Losheim: Helmut Harth will als unabhängiger Kandidat neuer Bürgermeister werden

Niederlosheim : Sein „langer Marsch“ soll im Rathaus enden

Er hat ein großes Ziel: Helmut Harth will als unabhängiger Kandidat neuer Bürgermeister in der Gemeinde Losheim am See werden.

Wer sich mit Helmut Harth unterhält, merkt schnell: Der Mann brennt für sein großes Ziel. Am kommenden Sonntag will der 56-Jährige zum neuen Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Losheim am See gewählt werden – als unabhängiger Kandidat, ohne die Unterstützung einer der großen, etablierten Parteien in der Stausee-Kommune.

Und auf dieses Ziel hat der Diplom-Geograph sich seit gut einem Jahr generalstabsmäßig vorbereitet. Er hat ein Wahlprogramm erarbeitet, das fünf zentrale Ziele und daraus resultierend fünf Leitmotive skizziert, die er als neuer Verwaltungschef in Losheim umsetzen möchte. „Dafür habe ich im Vorfeld unzählige Gespräche geführt, mit Unternehmern, Gewerbetreibenden und vielen anderen Menschen aus der Gemeinde“, sagt Harth, der gerne betont, wie wichtig für ihn die parteipolitische Unabhängigkeit ist: „Ich wollte dagegen ankämpfen, dass wieder jemand über die Parteischiene in dieses Amt gehievt wird.“ Dabei war er durchaus schon kommunalpolitisch aktiv: Von 1984 bis 1989 saß er als parteiloses Mitglied für die Grünen im Losheimer Ortsrat, von 1989 bis 1994 in gleicher Konstellation auch im Gemeinderat. Danach aber stellte er sein politisches Engagement zurück zu Gunsten seiner Aktivitäten im Bereich Natur- und Umweltschutz: Er war 1985 Gründer der Ortsgruppe Losheim des Naturschutzbundes NABU, später übernahm er Aufgaben im NABU-Landesvorstand. Seit 2014 steht er an der Spitze der mittlerweile fusionierten, über 500 Mitglieder starken NABU-Ortsgruppe Weiskirchen-Losheim. Von 1988 bis 2003 war er Mitglied im Vorstand der Naturlandstiftung Saar. Dazu kommen weitere Funktionen und Aufgaben im Bereich Landschaftsentwicklung und Landschaftspflege, etwa im Beirat für Naturschutz beim Landkreis Merzig-Wadern, im Nachhaltigkeitsrat der Tourismuszentrale Saar oder im Beirat des neuen National­parks Saar-Hunsrück.

Dieser enge Bezug zu Natur und Umwelt, das Bewusstsein für die komplexen Wechselwirkungen innerhalb gesellschaftlicher, ökologischer oder auch wirtschaftlicher Systeme spiegeln sich in seinen Zielen für die Stausee-Gemeinde wider: Viel ist da von Nachhaltigkeit die Rede, von Vernetzung, vom Einklang von Ökologie, Ökonomie und sozialer Gerechtigkeit. Die Inspirationen für seine Ideen hat sich Harth unter anderem auf zahlreichen Reisen („als Geograph reist man gerne“) geholt: „Durch intensives Lesen und bewusstes Reisen in viele Länder, durch Studium und Fortbildungen habe ich eine globalere und langfristige Betrachtungsweise für mein Leben, aber auch die politischen, ökonomischen und ökologischen Geschehnisse entwickelt.“ Die will er auch als Bürgermeister zur Maxime seines Handelns machen und seine Heimatkommune „zur führenden saarländischen Modellgemeinde“ weiterentwickeln.

Dabei sind ihm zwei Säulen ganz wichtig, betont der unabhängige Kandidat: die Familie und das Dorf. „Ich hatte selbst fünf Geschwister, meine eigene Familie besteht aus fünf Kindern – ich weiß, wie es im Familienleben zugeht“, sagt Harth. Darum will er sich als Verwaltungschef auch dafür stark machen, dass Familien in der Gemeinde gute Strukturen vorfinden, wie er sagt. Noch eines ist für Harth klar: Zwar ist Losheim selbst als Kernort das unumstrittene wirtschaftliche und touristische Zentrum der Gemeinde, das es zu stärken gelte. Aber ebenso solle das Leben in den Ortsteilen attraktiv bleiben, betont der gebürtige Losheimer, der sich im benachbarten Niederlosheim im früheren Pfarrhaus ein häusliches Idyll eingerichtet hat. Und dabei viel selbst Hand angelegt hat, wie Harth betont: Er nennt die Gartenarbeit als eines seiner Hobbys, ist seit 20 Jahren Vorstandsmitglied im örtlichen Obst- und Gartenbauverein. Daneben betätigt sich der 56-Jährige gerne sportlich, ist passionierter Wanderer und Wandergruppenleiter für den Deutschen Alpenverein, hat sich zudem 20 Jahre dem Marathonlauf gewidmet. Eine Art Marathon hat er seit dem Frühjahr auch in Sachen Wahlkampf auf sich genommen: Harth war nach eigenen Angaben an jeder Haustür in der Gemeinde, um sich den Bürgern vorzustellen. Dieser „lange Marsch“ durch die Gemeinde wurde ergänzt durch Wanderungen über die Losheimer Premiumwanderwege, zu denen der Kandidat eingeladen hatte.

Harth zeigt wenig Zweifel daran, dass er sich der neuen Aufgabe, die er anstrebt, gewachsen fühlt: „Ich war 24 Jahre Stadtplaner, habe Verwaltung von der Pike auf gelernt. Ich weiß, wie eine Verwaltung tickt.“ Er wolle mit seiner Bereitschaft, diesen Job zu übernehmen, seiner geliebten Heimatgemeinde und deren Menschen etwas zurückgeben als Dank für das glückliche und wertvolle Leben, das er selbst bisher genießen durfte, sagt Harth. „Ich will mich noch einmal so richtig reinwerfen für die Gemeinde, gerade im letzten Abschnitt meines Berufslebens.“

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