Wahlsonntag im Grünen Kreis: Stichwahl in Losheim zwischen Harth und Kondak

Wahlsonntag im Grünen Kreis : Stichwahl in Losheim zwischen Harth und Kondak

Die Stimmen bei der Bürgermeisterwahl in Losheim am See sind ausgezählt: Einzelbewerber Helmut Harth geht mit Björn Kondak (SPD) in die Stichwahl.

Einzelbewerber Helmut Harth und Björn Kondak (SPD) gehen im Rennen um das Bürgermeisteramt in der Gemeinde Losheim am See in die Stichwahl. Nach einem spannenden Wahlabend mit einem ganz engen Rennen stand um 20.20 Uhr fest: Helmut Harth lag mit 36,4 Prozent vor seinen beiden Kontrahenten. Björn Kondak (SPD) erhielt 31,9 Prozent, Norbert Müller (CDU) 31,7 Prozent. Den Zweitplatzierten von der SPD und den Drittplatzierten CDU-Kandidaten trennten dabei ganze 14 Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei exakt 70 Prozent.

„Da brauchst du heute Abend keinen Tatort zu schauen“, sagte im Laufe der Auszählung Manfred Schillo, Leiter des Gemeindebauhofes im Sitzungssaal des Losheimer Rathauses. Dort hatten sich zahlreiche Besucher eingefunden, um die Auswertung der Stimmen aus den 21 Wahlbezirken der Gemeinde zu verfolgen. Dabei gestaltete sich insbesondere das Rennen um den zweiten Platz höchst spannend und knapp. Als die ersten Stimmbezirke ausgezählt waren, lag noch SPD-Kandidat Kondak vorn, gefolgt von Harth und Müller. Doch als gegen 19.43 Uhr das erste Ergebnis aus dem Hauptort Losheim über die Leinwand im Rathaus-Sitzungssaal flimmerte, änderte sich dies: Helmut Harth holte hier, wo er geboren ist, über 50 Prozent der Stimmen und setzte sich an die Spitze. Diesen Spitzenplatz gab er bis zum Ende der Auszählung nicht mehr her. Darum änderte sich die Reihenfolge auf dem zweiten Platz in der Folge mehrfach. CDU-Mann Norbert Müller konnte in Britten, dem Nachbarort seines Heimatortes Hausbach und eigentlich eine SPD-Hochburg, ein starkes Ergebnis einfahren und setzte sich vor den SPD-Kandidaten. Zwischendurch betrug sein Vorsprung vor Björn Kondak 266 Stimmen, während Helmut Harth seine Führung kontinuierlich ausbaute.

Doch mit einem enormen Schlussspurt machte der SPD-Kandidat wieder entscheidenden Boden gut: Er lag im kleinen Ortsteil Scheiden vorne und verkürzte den Vorsprung etwas. Dann folgte Kon­daks Heimatort Rimlingen, wo er auch Ortsvorsteher ist. Hier fuhr er den erwarteten Heimsieg ein und setzte sich mit 62 Prozent wieder vor Müller – mit einem hauchdünnen Vorsprung von zwölf Stimmen. Doch nur eine Minute später kam das Ergebnis des letzten Losheimer Wahlbezirkes herein, und prompt hatte CDU-Mann Müller wieder 41 Stimmen mehr. Es war 20.17 Uhr, es fehlten nur noch zwei Wahlbezirke: einer in Bachem und einer in Niederlosheim. Zuerst ploppte das Bachemer Resultat auf: Der Vorsprung des CDU-Mannes schmolz auf zwei ganze Stimmen. Und als zwei Minuten später auch der zweite Wahlbezirk in Niederlosheim fertig gezählt hatte, stand fest: Auf den letzten Metern hatte sich der SPD-Mann Kondak vor den CDU-Kandidaten gesetzt und sich mit 14 Stimmen Vorsprung für den zweiten Wahlgang qualifiziert. Den hatte Helmut Harth mit 3270 Stimmen sicher erreicht.

CDU-Wahlverlierer Norbert Müller reagierte enttäuscht, aber auch gefasst auf den Ausgang des Wahlabends. „Das ist halt eben so. Die Bürger entscheiden das“, meinte er unmittelbar nach Bekanntgabe des vorläufigen Endergebnisses. Er habe nicht gedacht, dass es so eng wird, räumte der CDU-Kandidat ein. Weil Müller, anders als Björn Kondak, sich bei der Kommunalwahl nicht für einen Sitz im Gemeinderat aufstellen ließ, ist seine lange kommunalpolitische Laufbahn mit diesem Sonntag zu Ende gegangen. „Wir werden das überleben“, sagte der CDU-Mann.

Zufrieden äußerte sich Wahlgewinner Helmut Harth: „Das liegt in der Größenordnung dessen, was ich erwartet habe“, bekannte er. Er habe sich eigentlich auf eine Stichwahl gegen den CDU-Kandidaten eingestellt, sagte Harth. „Aber ich gönne Björn Kondak sein gutes Ergebnis.“ Bis zur Stichwahl am 9. Juni (Pfingstsonntag) wolle er noch einmal in den Ortsteilen der Gemeinde, in denen er im ersten Wahlgang nicht gut abgeschnitten habe, einen Haustürwahlkampf führen, sagte Harth.

Ziemlich geschafft wirkte Björn Kondak nach dem Wahlkrimi und der Berg- und Talfahrt, die er bei der Auszählung erlebt hatte. „Nachdem 16 Wahlbezirke ausgezählt waren, habe ich gedacht, dass ich das nicht mehr packe. Aber nach 19 Wahlbezirken war ich mir dann wiederum sicher, dass ich es schaffe.“ Es sei sein Ziel gewesen, in die Stichwahl zu kommen, erklärte der SPD-Kandidat. Er zollte dem Wahlgewinner Harth Respekt: „Wir haben gewusst, dass er nicht zu unterschätzen ist, aber wir hätten nicht erwartet, dass er auf Platz eins landen wird.“ Bis zur Stichwahl in zwei Wochen werden er und sein Team in Sachen Wahlkampf noch einmal „richtig Gas geben“, kündigte Kondak an.

Von einem „Herzschlagfinale“ sprach der Losheimer Bürgermeister Lothar Christ. „So eine Wahl habe ich noch nicht erlebt“, meinte der Rathauschef, der Ende September in den Ruhestand gehen wird. Lediglich seine eigene erste Wahl im Jahr 1994 sei ähnlich spannend gewesen – damals hatte Christ mit 37 Stimmen Vorsprung gegenüber seinem CDU-Kontrahenten vorne gelegen.

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