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Losheim
Echte Chance trotz Behinderung

 (Von links) Jannik und David Gleser, Marcus Weber und Jürgen Haßdenteufel.
(Von links) Jannik und David Gleser, Marcus Weber und Jürgen Haßdenteufel. FOTO: Dieter Ackermann
Losheim am See. Losheimer Betrieb gibt drei jungen Männern mit Handicap eine berufliche Perspektive. Das war dem Chef der Arbeitsagentur einen Besuch wert.

Seit einiger Zeit bereite es ihm wieder richtig Spaß, die monatlichen Zahlen vom Arbeitsmarkt zu veröffentlichen. Und Jürgen Haßdenteufel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Saarland, fasst das aktuelle Zahlenwerk so zusammen: „Hier im Saarland haben wir schon wieder fast die Vollbeschäftigung erreicht.“ Allein die Job-Chancen für Menschen mit Behinderung ließen noch sehr zu wünschen übrig. Dass es aber durchaus auch in diesem Bereich positive Aspekte zu vermelden gibt, sei letztlich der Grund, warum er an diesem Tag in Losheim die Firma Garten- und Landschaftsbau Frank Schäfer besucht.


Im Gepäck hatte Haßdenteufel nämlich das Zertifikat für erfolgreiche Inklusion, das er in Losheim dem Firmenchef Frank Schäfer überreichte. Der Ausgezeichnete hörte dem Chef der Arbeitsagentur zustimmend zu, als der versicherte: „Menschen mit Behinderung haben es im Vergleich zu Nichtbehinderten leider immer noch schwerer, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Dabei sind diese Jobsuchenden nicht weniger leistungsfähig. Vielmehr sind sie – richtig eingesetzt – sehr motivierte Mitarbeiter, die ihre Chancen gerne nutzen.“

Richtig überzeugen musste Haßdenteufel den Losheimer nicht, denn dieser hatte erst vor einem Jahr einen schwerbehinderten jungen Mann als Helfer im Gartenbau eingestellt. Und gerade vor kurzem hatte Schäfer zwei Absolventen nach einer erfolgreich abgeschlossenen Reha-Ausbildung übernommen. Das Besondere dabei: Die beiden behinderten Zwillinge erhielten sogar unbefristete Einstellungsverträge. Der oberste Jobvermittler des Saarlandes vergaß in diesem Zusammenhang auch nicht den Hinweis darauf, dass das Losheimer Unternehmen aufgrund seiner Betriebsgröße (neun Mitarbeiter) nicht einmal den gesetzlichen Vorgaben entsprechen müsste, schwerbehinderte Arbeitnehmer einzustellen.



Der so gelobte Firmenchef sieht sich inzwischen durch die bereits gemachten positiven Erfahrungen mit seinen insgesamt drei behinderten Mitarbeitern bestätigt. Schäfer: „Uns liegen in unserem Garten- und Landschaftsbaubetrieb alle Mitarbeiter am Herzen. Alle sind pünktlich und zuverlässig. Wir können uns auch auf unsere drei Behinderten verlassen: Die treten ausnahmslos morgens pünktlich zur Arbeit an.“ Am Rande wies er noch darauf hin, dass er zuletzt eigentlich nur einen Mitarbeiter nach abgeschlossener Reha-Ausbildung einstellen wollte. Als er dann aber erfahren habe, dass der ausgewählte Kandidat noch einen Zwillingsbruder mit der gleichen Qualifikation hat, „da bin ich über meinen Schatten gesprungen und habe gleich beide (David und Jannik Gleser) unbefristet übernommen.“ Darüber freut sich insbesondere auch Doris Klein, die beide Zwillinge zuvor in der Reha-Ausbildung betreut hatte.

„Damit ist die Firma Schäfer ein Vorbild für andere Betriebe und hat sich diese Auszeichnung – das Zertifikat für erfolgreiche Inklusion – mehr als verdient“, versicherte Haßdenteufel. Im selben Atemzug erinnerte er daran, dass dieses Unternehmen kurz zuvor bereits den Inklusionspreis des Saarlandes 2018 gewonnen habe. (Die SZ berichtete bereits.)

So viel zu den Ausführungen der Unternehmensführung sowie der Agentur für Arbeit. Wir wollten aber auch noch kurz mit den jungen Menschen sprechen, die sich trotz ihrer Behinderung über ihre neue Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt freuen dürfen. Also ging’s mit dem Chef der Agentur auf nach Körprich, wo alle drei mit ihren Kollegen aktuell im Landschaftsbau die Spaten schwingen und die Schubkarren schieben. Dort angetroffen haben wir ein junges Team, dem die Arbeit – ausnahmsweise sogar unter blauem Himmel – offensichtlich Spaß bereitet. Marcus Weber, David Gleser sowie sein Zwilling Jannik versicherten bei dieser Gelegenheit, sich bei ihrem Job zusammen mit den übrigen Kollegen wirklich wohlzufühlen. Und diese Auskunft war nicht zuletzt deshalb besonders glaubwürdig, weil ihr Chef zu diesem Zeitpunkt längst schon wieder zu einem anderen Termin gerufen worden war.