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SZ-Serie "Losheimer Opfer der Krankenmorde": Maria S.

Serie „Losheimer Opfer der Krankenmorde“ : Schon vor der Evakuierung verlegt

Im dritten Teil unserer kleinen Serie geht es um Maria S., die nur 39 Jahre alt wurde.

Maria S. aus Losheim wurde dort am 23.7.1902 geboren. Sie war die Tochter von Christian und Susanna H. Sie heiratete den Landwirt Franz S. und das Ehepaar hatte mehrere Kinder. Über die Lebensverhältnisse geht nichts aus den Akten hervor. Am 31.8.1939 wird Frau S. von Dr. S. aus Losheim wegen „völliger geistiger Verwirrung mit Neigung zu Tätlichkeiten und Selbstmord“ nach Merzig eingewiesen. In der Personalakte findet sich auch folgender Eintrag: „Beginn der Erkrankung 1932. Machte ihre Arbeiten nicht mehr, wurde nachlässig, gleichgültig, hörte Stimmen; steckte voller paranoider Wahnideen. (…) Seit 1932 ununterbrochen krank. (…) Es handelt sich um eine Schizophrenie. Bedroht auch eigene Kinder, wolle sie totschlagen.“

Frau S. wurde schon vor der Evakuierung der Anstalt Merzig verlegt. Die Familie war aber nicht informiert worden wohin und so erkundigte sie sich am 2.Juli 1939 bei der Anstalt nach dem Verbleib der Tochter.

Die nächste Eintragung ist das Sterbedatum von Frau S. im den Unterlagen des Standesamtes Losheim. Dort findet sich der Eintrag: „verstorben am 7.7.1942 in Merxhausen“.

Wie aus den Ausführungen zum Schicksal der Patienten aus Merxhausen hervorgeht, kann auch hier kein Zweifel an der Tötung von Frau S. im Rahmen der Krankenmorde bestehen.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden etwa 200 000 Menschen getötet, die psychisch erkrankt oder geistig behindert waren. Diesen Krankenmorden hat Henry Selzer in seinem Buch „Unrecht auf dem Land“ ein eigenes Kapitel gewidmet. Die dort geschilderten Fälle druckt die Saarbrücker Zeitung  anlässlich des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus in einer kleinen Serie ab.