Landgut Girtenmühle bei Britten will Mensch und Natur in Einklang bringen

Camping in Britten : Ein Leben im Einklang mit der Natur

Das Ziel, mehr mit der Natur im Einklang zu leben, hat drei junge Niederländer dazu gebracht, von ihrer Heimatstadt Amsterdam auf das Landgut Girtenmühle bei Britten umzuziehen.

Kommen drei Holländer in ein Gasthaus. Was sich zunächst wie der Anfang eines schlechten Witzes anhört, ist in Wahrheit ein Neuanfang für das Landhaus Girtenmühle bei Britten. Die Amsterdamer Dominique Brouwer, Vincent Rentenaar und Gidi van de Belt haben das Gasthaus Girtenmühle und die dazugehörige Campinganlage vor rund drei Jahren gekauft. Das Landhaus Girtenmühle haben sie mit Unterstützung von Gidi van de Belts Vater Wim van de Belt um- und ausgebaut. Gutes wollen sie hier tun, für Mensch und Natur, wie Vincent Rentenaar erklärt. Als „vier Idealisten“ beschreiben sie sich selbst, „die versuchen, die Welt ein bisschen zu verändern“. „Für uns fühlte es sich so an, als würde sich unsere eigene Welt nicht schnell genug ändern, und wir haben uns entschieden, etwas dagegen zu tun“, sagt Vincent Rentenaar.

Um die Girtenmühle war es lange Zeit nicht gut bestellt gewesen. In den Jahren zuvor hatten immer wieder die Pächter gewechselt, die Gaststätte hatte keinen guten Ruf. Die Betreiber-Gesellschaft von Wim van de Belt kaufte die Girtenmühle 2016 in einer Zwangsversteigerung für rund 200 000 Euro auf. Die Pferdepension nebenan, das Reitsportzentrum Girtenmühle, gehört jedoch nicht mehr zum Landhaus und Campingplatz Girtenmühle.

Im Spielzimmer können die Gäste entspannen. Foto: Martin Trappen

Doch warum verlassen drei junge Männer ihre Heimatstadt und lassen sich fernab bei uns im Saarland nieder? Die Drei verbindet eine Lebensphilosophie, die sie hier verwirklichen wollen, sagen sie. „Enttäuscht von der Politik, der sozialen Ungerechtigkeit und dem Umgang mit der Umwelt, fühlten wir den Drang, einen Unterschied zu machen“, so beschreibt es Dominique Brouwer. „Wir kamen zu dem Ergebnis, dass wir nicht mehr Teil dieses Systems sein wollten, sondern einen sicheren Hafen brauchen, wo wir gemeinsam lernen und lehren können, unsere Lebensvorstellungen umsetzen können“, sagt Gidi van de Belt. „Wir wollen hier einen sozialen Treffpunkt kreieren, in dem Leute aktiv mitwirken und inspiriert werden, im Gleichgewicht mit der Natur zu leben.“

„Wir wollten eine Kommune, eine Gemeinschaft aufbauen“, sagt Vincent Rentenaar, „wir haben daher einen Platz in der Natur gesucht, der nicht allzu weit von unserer Heimat entfernt liegt.“ Die Girtenmühle habe diese Bedingungen erfüllt und zudem den Vorteil geboten, dass der Name den Menschen in der Umgebung ein Begriff ist. „Uns geht es vor allem darum, Menschen zu helfen, das Camping ist nur ein Mittel, um das zu erreichen.“ Dabei setzen sich die jungen Amsterdamer auch für die Natur ein. „Wir wollen das Landgut Girtenmühle zu einem Ort für Menschen machen, die Hilfe benötigen.“ Das scheint den ambitionierten Niederländern auch gelungen zu sein. Der Umgangston der Betreiber untereinander sowie mit ihren Helfern und Gästen ist vertraut, zwanglos, gesiezt wird hier niemand.

Eingang und Terrasse der Girtenmühle. Foto: Martin Trappen

Das alte Landhaus samt Campingplatz haben die drei zusammen mit Gidis Vater Wim van de Belt und vielen freiwilligen Helfern umgebaut. Das Gebäude haben sie in Eigenarbeit komplett mit organischen Materialien gedämmt. Auf der Terrasse haben sie eine Bar errichtet. In der ehemaligen Gaststätte gibt es nun kein großes Restaurant mehr, in dem ganze Menüs zubereitet werden. Stattdessen werden neben Getränken vor allem Snacks und kleinere Gerichte serviert. „Wir machen alles ein bisschen anders“, sagt Rentenaar.

Im Hauptgebäude können Gäste in einer Bar ordentlich feiern oder im benachbarten Spielzimmer entspannen. Ein Raum in der ersten Etage des Gebäudes ist noch nicht fertig. Er ist hoch und hell, ein großes rundes Fenster lässt viel Sonnenlicht herein. Hier könnte eine Art Seminarraum entstehen, sagt Rentenaar, doch endgültig entschieden sei das noch nicht.

Zusammen pflanzten sie 2017 eine Linde (von links): Vincent Rentenaar, Dominique Brouwer, Gidi van de Belt, Jurrit van Beest, der Losheimer Bürgermeister Lothar Christ und Wim van de Belt. Foto: Landgut Girtenmühle

„Wir machen fast alles selbst“, erzählt er weiter. Die handwerklichen Fertigkeiten, die sie dazu benötigen, hat den drei Freunden ebenfalls Wim van de Belt vermittelt. Er hat die drei auch planerisch und finanziell unterstützt. Wim van de Belt bringt vor allem seine Erfahrung im Bauwesen ein und leitet das Projekt von Amsterdam aus. Vincent Rentenaar ist Campinggastgeber, verantwortlich für Tourismus und die Internetseite. Dominique Brouwer kümmert sich um die Geschäftsbeziehungen, die Bewirtung und die Finanzen. Gidi van de Belt hat ebenfalls ein Auge auf das Geld. Viele fleißige Helfer haben die drei schon, doch sie suchen immer nach mehr. So wollen sie etwa eine Therapie in der freien Natur anbieten und suchen dafür noch Leute, die mitmachen. Außerdem widmen sie sich der Permakultur, also dem nachhaltigen Gartenbau. Langfristig wollen sie nämlich ihr eigenes Obst und Gemüse anbauen.

Neben 50 Stellplätzen für Wohnmobile und Wohnwägen sowie 20 Zeltplätzen finden Urlauber auf dem Landgut Girtenmühle auch Kotas – kleine Wohnhütten –, Weinfässer, in denen bis zu zwei Personen übernachten können, Glamping-Zelte sowie Caravan Deluxe – luxuriös ausgestattete Wohnwagen mit Küche, Bad, einem Doppelbett und einem Kühlschrank. Jeden Freitag gibt es einen Lagerfeuerabend, bei dem die Besucher zusammen sitzen. Auf einer Bühne legt regelmäßig ein DJ auf. Wanderfreunde wird es freuen, dass die Traumschleife „Der Bergener“ direkt an der Campinganlage startet.

In solchen Weinfässern finden bis zu zwei Personen Platz. Foto: Landgut Girtenmühle
Planer und Manager Wim van der Belt. Foto: Martin Trappen

Für die drei jungen Amsterdamer ist hier ein Traum in Erfüllung gegangen. „In der Lage zu sein, ein Stück Land in meine eigene Leinwand zu verwandeln, die Kreativität von anderen anzuregen, war seit Jahren ein Traum von mir. Ich hätte nie gedacht, dass dieses Ziel so viel näher rückt in so kurzer Zeit“, resümiert Rentenaar.

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