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SZ-Serie "Losheimer Opfer der Krankenmorde": Gottfried M.

Serie „Losheimer Opfer der Krankenmorde“ : Ein grauer Bus brachte ihn zur Tötungsanstalt

39 Jahre alt wurde Gottfried M. aus Losheim. Er ist eines der über 200 000 Opfer der während der NS-Zeit begangenen Krankenmorde.

Von Gottfried M. existieren nur zwei Blätter. Diese belegen jedoch eindeutig, dass er in Hadamar getötet wurde. Es sind sein Meldebogen im Rahmen der Aktion T 4 und eine Karteikarte zu seinem Abtransport. Gottfried M. war am 25.2.1902 in Losheim geboren worden. Sein Vater war der Gastwirt Gottfried M. Seine Mutter hieß Susanna. Er wurde nach der Schule Bergmann, war ledig und erkrankte wohl schon in jungen Jahren, denn 1923 wurde er im Alter von 21 Jahren zu den Barmherzigen Brüdern nach Trier gebracht.

Von dort wurde er am 15.8.1939 weiter verlegt. Über welche Zwischenanstalt ist offen. Diese und die folgenden Angaben stammen aus dem Meldebogen vom 16.8.1940. Einem jener Meldebögen, anhand deren die systematische Erfassung der zu Tötenden durch das Reichsinnenministerium im Zuge der Aktion T 4 in den Anstalten des deutschen Reiches durchgeführt wurde. Laut diesem Bogen galt er als „schizophren im Endzustand“ und hat keinen Besuch bekommen, und die Anschrift seiner Eltern ist als „unbekannt“ angegeben. Ob das ein Zeichen dafür ist, dass seine Familie ihn „vergessen“ hat oder einem Verwaltungsfehler geschuldet ist, wissen wir nicht.

Am 23.4.1941 wird Gottfried M. von einem der grauen Busse der Gekrat, der für die Transporte zu den Tötungsanstalten vom Reichsinnenministerium gegründeten Krankentransportgesellschaft, „mit Personal- und Krankenakte“ abgeholt und zur Tötung nach Hadamar gebracht. Die standesamtlichen Unterlagen in Losheim geben den Todestag von Gottfried M. mit dem 17.5.1941 an, so wie es vom Standesamt Hadamar-Mönchberg mitgeteilt worden war.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden etwa 200 000 Menschen getötet, die psychisch erkrankt oder geistig behindert waren. Diesen Krankenmorden hat Henry Selzer in seinem Buch „Unrecht auf dem Land“ ein Kapitel gewidmet. Die dort geschilderten Fälle druckt die SZ anlässlich des Gedenktags für die NS-Opfer in einer kleinen Serie ab.