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Rund 40 Wanderer auf Tour zu den Nagern bei Mitlosheim

Kostenpflichtiger Inhalt: Bibertour bei Mitlosheim : Zu Familie Biber ins Lannenbachtal

Touren in freier Natur sind im Moment nur unter strengen Auflagen erlaubt. Noch vor wenigen Wochen konnte der Nabu die Wanderer in das Reich der großen Nager entführen.

Wenn man von der Rittscheidhütte aus am Lannenbach abwärts wandert und plötzlich kegelförmig benagte Baumstümpfe und gefällte, kahl geknabberte Stämme liegen sieht, dann weiß man: Hier wohnt eine Biberfamilie. In mühevoller Kleinarbeit wird ein Damm gebaut, der die Strömungsverhältnisse des Wassers in einer Weise berücksichtigt, die von menschlichen Ingenieuren in einem anspruchsvollen Universitätsstudium erlernt werden muss.

Mitten in dem künstlich erschaffenen See thront die Burg, ein imposanter Hügel aus kleinen und großen Ästen, in dessen Innerem sich eine warme, gut gepolsterte Höhle befindet. Der Eingang liegt unter Wasser und verwehrt so möglichen Feinden wie Fuchs oder Dachs den Zutritt. Wird der Damm durch Unwetter oder Menschenhand zerstört, entfällt dieser Schutz und es wird überdies kühl und zugig, was eine neu geborene Bibergeneration das Leben kosten kann.

An einem ausgestopften Exemplar erklärt Wolfgang Reifenrath die Anatomie des Bibers. Foto: Ute Keil

An der Rittscheidhütte hatten sich rund 40 interessierte Leute eingefunden, darunter auch ganze Familien, und umringten Wolfgang Reifenrath. Der Biberbeauftragte des Nabu präsentierte einen ausgestopften Biber und erklärte Anatomie und Lebensweise des putzigen Gesellen. Dann ging es ins Gelände. Die erste Biberburg lag auf dem Trockenen, weil Menschen den Damm zerstört hatten. „Sobald der Wasserstand wieder etwas zurückgeht, werden die Tiere den Stau reparieren“, erklärte Reifenrath. Aber wenn man sie dabei beobachten möchte, muss man eine Stunde vor Einbruch der Dämmerung vor Ort sein, darf keinen Rückenwind haben, muss mucksmäuschenstill sein und viel Geduld mitbringen.

Viele Menschen denken bei der Rückkehr des Bibers nur an mögliche Schäden durch Baumfällung und Überflutung. Tatsächlich bringt dieser große Nager unserer Landschaft wesentlich mehr Nutzen als Schaden. Die Vernässung des Bodens wirkt sich in trockenen, heißen Sommern überaus positiv auf das örtliche Klima aus. Der Biber fällt in der Regel Bäume, die nur als Brennholz Verwertung finden können, etwa Weiden und Zitterpappeln. „Die Stämme werden sogar noch entastet und geschält, ohne dass die Tiere für diese Arbeit eine Rechnung schreiben“, meinte der Naturschützer schmunzelnd.

Jährlich werden in Deutschland rund 52 Millionen Festmeter Holz eingeschlagen. Nur 0,01 Prozent gehen dabei auf das Konto des Bibers. Die Biberbeauftragten Wolfgang Reifenrath und Willi Barth leisten viel Überzeugungsarbeit und haben schon manch einen „Biberfeind“ in einen „Biberfreund“ verwandelt. Konfrontation hat bei diesem Thema wenig Sinn. Oft schlägt die Stimmung um, wenn die Menschen dieses Tier besser kennenlernen und beispielsweise erfahren, dass der Biber über 100 Heilpflanzen kennt und nutzt.

Leider gibt es im Saarland noch keine Ausgleichszahlungen für Schäden, die durch Biber verursacht werden. Aber wenn man gefährdete Obstbäume mit Draht schützt und bedenkt, welche Filterwirkung die gefluteten Flächen auf die Qualität des Grundwassers haben, kann man den Biber auch als Land- und Wiesenbesitzer mit anderen Augen betrachten.