegen unabdingbare militärische Übungen über unseren Köpfen, aber wir wehren uns mit aller Macht gegen die bestehende Ungerechtigkeit bei der Verteilung dieser Lasten.“ Da kann er sich der Unterstützung von Barbara Spaniol (Links) sicher sein: „Unserer Meinung nach müssen diese Übungszonen über uns komplett weg.“ Das ließ nun wieder Oberst Krammel so nicht zu: „Wir brauchen solche Übungsgebiete, um unseren militärischen Auftrag erfüllen zu können.“ Bevor der Moderator damit die Schlussrunde eröffnete, kam noch ein Appell des Bürgermeisters: „Ich wünsche mir in dieser Frage einen stärker demokratisch gelenkten Prozess.“

Nach mehrstündiger, unter dem Strich durchaus sachlicher Diskussion gaben die Teilnehmer abschließend noch zusammenfassende Statements ab. Barbara Spaniol (Linke): „Wir stehen an der Seite der BI sowie der betroffenen Menschen und werden in diesem Sinne auch weiterhin politischen Druck machen.“ Markus Jung (SPD): „Wir fühlen uns nach dieser heutigen Veranstaltung weiterhin in unserem Streben bestätigt, die Lärmbelastung der Menschen durch eine deutliche Reduzierung der Übungszeiten in unserer Region spürbar zu verringern.“ Stefan Thielen (CDU): Ich will hier nichts versprechen, was ich nicht halten kann. Um die auch von mir angemahnte Lärmbelastung gerechter zu verteilen, baue ich insbesondere auf die Arbeit der dafür zuständigen Arbeitsgruppe.“ Markus Tressel (Grüne): Ich engagiere mich ebenfalls für eine gerechtere Lastenverteilung und hoffe zuversichtlich eine erfolgreiche politische Einflussnahme durch die Spitzen unserer Landespolitik, die ja in der Bundeshauptstadt Berlin bestens verortet sind.“

Unter militärischem Fluglärm leiden die Menschen im Hochwald. Foto: dpa/Reiner Voß

Holger Marzen sieht als Sprecher der BI die besten Aussichten auf Erfolg, wenn der von der Bürgerinitiative vorgeschlagene Stufenplan zur Reduzierung der Lärmbelastung nicht zuletzt durch die eingeschränkte Nutzung der TRA Lauter realisiert werden kann. Versöhnliche Worte kamen dann noch von Oberst Markus Krammel: „Auch mit den mehrfach kritisierten Kollegen der US-Airforce wird nach gemeinsamen Lösungen gesucht. Und ich bedanke mich ausdrücklich für die faire Behandlung an diesem Abend.“ Fast schon philosophisch verabschiedete sich Bürgermeister Lothar Christ: „Wer kämpft, kann auch verlieren – aber wer nicht kämpft, der hat schon verloren!“

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