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Saarland macht das Hundewandern zum Trend

Hundetherapeutin Nadja Jager (vorne) hat den Weg mit allerlei Aufgaben für die Spürnasen gespickt. Foto: Bonenberger
Hundetherapeutin Nadja Jager (vorne) hat den Weg mit allerlei Aufgaben für die Spürnasen gespickt. Foto: Bonenberger FOTO: Bonenberger
Losheim. Eine Spur aus Wurstwasser oder frischer Pansen: Für die Vierbeiner gibt es bei einer speziellen Hundewanderung viel zu erschnüffeln. Die Tourismuszentrale Losheim am See glaubt, einen Trend entdeckt zu haben. Thorsten Grim

Verglichen mit seinem Herrchen ist ein Hund äußerst reich - an Geruchszellen in Nase beziehungsweise Schnauze. "Wenn ein Mensch etwa fünf Millionen hat, besitzt ein Hund bis zu 240 Millionen Geruchszellen. Hunde leben in einer Welt, die von unzähligen Gerüchen bestimmt ist", erklärt Nadja Jager. Für einen Hundebesitzer eigentlich nichts Neues. Aber nun weiß er seine Vermutung mit Zahlen unterlegt.

Es ist Samstagmorgen, kurz nach zehn Uhr. Die Sonne scheint. Der März-Wald ist noch licht. Hundetrainerin Jager hat an der Dellborner Mühle bei Wahlen 14 Hunde samt Herrchen oder Frauchen um sich versammelt und stimmt die Gruppe auf einen Ausflug ein. Gleich geht es achteinhalb Kilometer über die Traumschleife "Kleiner Lückner". Organisiert hat die Tour auf dem Premium-Wanderweg die Tourismuszentrale Losheim . Und erstmals steht bei einer solchen Exkursion der Hund im Mittelpunkt. "Immer der Nase nach" lautet das Motto. Ziel ist es, Herrchen und Frauchen zu zeigen, wie sie den Schnüffeltrieb ihrer Spürnasen bei einem Spaziergang spielerisch nutzen können.

Die Idee zur geführten Hunde-Wanderung hatte Petra Goergen. Die Mitarbeiterin der Tourismuszentrale ist selbst Hundebesitzerin - doch das sei nicht ausschlaggebend gewesen. Vielmehr sehe sie bei der täglichen Arbeit, "dass Hunde eine immer wichtigere Stellung in der Gesellschaft einnehmen. Die sozialen Strukturen verändern sich. Es gibt immer mehr Singles, und für viele ist der Hund ein Familienersatz - und somit sind Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern auch Zielgruppe für den Tourismus", erzählt Goergen. Wie die Teilnehmerzahl zeigt, hat sie damit den richtigen Riecher gehabt.

Während die Tourismus-Fachfrau dem Journalist abseits der Gruppe ihren Antrieb in den Block diktiert, zeigt dessen dreijährige Hundedame Pancha durch forderndes Winseln an, dass sie endlich zu den anderen möchte. Das "Rudel" für diesen Vormittag besteht aus Hunden verschiedenster Arten und Größen. Ein kleiner Jack-Russel-Terrier, dessen Schwänzchen vor Begeisterung wie einen Propeller kreist, ist ebenso dabei wie eine große, tiefenentspannte Dogge. Etliche Mischlinge sind am Start. Auch Pancha, deren Schulterhöhe dem Autor dieser Zeilen bis ans Knie reicht, ist weit davon entfernt, ein Rassehund zu sein. Aber eine Spürnase hat sie allemal, wie sie später demonstrieren wird. Und dann geht es auch schon los entlang des Losheimer Bachs. Anfangs mit einigem Knurren und Gebell in der Gruppe. Dann scheint jeder Vierbeiner seinen Platz gefunden zu haben.

Alle zwei Kilometer hat Jager eine Schnüffelaufgabe für die Hunde vorbereitet. Einmal wird beispielsweise eine Spur mit Wurstwasser aus der Spritzflasche gelegt. Ein anderes Mal wird frischer Pansen zum Spur legen eingesetzt. Beim letzten Halt darf Pancha ihr Näschen unter Beweis stellen. Hundetherapeutin Jager zeigt ihr einen mit Leckerlis gefüllten Beutel, den sie einige Meter entfernt hinter einem Baumstumpf versteckt. Diesen Beutel muss die Schnüffelnase nun suchen und ist kaum zu halten. Schnell hat sie das Versteck entdeckt. Nach gut drei Stunden gelangen wir wieder an die Dellborner Mühle. Noch kurz verabschieden, dann geht es schnell nach Hause. "Schnüffeln ist anstrengende Kopfarbeit und macht die Hunde ziemlich müde", hat Nadja Jager zuvor noch rklärt. Wohl wahr - die Heimfahrt verschläft Pancha dann nämlich komplett.



Zum Thema:

Zwei weitere Hunde-Wanderungen werden von der Tourismuszentrale Losheim angeboten, und zwar im Juni und September, jeweils am zweiten Samstag - geführt von Hundetrainerin Nadja Jager. Das Thema im Juni lautet "Hundeerziehung - früher und heute"; im September dreht sich alles um "hundgerechte Ernährung". Weitere Infos unter Tel. (0 68 72) 9 01 81 00. tog