Losheim hält Museumsbahn unter Dampf

Der Gemeinderat von Losheim hat 95 000 Euro für die Sanierung der Trasse der ehemaligen Merzig-Büschfelder Eisenbahn (MBE), die heute vorwiegend von der Losheimer Museumsbahn genutzt wird, freigegeben. Gleichzeitig fordern Rat und Verwaltung in Losheim von Landkreis und Kreisstadt Merzig finanzielle Unterstützung bei der künftigen Unterhaltung der Bahnstrecke, die bislang von der Gemeinde mit Unterstützung des Landes gestemmt wird.

Die Museums-Eisenbahn von Losheim bis Merzig ist mit ihren Dampflokfahrten mit historischen Lokomotiven und Personenwagen von großer touristischer Bedeutung für den gesamten Kreis. Viele Urlauber mit Kindern nutzen die Gelegenheit einer Mitfahrt. Damit aber Fahrten des Museums-Eisenbahn-Clubs (MECL) überhaupt stattfinden können, gilt es, die Gleisanlagen in einem betriebsfähigen Zustand zu halten.

Bis heute hat vorwiegend die Gemeinde Losheim am See diese jährlich notwendigen Unterhaltungsmaßnahmen allein finanziert. Es stehen zukünftig erhebliche Investitionen in die Bahn- und Gleisanlagen an, die die finanziellen Möglichkeiten der Seegemeinde weit überfordern werden. Die Kommune hat seit dem Jahr 2000 mehr als 430 000 Euro in die Gleisanlagen investiert. Für das Jahr 2016 müssen 95 000 Euro in die Weichen- und Streckensanierung investiert werden. Es werden weitere unumgängliche Investitionen in den folgenden Jahren 2017 und 2018 in Höhe von 300 000 Euro erwartet.

Vor einem Jahr schon beschloss der Gemeinderat von Losheim die Aufrechterhaltung der ehemaligen MBE-Strecke als Nebenbahn, allerdings unter der Voraussetzung, dass Zuschüsse von Seiten des Ministeriums für Inneres und Sport, des Landkreises Merzig-Wadern und der Stadt Merzig fließen. Zu den besagten Kosten für die jetzt anstehenden Instandsetzungsarbeiten in Höhe von rund 400 000 Euro hat das Ministerium eine Beteiligung von 50 Prozent in Aussicht gestellt, zudem aufgrund der Dringlichkeit einem vorzeitigen Maßnahmenbeginn zugestimmt. In der jüngsten Ratssitzung hat der Losheimer Gemeinderat im ersten Bauabschnitt notwendige Maßnahmen zur Ausführung bis zu einer Gesamtsumme von 95 000 Euro beschlossen.

Hierzu gehören die Überholung von Weichen im Bahnhof Losheim , an der Dellborner Mühle und im Bahnhof Niederlosheim sowie das Auswechseln von etwa 350 Schwellen auf der Strecke zwischen Losheim und Bachem. In den Folgejahren fallen die Durcharbeitung von Weichen in den Bahnhöfen Bachem und Brotdorf und das Auswechseln von rund 2700 Schwellen an. Außerdem erteilte der Rat nochmals den Auftrag an die Verwaltung, eine Beteiligung an den Unterhaltungs- und Sanierungskosten zur Aufrechterhaltung des Bahnverkehrs eindringlich beim Landkreis und bei der Stadt Merzig einzufordern. "Die Museumseisenbahn ist von großer touristischer Bedeutung für den gesamten Landkreis", begründete Bürgermeister Lothar Christ diese Forderung.

Aus diesem Grunde sollten Gemeinde, Kreisstadt und Landkreis nach Ansicht von Christ kooperieren, "um dieses kulturhistorisch und touristisch wichtige Kleinod zu erhalten". Die Museumseisenbahn des MECL locke jährlich über 10 000 Gäste zu ihren Fahrten auf der unter Denkmalschutz stehenden Strecke, ergänzte der Bürgermeister, und stelle für den Landkreis Merzig Wadern "ähnlich den eigenen Einrichtungen wie Museum Schloss Fellenberg in Merzig, Archäologiepark Römische Villa Borg in Perl und Burg Montclair in Mettlach ein touristisch bedeutendes Alleinstellungsmerkmal dar". Im Sinne einer Gleichbehandlung sei daher eine Unterstützung der Museumseisenbahn durch den Kreis sehr gerechtfertigt. Bislang fließen nach seinen Angaben jährlich 25 000 Euro von der der Kulturstiftung des Kreises als Unterhaltungszuschuss.

"Der Landkreis macht viel zu wenig"

Fraktionen im Losheimer Rat fordern mehr finanzielle Unterstützung zur Unterhaltung der Bahntrasse


Der Gemeinderatsmitglieder befürchten das Aus für die Museums-Eisenbahn, wenn sich der Landkreis und die Kreisstadt Merzig nicht stärker an den Unterhaltungs- und Sanierungskosten für die Strecke beteiligen.

Da die Fahrten der Museums-Eisenbahn aus touristischer Sicht auch der Stadt Merzig zu Gute kommen, sollte auch von dort eine Beteiligung an den Unterhaltungs- und Sanierungskosten zur Aufrechterhaltung des Bahnverkehrs erfolgen, so lautete die mehrheitliche Forderung des Gemeinderates. "Es gilt noch immer die Aussage von vor einem Jahr, dass eine weitgehende Stilllegung der Strecke unumgänglich wird, was das drohende Aus für die Museumsbahn bedeutet, wenn sich Landkreis und Kreisstadt nicht stärker finanziell beteiligen", betonte Norbert Müller, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Gemeinderat. Mit der Unterstützung der Instandhaltung der Bahntrasse würde ein wertvoller Beitrag geleistet zum Erhalt des Kulturgutes historische Eisenbahn.

"Die GALL", sagte ihr Fraktionsvorsitzender Joachim Selzer, "hat in den letzten Jahren immer zur Sanierung der Strecke gestanden, aber langsam wird das Ganze doch ein Fass ohne Boden. Landkreis und Land betonen den hohen touristischen Wert der Museumseisenbahn , aber der Landkreis macht dafür viel zu wenig." Selzer mahnte: "Wenn seitens des Landkreises und von Sponsoren nicht bald ein deutliches und starkes Signal mit einer kräftigen finanziellen Unterstützung kommt, werden wir für den mittelfristigen Stopp der Unterhaltungsarbeiten und damit für die Einstellung des Bahnverkehrs plädieren." Denn die 25 000 Euro pro Jahr von der Kulturstiftung seien viel zu wenig.

Auch Alfons Traut, SPD-Fraktionsvorsitzender, fordert Landkreis und Stadt auf, sich an den Sanierungskosten zu beteiligen. "Die SPD-Fraktion weiß um die touristische Bedeutung der ehemaligen MBE-Bahnstrecke und unterstützt daher alle Bemühungen zum Erhalt dieser Strecke." Während das Saarland und die Gemeinde Losheim am See in den vergangenen Jahren erhebliche Mittel in die Hand genommen hätten, um den Bahnverkehr auch für die Zukunft zu sichern, ziere sich der Landkreis bei der Bezuschussung dieser überregionalen Maßnahme, kritisiert Traut. "Während einzelne Projekte wie zum Beispiel das Schloss Fellenberg in Merzig, die Burg Montclair in Mettlach oder die Villa Borg in Perl ausschließlich über den Landkreis finanziert werden, lässt man die Gemeinde Losheim am See, genauso wie auch beim Stausee, die gesamte Zeche mehr oder weniger alleine bezahlen."

Ungeteilte Zustimmung

Der von der Stadt Merzig ins Gespräch gebrachte kombinierte Bahn-/Radweg, der als innovatives Zukunftsprojekt erheblich bezuschusst werden könnte, finde aus Sicht der Losheimer SPD-Fraktion ungeteilte Zustimmung und "kann als Beitrag von Merzig zur dauerhaften Sicherung des Schienenverkehrs betrachtet werden".