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Losheimer Achim Laub leistet touristische Pionierarbeit in Ruanda

Losheim : Neue Premiumwege im Land der 1000 Hügel

Losheimer Achim Laub leistet Pionierarbeit beim Aufbau des Wandertourismus in dem ostafrikanischen Staat Ruanda.

In dem ostafrikanischen Staat Ruanda wird Pionierarbeit in Sachen Tourismus geleistet: Noch in diesem Jahr sollen dort die ersten drei Premiumwanderwege eingeweiht werden. Daran beteiligt ist ein Wander-Experte aus Losheim: Achim Laub, ehemals beim Eigenbetrieb Touristik der Stausee-Gemeinde beschäftigt und dort als einer der „Väter“ des Premiumwanderns im Saarland auch bundesweit bekannt geworden. Vor kurzem hat sich Laub zusammen mit weiteren Fachleuten in Ruanda aufgehalten, um auch dort zu helfen, diese Form des sanften Tourismus zu etablieren. Der kleine ostafrikanische Staat, bekannt als „Land der 1000 Hügel“, gehörte von 1871 bis 1918 zur damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika. In die weltweiten Schlagzeilen kam Ruanda im Jahr 1994, als innerhalb weniger Wochen in einem grausamen Genozid mehr als 900 000 Angehörige der Bevölkerungsgruppe der Tutsi von den verfeindeten Hutu ermordet wurden.

In den folgenden Jahren gelangen sowohl eine Aufarbeitung dieser Verbrechen als auch ein bemerkenswerter wirtschaftlicher Aufschwung, der bis heute anhält. Ruanda ist zwar, insbesondere im ländlichen Bereich, noch arm, aber eine Aufbruchsstimmung ist angesichts der allgemeinen Entwicklung unübersehbar. Seit dem Jahr 1984 gibt es eine sehr lebendige Länderpartnerschaft zwischen unserem Nachbarbundesland Rheinland-Pfalz und Ruanda. In zahlreichen Projekten und Partnerschaften zwischen Schulen, Bildungseinrichtungen, Kommunen Universitäten und weiteren Initiativen wurden viele gute Projekte auf den Weg gebracht.

Im Rahmen des Besuchs einer Wirtschaftsdelegation aus Rheinland-Pfalz unter Leitung von Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing im Jahr 2018 in Ruanda wurde auch über Kooperationen im Tourismus gesprochen, denn Ruanda möchte in den nächsten Jahren den Tourismus zu einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren ausbauen.

Da Ruanda aufgrund seines ganzjährig günstigen Klimas mit Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad in einer sehr grünen, fruchtbaren gebirgigen Landschaft in einer Durchschnittshöhe von über 1000 Metern optimal zum Wandern geeignet ist, formulierte man gegenüber Rheinland-Pfalz den Wunsch nach Unterstützung für den Ausbau zertifizierter Wanderwege, die für Touristen aus Europa geeignet sind.

Dr. Walter Bersch, Bürgermeister von Boppard, verwies als Teilnehmer der Delegation auf die guten Erfahrungen mit dem Saar-Hunsrück-Steig und den an ihn angrenzenden Traumschleifen und schlug Achim Laub als Experten für die Planung und Umsetzung solcher Wege in Ruanda vor. Kurz danach erreichte Laub eine Anfrage von der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ), welche solche Projekte in Ruanda unterstützt.

Über die in Bonn ansässige Organisation „Senior Experten Service“ (SES), die weltweit ehrenamtlich Experten in sinnvolle Entwicklungsprojekte entsendet, wurde das Projekt konkret, und Achim Laub absolvierte zwischen dem 16. Februar und dem 4. März seinen ersten Einsatz. Ruanda ist weltweit durch seine Gorillas im Virunga-Nationalpark bekannt. Dort ist schon ein lebhafter Tourismus entstanden. Allerdings bleiben die meisten Gäste nur kurz zum Besuch der Gorillas als Abstecher aus den benachbarten Ländern Uganda und Tansania in Ruanda.

Die ruandische Regierung möchte durch verschiedene Projekte sowohl die Anzahl der Touristen deutlich erhöhen als auch deren Aufenthaltsdauer verlängern. Bausteine dieser Strategie sind die beiden anderen Nationalparks und das reichhaltige kulturelle Erbe Ruandas sowie das Wandern. In der Region um den Kiwu-See ist bereits der Kongo-Nil-Trail als Fernwanderweg in Entwicklung.

Laubs Auftrag bestand darin, zusammen mit den lokalen Mitarbeitern der ruandischen Museumsorganisation in der 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Kigali gelegenen Kleinstadt Nyanza touristische Wanderwege zu entwickeln. Nyanza war bis zum Jahr 1950 die Hauptstadt des Königreichs Ruanda. Es gibt dort mehrere ehemalige Königspaläste, ein Mausoleum, in dem die letzten Könige begraben sind, sowie eine interessante Museumslandschaft, in der die royale Geschichte Ruandas anschaulich vermittelt wird.

Robert Masozera, der Direktor der Museen in Ruanda, entwickelte die Idee, diese Museumslandschaft mit hochwertigen Wanderwegen noch besser für den Tourismus zu erschließen und so die bisher sehr kurze Aufenthaltsdauer zu erhöhen.

Der Auftrag für Achim Laub bestand darin, im ersten Schritt mit den Mitarbeitern der Museumsorganisation drei touristisch relevante, attraktive Wege zu entwickeln. Das war nicht einfach, da Nyanza zwar in einer sehr grünen, hügeligen, landwirtschaftlich geprägten, aber zugleich dicht besiedelten Region liegt. Die Gegend ist geprägt von unzähligen sehr kleinen Gehöften wo jeweils eine Familie Ackerbau (vor allem Bananen, Gemüse) und Viehzucht (vor allem Ziegen und Hühner) hauptsächlich zum Eigenbedarf betreibt.

Gleich am ersten Tag brach Laub mit seinem Erkundungsteam bestehend aus dem lokalen Chef der Museumsorganisation, einem Dolmetscher, einem Fahrer und lokalen Guides auf. Zuerst inspizierte man die Umgebung und die touristisch interessanten Punkte, um dann geeignete Streckenführungen zu finden. Innerhalb kurzer Zeit wurden detaillierte Streckenführungen für drei Premiumwege gefunden. Der acht Kilometer lange „Royal-Trail“ wird mit einer perfekten Anbindung aller royalen Einrichtungen und einer abwechslungsreichen Streckenführung der Leitweg. Der sieben Kilometer lang „Big-View-Trail“ führt auf einen Berg, der eine Rundumsicht auf das halbe Land bietet. Der 15 Kilometer lange „Gatagara-Trail“ schließlich entführt die Wanderer in das ländliche Ruanda. Alle Wege starten und enden an den beiden großen Hotels in Nyanza.

Der besondere und einmalige Reiz der Wege besteht nach Darstellung Achim Laubs darin, „dass die Wanderer neben attraktiver Natur und Kultur ein authentisches ländliches Leben und Arbeiten ohne die sonst üblichen touristischen Inszenierungen erleben können“.

Früherer Königspalast aus dem Jahr 1932 am Royal-Trail, heute beherbergt das Gebäude eine Kunstgalerie. Foto: Achim Laub
Achim Laub (rechts) besichtigt zusammen mit einem einheimischen Begleiter einen Teil eines historischen Königspalastes im King’s Palace Museum. Foto: Achim Laub
Mitten durch die immergrüne Landschaft Ruandas führt dieser Pfad am Royal-Trail. Foto: Achim Laub
Nach soviel Lob gönnten sich der Losheimer Touristik-Fachmann Achim Laub und Gudrun Rau, Geschäftsführerin des Naturparks Saar-Hunsrück, einen Schnaps. Foto: Erich Brücker Foto: Erich Brücker

Beim Abschlussgespräch einigte man sich darauf, dass die ersten drei Premiumwege schon im November 2019 eröffnet werden. Sie werden einer der Programmbausteine für einen Wander- Natur- und Kultururlaub in Ruanda. Achim Laub zeigt sich nach seiner Rückkehr überzeugt, dass die Wege ein erfolgreicher Baustein für die erfolgreiche Entwicklung des Tourismus werden. Denn, so der Losheimer Wanderexperte: „Ruanda ist ein schönes, sicheres und sehr sauberes Land.“