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Losheim
Mit offenen Armen in der Schule empfangen

In der Ferne feierte unsere Autorin ihren Geburtstag – drei Tage vor ihrer Gastschwester und mit einem leckeren und typisch amerikanischem Geburtstagskuchen.
In der Ferne feierte unsere Autorin ihren Geburtstag – drei Tage vor ihrer Gastschwester und mit einem leckeren und typisch amerikanischem Geburtstagskuchen. FOTO: Nina Terwort
Statt im heimischen Losheim verbringt die 16-jährige Schülerin Nina Terwort fast ein Jahr lang in den USA. Ihr zehntes Schuljahr absolviert sie nämlich im Bundesstaat Indiana in einer familiären Highschool. Von dort berichtete sie in der SZ regelmäßig über ihre Eindrücke.

Nach den ersten Tagen in meiner neuen Wahlheimat konnte ich schon einige gemeinsame Interessen mit meinen Gastgeschwistern aus der Familie Scheller feststellen.


Der Jüngste, Carson (13), liebt „Cross-Country“, einen Laufsport, und spielt Baseball für die Schule. Sein Bruder Logan (16) liebt alles rund ums Auto und sein Motorrad. Er fährt Motorcross und nimmt an Wettkämpfen teil. Die Älteste, Hailey (17), ist Mitglied in zwei Cheerleading-Teams und Kapitän des Schulteams. Außerdem hilft sie engagiert bei zahlreichen Aktivitäten der Schule mit. Auch ich liebe jegliche Art von Tanzsport und kann es daher kaum erwarten, meinen Traum vom Cheerleaden in Amerika zu verwirklichen! Die Eltern der drei sind auch beide berufstätig: Stephanie (40) arbeitet in einem Krankenhaus und Shawn (39) in einer Autowerkstatt.

Ein paar Tage vor Schulbeginn geht es für mich zum Fächerwählen zur Schule. Diese unterscheidet sich stark von meiner gewohnten Schule in Merzig. Es ist ein flaches, breites Gebäude, welches von verschiedenen Sportstätten umgeben ist. Die Schüler haben einen Fußballplatz, einen Footballplatz mit Laufbahn, zwei Baseballplätze, sieben Tennisplätze und einen Basketballplatz zur Verfügung. Das Gebäude bietet Platz für rund 600 Schüler. Auch wenn das nur etwa die Hälfte an Schülern sind die ich von Deutschland gewohnt bin, erscheint mit das Gebäude größer. Trotz der eher geringen Anzahl an Schülern befinden sich in der Schule außerdem zwei Turnhallen und ein Fitnessstudio. Es gibt eine „Hall of Fame“, in großen Glasvitrinen stehen dort Pokale und Auszeichnungen von Schülern, die sportlich besondere Leistungen erzielt haben. Anders als bei uns in Deutschland praktiziert man seine Hobbys hier nämlich in der Schule. Eher selten werden Clubs außerhalb der Schule besucht, da die Schule von Buchstabier- und Mathematikclubs bis zum Softball und Cheerleading alles anbietet. In den Fluren gibt es die berühmten Schließfächer, Wasserspender und die Caféteria – ganz wie im Film. Auch wenn ich in Deutschland die zehnten Klassenstufe besuchen würde, belege ich hier die 11. von 12 Klassenstufen. Mein Stundenplan sieht wie folgt aus: Fitness/Sport, Geschichte, Forensik, Psychologie, Mathematik, Englisch, Spanisch und Töpfern.



Nachdem ich meine Lunch-Nummer, mein Schließfach, meinen Stundenplan und eine Rundführung durch die Schule erhalten habe, fühle ich mich mehr als bereit für den ersten Schultag und kann es kaum erwarten meine neuen Mitschüler kennen zu lernen! Als es dann so weit ist, ist für Nervosität keine Zeit. Ich werde herzlich begrüßt und nahezu alle Mitschüler zeigen großes Interesse und Gastfreundlichkeit. Jeden Morgen vor Unterrichtsbeginn wird zur ersten Stunde ein Gelübde auf den amerikanischen Staat abgelegt. Meine Mitschüler erzählen mir, das sei das erste, was sie jeden Morgen alle zusammen tun, bevor die Schule beginnt. Das gesamte Schulsystem unterscheidet sich von dem, was ich gewohnt bin. Neben einem eigenen Laptop, Schließfächern für die Bücher und dem täglichen Mittagessen in der Schule lerne ich auch viele neue Regeln kennen. Einen „Dresscode“, also eine Kleiderordnung, gibt es hier, Polizeibeamte im und außerhalb des Schulgebäudes und es ist aus Sicherheitsgründen verboten, seinen Rucksack mit in die Klassenräume zu bringen. Das alles ist für mich Neuland.

Auch das ist anders als in Deutschland: Die Lehrer haben ihren eigenen Klassenraum, zu dem die Schüler gehen müssen, was sich deutlich an der Sauberkeit der Räume bemerkbar macht. Ich habe mich dazu entschieden, wie meine Gastschwester, dem Cheerleading-Team beizutreten, was mir von der ersten Trainingseinheit an eine Riesen-Freude bereitet. So schwer es auch ist, alles von vorne zu lernen, macht es ganz viel Spaß.

Freitags ist Spieltag für die Footballer und somit auch für die Cheerleader. Für jeden Freitag findet die Schule ein Motto, zu dem sich nahezu die ganze Schule entsprechend kleidet, um Unterstützung auszudrücken. Es ist witzig zu beobachten, wenn Mitschüler getreu dem Motto „Badeurlaub“ mit Schwimmflügeln in die Schule kommen. Außerdem befindet sich jeden Freitag, ob Heimspiel oder Auswärtsspiel, eine große Gruppe von Schülern, Eltern und Lehrern am Spielfeld, die sich ebenfalls gemäß dem Motto kleiden und eifrig mitfiebern. Vor jedem Spiel, egal ob Volleyball, Football oder sonst etwas, wird die Nationalhymne gesungen. Zusammenhalt und Patriotismus werden hier sehr groß geschrieben. Egal wohin man geht oder schaut, man findet amerikanische Flaggen und Dekorationen. Zu Beginn des neuen Schuljahres veranstaltet die Schule zudem das so genannte Homecoming. Neben einer Mottowoche mit Verkleidungen, einem Homecoming-Footballspiel und einem darauf folgenden Tanzevent werden von den Schülern selbst aus jeder Jahrgangsstufe zwei Mädchen und Jungen in den „Homecoming-Court“ gewählt. Aus der ältesten Jahrgangsstufe werden drei Pärchen bestimmt, aus denen ein „Homecoming-Queen“ und „Homecoming-King“ gewählt wird. Bei dem Homecoming-Footballspiel, was mit zu den wichtigsten und ereignisreichsten Spielen der ganzen Saison zählt, werden diese dann in schicken Outfits und tollen Autos um das Spielfeld gefahren, während die Zuschauer jubeln und klatschen. Dann wird Pärchen für Pärchen am Footballfeld aus den verschiedenen Autos herausgelassen und vorgestellt. Außerdem werden dann auch Homecoming-Queen und -King präsentiert.

Dass mich die Leute hier gut aufgenommen haben, war für mich keine Frage mehr nachdem ich voller Stolz in den „Homecoming-Court“ gewählt worden bin. Auf diese Art willkommen geheißen zu werden, ist einfach unglaublich. Und selbst als ich mit Isaac, der ebenfalls gewählt und mir zugeteilt worden war, am Footballfeld stand, konnte ich es nicht wirklich fassen. Nach der Zeremonie am Footballfeld hatten wir alle beim „Homecoming-Dance“ in der Schule richtig Spaß. Die Schule veranstaltet generell eine Menge besonderer Feste und ist für keinen nur einfach ein Ort zum Lernen. Auch wenn mir mein erster Test schwer gefallen ist, kann ich jetzt mit Stolz sagen, dass ich super zurechtkomme und die Schule mir hier trotz der Sprachumstellung nicht schwer fällt!

Bisher habe ich eine unfassbar tolle Zeit hier und verstehe mich auch super mit meiner Gastfamilie. Witzig ist, dass meine Gastschwester Hailey nur drei Tage nach mir Geburtstag hat und wir so gemeinsam feiern konnten. Gerade für mich war das eine sehr besondere Situation, da ich es gewohnt bin, mit meinem Zwillingsbruder in Deutschland zusammen Geburtstag zu feiern. Auch beim amerikanischen „Trick or Treat“ (Süßes oder Saures) an Halloween hatte ich zusammen mit meinem jüngeren Gastbruder Carson viel Spaß und viel Erfolg. Hier feiert man Halloween jedoch intensiver als in Deutschland, selbst die Schule veranstaltet einen Kostümwettbewerb.

Bald schon erlebe ich dann mein allererstes amerikanisches Thanksgiving und ich kann es kaum erwarten davon zu berichten.

Nina Terwort (rechts) und ihr Gastbruder Carson waren an Halloween für den beliebten Brauch „Trick or Treat“ („Süßes oder Saures“) unterwegs.
Nina Terwort (rechts) und ihr Gastbruder Carson waren an Halloween für den beliebten Brauch „Trick or Treat“ („Süßes oder Saures“) unterwegs. FOTO: Nina terwort / Nina Terwort
Hailey Gengelball (l.), eine Freundin aus dem Cheerleading-Team, und Nina Terwort bei der alljährlichen Homecoming-Zeremonie.
Hailey Gengelball (l.), eine Freundin aus dem Cheerleading-Team, und Nina Terwort bei der alljährlichen Homecoming-Zeremonie. FOTO: Nina Terwort
Gastbruder Isaac Scheller wurde auserkoren, Nina Terwort zum „Homecoming-Court“ zu geleiten.
Gastbruder Isaac Scheller wurde auserkoren, Nina Terwort zum „Homecoming-Court“ zu geleiten. FOTO: Nina Terwort
In dem Cheerleading-Team an ihrer Hioghschool fühlt sich Gastschülerin Nina Terwort pudelwohl.
In dem Cheerleading-Team an ihrer Hioghschool fühlt sich Gastschülerin Nina Terwort pudelwohl. FOTO: Nina Terwort