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Offener Brief zum Erhalt der Klinik in Losheim von Bürgermeister Helmut Harth

Offener Brief von Bürgermeister Harth : „Gemeinsam können wir die Klinik weiterentwickeln“

Die Marienhausklinik St. Josef in Losheim soll erhalten bleiben und um weitere Angebote erweitert werden. Dies fordert zumindest Bürgermeister Helmut Harth in einem offenen Brief. Dieser richtet sich nicht nur an die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann und Ministerpräsidenten Tobias Hans, sondern auch an Kanzlerin Angela Merkel und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

In seinem Schreiben macht Harth allen Angesprochenen ein Kompliment dafür, dass sie in Zeiten der Corona-Krise „alles Erforderliche mit Augenmaß unternehmen, um die Folgen der Pandemie abzumildern“. Diese Krise zeigt nach seinen Worten aber deutlich, welch enorm hohe und existenzielle Bedeutung die Krankenhausinfrastruktur für die Bevölkerung besitzt. Es sei daher, so Harth weiter, „verwerflich und strategisch vollkommen falsch, gerade auch die kleineren Krankenhäuser, insbesondere und gerade im ländlichen Raum, in einen wirtschaftlichen Wettbewerb zu zwingen und auf rein betriebswirtschaftlicher Grundlage über deren Fortbestand zu entscheiden“. Für das Gesundheitssystem solle dasselbe gelten wie für das Bildungssystem: Es könnten keine rein marktwirtschaftlichen Bilanzen vorgelegt werden.

„Seit 121 Jahren leistet unser St.-Josef-Krankenhaus vorbildlichen Dienst am Nächsten in unserer Gemeinde sowie für die ganze Hochwaldregion“, schildert Harth die Lage in der Gemeinde. Schwestern, Ärztinnen und Ärzte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten es „in Selbstaufopferung bis zum Letzten und in Gottvertrauen“ mit den Kranken ausgehalten. „Das hochkompetente Krankenhausteam hat jahrzehntelang in diesem Haus Menschen das Leben gerettet, sie geheilt, gepflegt und Sterbende würde- und hingebungsvoll begleitet.“

Neben dieser Bedeutung als Institution und „ein Stück Heimat“ für die Menschen in der Hochwaldregion ist die Marienhausklinik St. Josef nach Worten von Harth auch ein wichtiger Standort- und Wirtschaftsfaktor für die Region. Die Einrichtung gewährleiste die medizinische Grundversorgung – gerade auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung. „Ziel aller Anpassungen zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung war stets eine optimale Betreuungssicherheit der Patienten“, schreibt Harth und weiter: „Das ganze Wissen und die vielfältigen Erfahrungen wurden über Generationen weitergegeben. So wurden die großen Turbulenzen der letzten Jahre im Gesundheitswesen durch intelligente Lösungen und mit großem gemeinsamen Engagement aller Beteiligten aus Politik, Träger, Gemeinde und Förderverein überstanden.“

Nun aber hätten mit Wadern und Dillingen bereits zwei Kliniken in räumlicher Nähe geschlossen – und das Aus der Krankenhäuser in Lebach und Ottweiler sei bereits verkündet. „Die zeitnahe Schließung weiterer Standorte wird aktuell diskutiert, wozu auch unser St.-Josef-Krankenhaus gehören soll“, betont Harth. Direkt an Bundeskanzlerin Merkel und Bundesgesundheitsminister Spahn richtet Harth seine Forderung: „Bitte geben Sie auch den kleinen Krankenhäusern mit besonderen Rahmenbedingungen eine Chance zum Überleben.“ Die Abrechnungen über Fallpauschalen, Vorgaben von OP-Mindestmengen, Strafzahlungen für willkürliche Beanstandungen, Abschläge bei ambulanter Notfallbehandlung und anderes bedeuten nach seinen Worten für kleinere Einheiten im Wettbewerb das Aus.

Weiter bittet Harth die saarländische Gesundheitsministerin Bachmann und den Ministerpräsidenten Hans, diese Forderungen in Berlin durchzusetzen. „Gemeinsam können wir die Marienhausklinik St. Josef in Losheim am See weiterentwickeln, dass sie langfristig und zukunftsfähig die Notfallversorgung in der Region sicherstellen kann und auch in Krisenzeiten gut vorbereitet zur Verfügung steht“, schreibt Harth.

Der Krankenhausbedarfsplan des Landes und die Leistungen des Krankenhausfinanzierungsgesetzes müssten dies, so fordert er, adäquat darstellen. „Das Konzept des Losheimer Krankenhauses muss klug und mit gezielten Investitionen gestärkt und funktional aufgewertet werden“, führt der Verwaltungschef weiter aus. Beispielsweise könnte nach seiner Ansicht „mit überschaubarem Aufwand“ eine Notfallchirurgie wieder etabliert werden. Weitere spezialisierte Angebote könnten den Standort langfristig stabilisieren. Ebenso könne das St.-Josef-Krankenhaus die logistische und organisatorische Infrastruktur für die niedergelassenen Ärzte der Gemeinde anbieten. Harth findet: „Diese Lösung ist politisch, wirtschaftlich und fachlich wichtig, notwendig und sinnvoll.“