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Losheim
„Die Verbindung zum Publikum ist mir wichtig“

Spielt am 12. Oktober in Losheim: Ryan Mc Garvey.
Spielt am 12. Oktober in Losheim: Ryan Mc Garvey. FOTO: Ian Connelly
Losheim. Mit Jeff Beck hat er schon zusammen etwas getrunken. Er hat vor 60 000 Menschen auf derselben Bühne wie BB King, Buddy Guy, Eric Clapton und ZZ Top gespielt. Er zählt beinahe 20 Preise, die er für seine Gitarrenkünste gewonnen hat, seit er 19 Jahre alt war.

Und am kommenden Freitag, 12. Oktober, spielt er in Losheim in der Eisenbahnhalle. „Ich will nicht, dass meine Musik vergessen wird“, sagt Blues-Musiker Ryan Mc Garvey und in Losheim wird sie das hoffentlich nie.


Du sahnst schon seit dem Jahr 2006 reihenweise Preise für deine Musik ab. Wann hast du denn begonnen, professionell Musik zu machen?

Ryan Mc Garvey Ich gebe Konzerte, seit ich 14 Jahre alt bin. Kurz danach habe ich auch schon meine erste eigene Band gegründet. Auf Tour ging es erstmals, als ich 18 wurde und 2010 war die erste internationale Tour.



Also hattest du schon mit 15 Jahren deine erste eigene Band. Was für eine Band war das denn?

Mc Garvey Ich habe immer mit Leuten aus meiner Gegend gespielt. Dabei kamen mehrere Bands zustande. Die meisten hießen einfach „Ryan Mc Garvey Band“.

Das bisherige Highlight deiner Karriere war ein Auftritt bei Eric Claptons „Crossroads Guitar Festival” 2010. Dort hast du neben Blues-Legenden wie B.B. King, Buddy Guy oder auch der Gruppe ZZ Top gespielt. Wie kamst du zu diesem Riesenjob?

Mc Garvey Das war eine richtig große Sache für mich. Das Ganze entstand aus einem Wettbewerb heraus, bei dem ich schließlich gegen 4000 andere Gitarristen aus der ganzen Welt gewann.

Dort hast du ja neben deinen ganz großen Vorbildern auf der Bühne gestanden. Wie hat sich das angefühlt?

Mc Garvey Es war der Wahnsinn. Ich werde das nie vergessen und es hat für mich die ganze Welt bedeutet. Ich spielte dort an einem einzigen Tag mit jedem einzelnen Künstler auf einer Bühne, den ich mir je hätte wünschen können. Das habe ich mir nie zu träumen gewagt. Ich habe auch neue Leute kennengelernt, die unglaublich gut Gitarre spielen können.

Was waren deine besten Erfahrungen bei diesem Festival?

Mc Garvey Ich konnte mit Jeff Beck abhängen. Wir haben zusammen etwas getrunken und sogar Witze gemacht. Das war irgendwie unrealistisch für mich, mehr wie im Traum. Und neben Eric Clapton zu stehen, einem Menschen, zu dem ich aufschaue, seit ich ein kleines Kind war, das war unbeschreiblich. Bei dem Konzert waren mehr als 60 000 Zuschauer. Für dich eine Premiere. Was war das für ein Gefühl, vor so vielen Menschen zu spielen? Das war eindeutig das größte Publikum, für das ich je gespielt habe. Es fühlte sich unrealistisch und auf eine gewisse Weise auch zauberhaft an.

Du wirst als der neue Stern am Blues-Rock-Himmel bezeichnet. Was ist dein Geheimnis?

Mc Garvey Wenn ich spiele, versuche ich, zu den Zuschauern durchzudringen und ich glaube, das gelingt mir meist auch. So schaffe ich eine Verbindung zu meinem Publikum und das ist sehr wichtig.

Wessen Musik hat dich anfänglich dazu bewegt, die Gitarre in die Hand zu nehmen und das Spielen zu lernen?

Mc Garvey Mein Vater hat  immer Gitarre gespielt, um zu entspannen. Daher kommt meine Faszination für das Instrument und was man damit machen kann. Als ich zwei Jahre alt war, haben meine Eltern mir eine Two-Stick-Gitarre geschenkt.

Und wann hast du richtig angefangen, Gitarre zu spielen?

Mc Garvey Ich habe mich in die Musik rund ums Gitarre-Spielen verliebt, als ich ungefähr sieben Jahre alt war. Damals habe ich mir die Plattensammlung meiner Eltern angehört. Die bestand aus Musik von Künstlern wie Hendrix, Cream oder ZZ Top.

Deine Lieder „Joyride” oder auch „Memphis” versetzen die Zuhörer in die Zeit des Klassik-Rock. Ist das auch teilweise Kritik deinerseits an der heutigen Musik?

Mc Garvey Ich bin schon ein bisschen traditionell in vielen Dingen. Ich denke auch, dass an der guten alten Rockmusik mehr Wahrheit dran war. Viele Songs heutzutage fesseln einen gerade einmal für 30 Sekunden, meist bis man den Refrain gehört hat, und dann hat man schon damit abgeschlossen, ohne ihn ganz gehört zu haben.

Denkst du, man wird sich in 30 bis 40 Jahren noch an die heutige Musik erinnern?

Mc Garvey Ich glaube nicht, dass wir bei vielen Liedern feststellen werden, dass sie eine musikalische Meisterleistung waren.

Was war in der früheren Zeit dann also anders?

Mc Garvey In den 60er- und 70er-Jahren gab es unzählig viele zeitlose Klassiker, die wahrscheinlich auch immer solche bleiben. Sie werden immer Lieblingssongs bleiben. Meiner Meinung nach steckte einfach mehr Wahrheit in ihnen.

Wie willst du deine Lieder zu Klassikern machen?

Mc Garvey Ich packe so viel von diesem wahren Gefühl hinein, wie ich kann. Ich hoffe meine Musik wird dadurch nie ganz vergessen werden. Das wünsche ich mir.

Auf was können sich die Besucher deines Konzerts in Losheim denn freuen? Vielleicht auch ein paar deiner Blues-Balladen wie „Always and forever”?

Mc Garvey Ja, auch. Eines der Lieder, das die Menschen in Europa lieben, ist „My heart to you”, glaube ich. Ich habe es ungefähr 13 Mal umgeschrieben und meinen Lebenslagen angepasst, sodass jeder ein Stück von seinem Leben darin wiederfinden kann.

Magst du Europa?

Mc Garvey Ja, ich liebe es, auch den klassischen Touristen-Kram,  wie etwa in kürzester Zeit in verschiedenen Ländern zu sein oder das gute Essen. Aber am liebsten sind mir die Menschen hier. Die Leute, die ich im Laufe der vergangenen Jahre kennengelernt habe, sind wie eine Familie für mich geworden.

Groupies?

Mc Garvey Ja und nein. Sie sehen sich neun oder zehn Konzerte je Tour an und sind einfach meine zweite Familie geworden.

Die Fragen stellte Ann-Sophie Willeitner

Karten gibt es unter www.station-k.de sowie in der Tourist-Info Losheim, Tel. (0  68  72) 9  01  81  00.