Mit der Badehose ins letzte Gefecht

Losheim. Am Westufer des Losheimer Stausees zieht der Nebel ab, bald beginnt die Aufgabe. Gegenüber, links hinter den Bäumen, liegt der Feind. Rechts, in Höhe Seehotel, lauern seine Sympathisanten. An ihnen führt kein Weg vorbei, das wäre zu gefährlich, erklärt Oberleutnant Björn Langfeldt. Seinen anrückenden Männern bleibt nur der direkte Weg durch den See. Die 6

Losheim. Am Westufer des Losheimer Stausees zieht der Nebel ab, bald beginnt die Aufgabe. Gegenüber, links hinter den Bäumen, liegt der Feind. Rechts, in Höhe Seehotel, lauern seine Sympathisanten. An ihnen führt kein Weg vorbei, das wäre zu gefährlich, erklärt Oberleutnant Björn Langfeldt. Seinen anrückenden Männern bleibt nur der direkte Weg durch den See. Die 6. Kompanie des Fallschirmjägerbataillons 261 der Luftlandebrigade 26 (Saarlandbrigade) rüstet zur Gewässerüberquerung - und läutet die vorläufig letzte Rekrutenbesichtigung im Land ein.Feinde oder Kollaborateure machen natürlich nicht mit. "Aber so kann man sich besser in die Lage versetzen", sagt Langfeldt. 40 Prozent seiner 47 Rekruten haben sich verpflichtet, 60 Prozent leisten freiwilligen Wehrdienst. Sie sind die Letzten von tausenden Jung-Soldaten, die ihre Grundausbildung im Saarland nun mit der praktischen Prüfung abschließen. "Wegen der Bundeswehrreform wird die Luftlandebrigade 26 künftig nur noch am Standort Zweibrücken Rekruten ausbilden", erklärt Hauptmann Stefan Müller, Presseoffizier der Brigade. "Das gilt vorerst bis zum Ende der Umstrukturierung 2015." Danach gebe es vielleicht ja wieder eine Grundausbildung im Saarland.

Die begann, als die Fallschirmjäger 1961 nach Lebach kamen. Seither wurden pro Jahr und Standort geschätzt 400 Rekruten ausgebildet, wenn auch nicht immer in allen drei Kasernen Merzig, Lebach und Saarlouis. Aber: "Allein 20 000 könnten es in den 51 Jahren in Lebach gewesen sein", schätzt Müller. Unterdessen sind die 47 Männer des Fallschirmjägerbataillons 261 auf ihrem Gefechtsmarsch am Stausee eingetroffen - unter ihnen eine Frau, die keine Rekrutin mehr ist, aber den Marsch wiederholt. Ihre dreitägige Abschlussprüfung kann beginnen. Bis Mittwoch werden alle geprüft, vorwiegend auf dem Übungsplatz in Steinbach. Mit "echter" Feindsimulation. Die Gewässerüberquerung in Losheim ist nur ein "Zusatz", sagt Langfeldt; die Übung gehört eigentlich zur Weiterbildung. "Wir haben sie eingebaut, weil wir hier optimales Gelände haben. Und um unseren Rekruten etwas Besonderes zu bieten."

Bevor es ins Wasser geht, verpacken die Soldaten ihr 20-Kilogramm-Marschgepäck in Gummiponcho und Zeltbahn. "Sieht gut aus", lobt Langfeldt. Rekrut André Mironov ist aufgeregt. "So etwas in der freien Natur haben wir ja noch nicht gemacht", sagt der 20-Jährige aus Nordrhein-Westfalen, der bei der Bundeswehr bleiben will. Dann wird es ernst: In blauen Badehosen (Langfeldt: "Nur für die Übung, ansonsten wären sie besser getarnt") werfen die Kameraden sich und ihre Gepäckbündel in den See - und schwimmen ans andere Ufer. Zügig und geordnet, mitten ins Feindesland. kes