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Podium in Losheim
Kampfjet-Lärm macht Leben zur Qual

F-16-Kampfflugzeuge im Formationsflug: Unter militärischem Fluglärm leiden die Menschen im Hochwald.
F-16-Kampfflugzeuge im Formationsflug: Unter militärischem Fluglärm leiden die Menschen im Hochwald. FOTO: picture-alliance / dpa / Files
Losheim. Podiumsdiskussion nimmt am Dienstag, 13. November, in Losheim die Fluglärm-Problematik ins Visier. Von Margit Stark

Militärischer Fluglärm, das ist insbesondere im nördlichen Saarland ein Reizthema: Seit Jahren gehen regelmäßig bei Behörden und Medien massive Klagen von Anwohnern der Kommunen im Hochwaldraum sowie im St. Wendeler Land ein über die unzumutbare Belastung durch den Krach, den Düsenjets bei ihren Übungsflügen über der Region absondern. Von einem menschenverachtenden Gebaren spricht etwa Holger Marzen, Vertreter der Bürgerinitiative gegen Fluglärm, Bodenlärm und Umweltverschmutzung, die in Kaiserslautern ihren Sitz hat und dem Protest aus der Region gegen den Fluglärm eine Stimme gibt. Das Saarland, und dabei insbesondere der nördliche Teil, gehören zu einem der acht Sonderlufträume, die in Deutschland für Übungsflüge des Militärs genutzt werden können (siehe Infobox). Die TRA Lauter, die sich über die Region Eifel-Saarland-Westpfalz erstreckt, wird insbesondere von US-Flugzeugen von der Airbase Spangdahlem in der Eifel sowie vom Fliegerhorst Büchel für Übungsflüge genutzt, sagt die Bürgerinitiative.


Insbesondere in den Sommermonaten häufen sich die Beschwerden, das haben auch die Verantwortlichen im Rathaus der Gemeinde Losheim am See festgestellt. Dort machen viele Betroffene ihrem Unmut Luft, weiß Astrid Härtel von der Stabsstelle Verkehr und Projekte. „Manchmal, wenn ich im Büro sitze und die Jets am Himmel höre, weiß ich schon, dass es gleich wieder Beschwerde-Mails und -Anrufe hageln wird“, sagt sie.

Losheims Bürgermeister Lothar Christ hatte im April die Initiative ergriffen und in einem Brief an Saar-Innenminister Klaus Bouillon erklärt, er sehe durch den Fluglärm die Lebensqualität in der Region bedroht: „Mich erreichen schon Briefe von Bürgern, die aus der Region wegen des Fluglärms wegziehen möchten“, sagt Christ. Nach seinem Schreiben sowie ähnlichen, die aus nahe gelegenen Kommunen wie Nonnweiler, Tholey oder auch Ottweiler beim Innenminister oder bei Ministerpräsident Tobias Hans eingegangen waren, gab es im Juni eine Besprechung im Innenministerium, bei der über Maßnahmen diskutiert wurde, die die Fluglärm-Belastung der Menschen in der Region reduzieren könnten. So wurde dort vereinbart, dass Verwaltungen (und in der Folge die Bürger) der betroffenen Kommunen frühzeitig und umfassend über bevorstehende militärische Übungen informiert werden sollen. Seitens des Bundesverteidigungsministeriums soll angestrebt werden, dass die Übungsflüge gleichmäßiger auf die Sonderzonen verteilt werden sollen. Das Innenministerium sieht es als Fortschritt, dass in den Monaten Mai bis September keine Übungsflüge mehr an Wochenenden und an Freitagen nur noch bis 13 Uhr (statt zuvor bis 17 Uhr) stattfinden dürfen. Von Montag bis Donnerstag soll es in diesem Zeitraum zudem nur bis 21 Uhr am Abend (statt bis 23.30 Uhr) Flugbetrieb geben.



Doch die Betroffenen merken nach eigenem Bekunden nicht viel von einem Rückgang der Übungsflüge. Im Gegenteil: „Im Vergleich zum Vorjahr hat der Lärm in der TRA Lauter wieder zugenommen“, erklärte Holger Marzen von der Bürgerinitiative noch Ende September gegenüber unserer Zeitung. Zwar habe es eine etwas gleichmäßigere Verteilung der Flüge auf die vier größten Lufträume gegeben. Aber: In der TRA Lauter seien die Militärjets offenkundig länger in der Luft. Denn im vergangenen Jahr wurden in diesem Flugraum 787 Nutzungsstunden registriert, in den anderen TRAs nur zwischen 402 und 558 Stunden. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Antwort des saarländischen Grünen-Abgeordneten Markus Tressel hervor. Nicht nur für Tressel ist das Maß in Sachen Fluglärm inzwischen voll: Wie der Grünen-Parlamentarier setzen sich auch Landespolitiker anderer Parteien für eine Reduzierung der militärischen Übungsflüge über unserem Land ein, wie etwa der SPD-Landtagsabgeordnete Magnus Jung oder seine Linken-Kollegin Barbara Spaniol.

Diese drei genannten Politiker sowie Stefan Thielen, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU im Landtag, werden an einer Podiumsdiskussion über die Fluglärm-Problematik teilnehmen, zu dem die Gemeinde Losheim am See am Dienstag, 13. November, ab 19 Uhr in die Eisenbahnhalle (Museum) einlädt. Neben den Vertretern aus der Politik sind auch Oberstleutnant Sascha Greuel vom Luftfahrtamt der Bundeswehr sowie Holger Marzen und Patrick Fey von der BI gegen Fluglärm, Bodenlärm und Umweltverschmutzung auf dem Podium. Die Veranstaltung wird moderiert von Christian Beckinger, Lokalredakteur der SZ in Merzig.