| 20:26 Uhr

Kappensitzung
Malle-Flair und singende Lauserten

Beim Frühstück der Familie Sacksodick läuft im modernen Haushalt alles nur über den Amazonen Alex, der auf jede Frage eine Antwort hat. Das närrische Publikum hatte daran seinen Spaß.
Beim Frühstück der Familie Sacksodick läuft im modernen Haushalt alles nur über den Amazonen Alex, der auf jede Frage eine Antwort hat. Das närrische Publikum hatte daran seinen Spaß. FOTO: Werner Krewer
Scheiden. Ballermann-Stimmung herrschte im Scheidener Bürgerhaus bei der Kappensitzung der Schäder Faasendboozen. Der Saal stand Kopf.

Neuerdings macht das Scheidener Bürgerhaus dem Ballermann Konkurrenz: Litergläser mit überlangen Strohhalmen, gefüllt mit abenteuerlich gefärbten Flüssigkeiten zierten die Tische bei der Kappensitzung der Schäder Fösendsboozen. Wie immer zur närrischen Zeit, stand das ganze Dorf wieder einmal Kopf.


Eine Gangsterbande stürmte die Bühne und wurde von zwei feschen Polizisten in Schach gehalten, das Schautanzpaar legte einen feschen Boogie aufs Parkett und die Prinzengarde entführte das Publikum in Alices Wunderland. Funkenmariechen Singa von Pidoll war in der vergangenen Session in den „Ruhestand“, beziehungsweise ins Erwachsenenalter eingetreten, aber sie hatte, wie versprochen, für Nachwuchs gesorgt und trainiert jetzt zwei talentierte Nachfolgerinnen.

Plötzlich wurde es im Saal ein paar Grad kälter. Zwei umwerfend coole Motorradfahrer betraten die Bühne. „Ich bin der, vor dem euch eure Eltern immer gewarnt haben“, stellte sich der erste vor. Dann tauschten die beiden ihre Abenteuer aus, die nicht immer so prickelnd waren, wie sie es gerne gehabt hätten. Die beiden standen zum dritten Mal in der Bütt und ihre umwerfende Komik brachte das Publikum zum Toben.



Die Scheidener Bürger gehen mit der Zeit: Eine Familie hatte sich sogar einen „Amazonen-Alex“ angeschafft, mit dem ihre Mitglieder kommunizieren können, wenn es miteinander nicht so richtig klappt. Ob es der Preis für eine neue Schwester war, die Frage, warum Männer morgens immer hinter ihrer Zeitung verschwinden müssen, oder was das Horoskop des Tages bereithält – Alex wusste auf alles eine Antwort.

Ein „ausgebildeter Kranker“ demonstrierte, wie man auch den geduldigsten Arzt zur Raserei bringen kann, und Präsident Devid Hero agierte treu nach dem Wahlspruch: „Es trinkt der Mensch, es säuft das Pferd – in Scheiden ist es umgekehrt.“

Nach der Pause war dann wirklich Ballermann angesagt. Da standen die Eimer zum Komasaufen auf der Bühne, und bei dem Hitmix „Malle ist nur dreimal im Jahr“ wurden bei vielen Gästen wilde Urlaubserinnerungen wach. Der stimmgewaltige Männerchor „Jeder kann singen“ hatte sich in diesem Jahr in eine Horde frecher Schulbuben verwandelt, die Lehrer Hans Hamel kaum zu bändigen wusste. Als Rache verteilte er in der Pause Limo („Pfui!“) und Milch („Igittigitt!“). Wenn man diesen Sängerknaben zuhört, kann man kaum glauben, dass sie nur einmal im Jahr als Chor zusammentreten.

Um einen „schrecklich netten Urlaub“ ging es bei Erna und Helmfried. Überhaupt konnte man die ganze Kappensitzung als eine Art Urlaub betrachten: Frei vom Alltagsstress saßen die Leute da, hielten sich vor Lachen die Bäuche und gingen nach dem großen Finale zwar nicht mehr ganz gerade, dafür aber mit superguter Laune nach Hause.

(eil)