Sprinterin Julia Schulligen lernt am Olympiastützpunkt

Leichtathletik : Mit großen Schritten Richtung Spitze

Julia Schulligen gilt als eines der großen Sprint-Talente im Land. In Saarbrücken besucht sie die Eliteschule des Sports.

Das klare Ziel vor Augen, bei Leichtathletik-Meisterschaften in ihrer Altersklasse möglichst alle Konkurrentinnen hinter sich zu lassen, nimmt die 15-Jährige aus Losheim klaglos Einschränkungen in ihrer Freizeit hin, bei denen die meisten ihrer Freundinnen wohl dankend ablehnen würden: Julia Schulligen hat ein klares Ziel vor Augen – und verfolgt das konsequent.

Als sich die SZ mit ihr im Merziger Blättelbornstadion über ihre sportliche Gegenwart und Zukunft unterhalten wollte, gefiel es ihr zunächst nicht so wirklich, von der Zeitung in den Fokus gerückt zu werden. Aber erstens musste sie ihre Teilnahme am aktuellen Wettkampf wegen einer Erkältung ohnehin auf ein lockeres Training reduzieren, und zweitens blitzte in ihren Augen dann im laufenden Gespräch doch gelegentlich der Stolz auf bisher bereits erreichte sportliche Erfolge auf. Und das zu Recht.

Zuhause ist sie eigentlich in Losheim am See, aber für Schule und Sport verabschiedet sich die 15-Jährige in den meisten Wochen des Jahres in die Landeshauptstadt Saarbrücken. Der Olympiastützpunkt Rheinland-Pfalz/Saarland, die Hermann-Neuberger-Sportschule des Landessportverbandes für das Saarland und das Gymnasium am Rotenbühl (Eliteschule des Sports) ermöglichen es ihr, sich mit professioneller Förderung ganz auf ihre sportlichen Ziele zu konzentrieren, ohne es dabei zu versäumen, auch mit dem Ziel Abitur für ein späteres Leben neben der Leichtathletik zu lernen.

Aktuell stürmt die Losheimerin bei den 100- und 300-Meter-Sprints der Ziellinie entgegen, aber angefangen hat ihre sportliche Leidenschaft beim Tennis, das ihre Eltern inzwischen weitgehend ohne ihre Tochter fit hält. „Die Begeisterung für das schnelle Laufen stellte sich bei einigen Volksläufen ein“, erinnert sich Julia, die inzwischen das Trikot des LC Rehlingen trägt. „Da habe ich eigentlich auch erst seit 2016/2017 mit dem richtigen Training begonnen.“

Erst nahm sie an Kreis- und Saarlandmeisterschaften (zweimal Saarlandmeister) teil. Spätestens mit einem fünften Rang bei den süddeutschen Meisterschaften und einem zweiten Platz beim B-Finale der deutschen U 15-Meisterschaften in Wattenscheid qualifizierte sie sich inzwischen für höhere Ziele. Mit der Schulmannschaft des Gymnasiums am Rotenbühl startete sie kürzlich beim Bundesfinale von „Jugend trainiert für Olympia“ in Berlin.

Voraussetzung für die ersten „Lorbeeren“ waren ebenso konsequente wie zielgerichtete Trainingsleistungen. Damit dabei – bei aller Begeisterung für die Leichtathletik – die schulischen Leistungen nicht auf der Strecke bleiben, spielt das Sportinternat eine wichtige Rolle. Julia erzählt: „Das Lernen der üblichen Schulfächer genießt da erste Priorität.“ Aber durch eine durchdachte Aufteilung zwischen schulischer und sportlicher Förderung komme sie auch ihren sportlichen Zielen Schritt für Schritt näher – und sie kann wirklich große Schritte machen.

Das sportliche Training findet sowohl in den Sportklassen des Gymnasiums als auch im Olympia-Stützpunkt der Hermann-Neuberger-Sportschule statt. Die ersten Grundlagen zum Beispiel für die richtige „Explosion aus den Startblöcken“ habe ihr die Trainerin Gabi Husung mit auf den Weg gegeben. Bei vier bis fünf Trainingseinheiten in der Woche – „das wird immer mehr“ – nimmt sie heute im Olympia-Stützpunkt Saarbrücken der Trainer Jürgen Schneider mit dem erklärten Ziel unter seine Fittiche, Julia Schulligen an die Klasse der ganz großen deutschen Sprinterinnen heranzuführen. Offen räumt die junge Sportlerin im SZ-Gespräch ein, dass neben Schule und Sport aktuell kaum noch Zeit für andere Freizeitmöglichkeiten bleibt – „aber damit kann ich auch gut leben!“

Und wie soll es nach der Schule mit den beruflichen Perspektiven weitergehen? „Darüber habe ich mir mit meinen 15 Jahren noch keine ernsthaften Gedanken gemacht“, sagt Julia und fährt fort, „aber ich könnte mir durchaus vorstellen, mal von den sportlichen und beruflichen Förder-Möglichkeiten bei Polizei oder Bundeswehr Gebrauch zu machen.“ Zunächst einmal ist sie mit der heutigen Zweigleisigkeit von Schule und Sport zufrieden. Dabei vergisst sie nicht den Hinweis darauf, ihren Eltern für ihre Unterstützung überaus dankbar zu sein. Und wenn sie in die sprichwörtliche Glaskugel schauen könnte, würde sie sich neben der Gesundheit nichts mehr wünschen als weiteren sportlichen Erfolg.

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